/// Rubrik: Leserbriefe

Boulevard – und kein Ende?

Nein, so schlecht wie manche über die neue Gestaltung der Hauptstrasse reden, ist sie nicht. Viel Goodwill (allzuviel?) zeigt der Stadtrat gegenüber einzelnen Gruppierungen und scheiterte damit prompt! Fussgänger, Velofahrer und Autos nebeneinander kann nicht gelingen, wenn die Strasse nach wie vor als Durchfahrt genutzt wird; dafür ist der Strassenraum nicht angelegt. (Text: Ernst Frischknecht)

(Bild: Archiv)

(Bild: Archiv)

Der fundamentale Widerstand des Gewerbes gegen Fussgängerzonen hat Tradition und lässt wie in Kreuzlingen die Behörden einknicken. Dabei gibt es einige Beispiele, wo im Nachhinein alle eines Besseren belehrt wurden: Erst ohne Autos fühlen sich die Fussgänger und Radfahrer sicher und empfinden die Strasse angenehm und einladend zum Verweilen.

Die Parkflächen in Stadtkern vor den Geschäften dagegen sind eine Aufforderung zum Autofahren und nicht zum Flanieren; Autos gehören deshalb in Parkhäuser oder an den Rand des Zentrums und nicht in einen durchaus attraktiv gestalteten Strassenraum. Der öffentliche Verkehr in der Stadt ist vorbildlich und bringt die Kunden mitten ins Zentrum; Busse oder Radfahrer daraus zu verbannen, ist bestimmt nicht förderlich. Der Trend in Städten, wo Parkflächen bewusst eingeschränkt oder sehr teuer sind, geht dahin, dass immer mehr Haushalte überhaupt aufs Auto verzichten; in Basel beträgt der Anteil 52 Prozent.

Die Abstimmung über einen autofreien Boulevard ist eine Chance, das Für und Wider abzuwägen und alle mitbestimmen zu lassen, was für das Stadtzentrum Sinn macht.

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One thought on “Boulevard – und kein Ende?

  1. Bruno Neidhart

    Die „klassische Kreuzlinger Hauptstrasse“ war früher so ziemlich die einige Möglichkeit des vielfältigen Einkaufens. Es flanierte entsprechend flott. Und einige (Kult-) Beizen gab es! Nur die kleinen Lebensmittelgeschäfte verteilten sich im ganzen Stadtgebiet – von „Tante Emma“ bis „Konsum“. Das hat sich grundlegend geändert, wobei sich die Hauptstrasse in ihrer Eigenart nicht weiter entwickelte – oder nur die Banken! Eingekauft wird heute alles Mögliche an der Peripherie der Stadt, besonders im Osten, neuerdings auch im Nordwesten, über der Bahnlinie Konstanzerstrasse. Coop (Karussell) hat sich zwar zentrumsnah angesiedelt, mutierte aber durch seine Ausgestaltung zu einem Solitär ohne grossen Bezug zum „Boulevard“ (man steigt wieder ins Auto). Der Ceha!-Versuch floppt bekanntlich, muss derzeit neu justiert werden. Nun soll das Zentrum noch das Satdthaus verlieren. Dabei wäre gerade diese Örtlichkeit ein Zeichen zu einem neuen Aufbruch. Hier ist die Gelegenheit, „die multiple Stadtgesellschaft“ – jung, alt, CH, „anders“, wieder in den Fokus zu bringen, damit ein neues Interesse am Stadtzentrum geweckt wird. So ist also das Stadthaus – wenn es denn schon ein neues braucht! – multifunktionell zu gestalten: mit allen möglichen Tages- und Abend-Einrichtungen durch Angebote verschiedenster Art für Stadtbewohner und Stadtbesucher – auch die Tourist -Information betreffend!, usw. (Ich habe das bereits mehrfach ausführlicher erwähnt!). Es muss ein Ruck durch die Stadt gehen. So ein Stadthaus kann auch in einer Kombination mit privaten Bauinteressierten erstellt werden, die über den Rand eines nur administrativ zu nutzenden Hauses hinaus planen. Das Kulturangebot am Boulevard soll ebenso zu einem besonderen Bestandteil des Zentrums werden. Da sind viele Möglichkeiten offen (Nur ein Hinweis: Die Stadt hatte früher drei Kinos! Den „Kunstraum“ muss man suchen, bildet sich nicht genügend ab am Boulevard. Die ehemalige „(Kult-) Galerie“ Latzer verzog sich in den Osten, usw.). Nebenbei noch ein Zusatz zur Stadt allgemein: Am Boulevard fehlt z.B. auch eine grosse , bebilderte Informationstafel auf die wichtige, attraktive „Kreuzlinger Lakeside“ – mit einem Bushinweis! Ein (Stadt-) Lokal, wo sich „tout le monde“ trifft, parliert, schimpft, Ideen entwickelt, politisiert, sich locker fühlt, sich auch „Fremde“ tummeln und sich wohl fühlen unter den Einheimischen existiert ebenso am Boulevard nicht, usw. Es ist „langweilig“ geworden im Zentrum – beliebig. Weniges „zündet“. Da ist die Frage: „Mit oder ohne Autos?“, wie sie Herr Frischknecht aufwirft, noch sehr lange zweitrangig! Die kann dann gestellt werden, wenn über das Konzeptuelle hinweg sich tatsächlich etwas entwickelt hat, an dem man „einfach nicht vorbei kommt“. „Macher“ aus allen Gebieten der Geschäftswelt, der Kultur, usw., sollten sich wirklich mal Gedanken machen, wie es erfreulicher weitergehen kann. So wie es derzeit läuft – eben kaum läuft! – , ist für das Stadtimage alles andere als positiv. Woran liegt’s denn im Kern? Wer gibt die Richtung vor? Wer hat diese Kraft? Solche Fragen sind zu stellen.

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