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Mobiler und gebildeter

Frauenfeld – Das Erwerbsleben der Thurgauerinnen und Thurgauer hat sich seit dem Jahr 2000 spürbar gewandelt. Mehr Menschen pendeln zur Arbeit ausserhalb des Kantons. Umgekehrt pendeln aber auch immer mehr Berufstätige von einem Wohnort ausserhalb des Kantons zu einem der zahlreicher gewordenen Arbeitsplätze im Thurgau. Frauen sind vermehrt erwerbstätig. Das Bildungsniveau der Thurgauerinnen und Thurgauer ist deutlich gestiegen.

Frauen um die 30 ziehen sich vermehrt aus dem Arbeitsmarkt zurück, um sich der Familie zu widmen. (Bild: Souza/pixelio.de)

Frauen um die 30 ziehen sich vermehrt aus dem Arbeitsmarkt zurück, um sich der Familie zu widmen. (Bild: Souza/pixelio.de)

In der Thurgauer Wohnbevölkerung waren Ende 2010 knapp 137000 Personen erwerbstätig – etwa 16900 Personen oder 14 Prozent mehr als im Jahr 2000. Dies sind zwei Drittel der über 15-jährigen Wohnbevölkerung. Sieben von zehn erwerbstätigen Einwohnerinnen und Einwohnern arbeiteten im Thurgau, die übrigen pendelten über die Kantonsgrenze hinweg zur Arbeit. Dies geht aus der Strukturerhebung im Rahmen der Volkszählung 2010 hervor.

Markante Zunahme der Pendlerströme
Rund 42600 Thurgauerinnen und Thurgauer gingen im Jahr 2010 einer Berufstätigkeit ausserhalb des Kantons nach. Dies sind etwa 60 Prozent mehr als im Jahr 2000. Am häufigsten fahren die Berufstätigen an einen Arbeitsort im Kanton Zürich, gefolgt vom Kanton St. Gallen. Wegpendler sind deutlich öfter in der Finanz- und Versicherungsbranche sowie der Information und Kommunikation tätig als Erwerbstätige, die im Thurgau leben und arbeiten. Prozentual ebenso kräftig wie die Zahl der Wegpendler wuchs im Jahrzehnt seit 2000 auch die der Zupendler. Im Jahr 2010 pendelten rund 20200 Personen aus anderen Kantonen zur Arbeit in den Thurgau. Dazu gingen rund 3700 Grenzgängerinnen und Grenzgänger einer Arbeit im Thurgau nach.

Mehr Arbeitsplätze und höhere Erwerbsquote
Gemäss den Daten aus der Strukturerhebung 2010 dürften im Kanton Thurgau im Jahrzehnt 2000 bis 2010 knapp 12000 zusätzliche Arbeitsplätze entstanden sein. Diese bieten der grösseren Schar von Zupendlern, aber auch der gestiegenen Zahl von im Thurgau lebenden und arbeitenden Berufstätigen Beschäftigung. Letztere haben nicht nur aufgrund des Bevölkerungswachstums zugenommen, sondern auch dank der vermehrten Präsenz der Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Im Jahr 2000 waren 71 Prozent der 15- bis 64-jährigen Thurgauer Frauen erwerbstätig, 2010 waren es knapp 75 Prozent. Bei den Männern hingegen hat die Erwerbsquote leicht abgenommen, hauptsächlich aufgrund des ausbildungsbedingt verzögerten Berufseintritts.

«Familienknick» bei der Erwerbsbeteiligung der Frauen
Das Erwerbsverhalten der Frauen unterscheidet sich jedoch noch immer stark von jenem der Männer. Bei den 15- bis 25-Jährigen sind Frauen und Männer gleichermassen in den Arbeitsmarkt eingebunden. Danach öffnet sich jedoch die Schere zwischen den Geschlechtern: Während die Erwerbsquote der Männer mit zunehmendem Alter auf deutlich über 90 Prozent ansteigt und danach konstant hoch bleibt, ziehen sich Frauen um die 30 vermehrt aus dem Arbeitsmarkt zurück, um sich der Familie zu widmen. Die Erwerbsquote der Frauen steigt zwar ungefähr ab dem 35. Lebensjahr wieder an, bleibt jedoch unter derjenigen der Männer. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist die Erwerbsbeteiligung der Frauen jedoch quer durch alle Altersklassen gestiegen. Zudem hat sich auch der «Familienknick» in der Erwerbsbiografie etwas nach hinten verschoben.

Frauen häufig mit kleinen Arbeitspensen
Die vermehrte Einbindung der Frauen in den Arbeitsmarkt widerspiegelt sich im eindrücklichen Vormarsch der Teilzeitarbeit. Im Jahrzehnt 2000 bis 2010 schnellte die Zahl der Teilzeitarbeitenden um 40 Prozent in die Höhe, während die Vollzeiterwerbstätigen mit rund 13 Prozent und die Nichterwerbspersonen (Studierende, Haufrauen/-männer, Pensionierte) mit acht Prozent deutlich gemächlicher zunahmen. Erwerbstätige Thurgauer Frauen sind häufig mit sehr geringen Pensen in den Arbeitsmarkt eingebunden. Rund 15 Prozent der erwerbstätigen Thurgauerinnen haben ein wöchentliches Pensum von weniger als zehn Stunden, knapp jede dritte erwerbstätige Frau arbeitet im Thurgau weniger als 20 Stunden pro Woche. Demgegenüber arbeiten nur grob fünf Prozent der erwerbstätigen Thurgauer Männer mit einem Pensum von 20 Stunden oder weniger.

In Kaderpositionen sind Frauen nach wie vor untervertreten
Frauen sind in Kaderpositionen nach wie vor deutlich untervertreten. Besonders ausgeprägt ist dies im obersten Kader: 2,3 Prozent der erwerbstätigen Frauen sind Direktionsmitglieder, bei den erwerbstätigen Frauen sind es nur gerade 0,4 Prozent. Arbeitnehmer mit einer Vorgesetztenfunktion sind gut 21 Prozent der männlichen, aber nur knapp 13 Prozent der weiblichen Erwerbstätigen.

Deutlicher Anstieg des Bildungsniveaus
Das Bildungsniveau der Thurgauer Wohnbevölkerung ist in den letzten Jahrzehnten markant gestiegen. So gibt es heute deutlich weniger Thurgauerinnen und Thurgauer, die höchstens über eine obligatorische Schulbildung verfügen. 2010 war dies bei knapp 18 Prozent der 20- bis 64-Jährigen der Fall, vor 20 Jahren waren es noch 29 Prozent gewesen. Oft handelt es sich dabei um Immigranten der ersten Generation, allen voran aus Italien, Mazedonien, Portugal, Serbien und der Türkei. Kräftig erhöht hat sich hingegen der Anteil der 20- bis 64-jährigen Thurgauerinnen und Thurgauer mit einem Abschluss auf der Tertiärstufe (2010: 24 %; 2000: 16 %; 1990: 11 %). Der weitaus verbreitetste Abschluss auf Tertiärstufe ist eine höhere Fach- und Berufsausbildung mit eidgenössischem Fachausweis, knapp die Hälfte der Tertiärabschlüsse in der Thurgauer Wohnbevölkerung entfallen darauf.

Rund 75 Prozent der Thurgauerinnen und Thurgauer mit einem Abschluss auf Tertiärstufe sind Schweizer Bürger, weitere rund 15 Prozent haben einen deutschen Pass. Relativ zur deutschen Wohnbevölkerung im Thurgau sind Abschlüsse auf der Tertiärstufe bei Deutschen jedoch sehr verbreitet. Mehr als vier von zehn im Thurgau ansässigen erwachsenen Deutschen haben einen Bildungsabschluss auf Tertiärstufe in der Tasche, bei den Schweizer Bürgern sind es nur gut zwei von zehn.

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