/// Rubrik: Leserbriefe

Miteinander statt gegeneinander!

Die Berichterstattung über die letzte katholische Kirchgemeindeversammlung lässt aufhorchen. Entbrennt in Kreuzlingen ein neuer Kulturkampf wegen der Xentrum-Projekte? (Text: Thomas Dufner, Alfredo Sanfilippo, Ernst Zülle, Antonio Pesquera, Walter Schmid)

(Bild: Archiv)

(Bild: Archiv)

Es ist allseits unbestritten, dass die geplanten Xentrum-Projekte auf dem Bärenplatz und der Festwiese auf die Basilika St. Ulrich Rücksicht zu nehmen haben. Das ist auch dem Stadtrat ein Anliegen, wie aus der Involvierung der Denkmalpflege und der eidg. Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) ersichtlich ist. Es führen aber viele Wege nach Rom! Es macht daher keinen Sinn, einige davon bereits heute zu sperren, indem spezielle Abstände als zwingende Vorgaben definiert werden, welche den Planern Fesseln anlegen, die unter Umständen ein für die Kirche St. Ulrich gutes Projekt behindern. Warten wir doch zuerst einmal die Ergebnisse des Projektwettbewerbes und die Vorschläge ab.

Über die Wünschbarkeit und Notwendigkeit einzelner oder aller Xentrum-Projekte bestehen berechtigterweise unterschiedliche Meinungen. Der Gemeinderat hat Ende letzten Jahres den Projektierungskredit für ein Stadthaus am Standort Bärenplatz bekräftigt, nachdem die ENHK den Bärenplatz als möglichen Standort bezeichnet hatte. Diesem demokratischen Entscheid des Gemeinderates gilt es mit dem nötigen Respekt zu begegnen.

Es darf daher nicht sein, dass an einer Kirchgemeindeversammlung gegen Entscheide der Stadtinstitutionen ungehindert polemisiert wird. Die Bevölkerung wird im Übrigen bei der Abstimmung über den Baukredit so oder so das letzte Wort haben. Der mit der Presseberichterstattung entstandene Eindruck, dass die Kreuzlinger Katholiken generell gegen die Pläne des Stadtrates und seine Vorgehensweise und mit der harten Haltung der kath. Kirchenvorsteherschaft einig sind, trifft nicht zu. Die Unterzeichneten sind vielmehr der Meinung, dass ein Miteinander statt ein Gegeneinander der bessere Weg zu guten Lösungen ist.

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One thought on “Miteinander statt gegeneinander!

  1. Bruno Neidhart

    In dieser Frage ist es – dies vorab – „demokratische durchaus erlaubt“, einen grundsätzlichen Gegenpart zur nachträglich revidierten Aussage der Eidgenössischen Denkmal-Kommission zu bilden, also für ein deutliches, klares „Niemals“ zum vorgesehenen Bauort zu votieren, ist doch die Kommission „aus nicht eindeutig nachvollziehbaren Erwägungen heraus“ von einer früheren Sicht abgewichen. Der ganze Komplex ist nun stadtbekannt und beschäftigt entsprechend – wie zu lesen ist, besonders auch – nicht nur! – die Katholische Kirchgemeinde als „direkt Betroffene“. Die ursprüngliche Fragestellung der Stadt, ob etwa der charmante, historische „Dreispitzpark“ in diesem Zusammenhang zu überbauen sei, war übrigens bereits zu Beginn der Idee „daneben“, ohne dass speziell „denkmalwürdigende Gründe“ herangezogen werden mussten: Dieser begrenzte (Grün-) Raum hätte gar keinen Bau in der vorgesehenen Dimension ermöglicht. Die Stadt hat ein Gebäude entlang der oberen Pestalozzistrasse – beim Bärenplatz – bekanntlich bereits vorher als „ziemlich gewagt“ erkannt und daraufhin negativ reagiert. Die grundsätzliche „Angst“, in Sichtweite zur Klosterkirche einen grossen, solitären Bauriegel zu planen, war hier – wie zu vermuten – latent vorhanden. Wenn sich der Gemeinderat nun für einen Projektkredit zum Bau explizit an dieser Stelle ausgesprochen hat, also auf den „Kommisionszug – mit welchem Hintergrund auch immer! – aufgesessen ist, so war das zwar sein „demokratisches Recht“, doch kann man ebenso argumentieren, dass dieser Entscheid, so „demokratisch“ er auch aussieht, daran krankt, dass vorher nicht zwei oder drei Optionen vorgelegt wurden – Alternativen also, wo denn dieses Gebäude überhaupt errichtet werden soll – wenn schon!. Da nun die Bevölkerung „das letzte Wort hat“, wie die obigen Artikelschreiber richtig feststellen, so ist vorstellbar, dass genau diese Bevölkerung ein Vorhaben, das nun quasi als „ultima ratio“ vorgestellt wird, bereits in seinem Kern – dem Bauort – infrage stellt, also die Sache rundum negiert. Einen Projektkredit zu beantragen, bevor „das Volk“ gefragt wird, ob an dieser oder jener Stelle überhaupt etwas errichtet werden soll, ist mir grundsätzlich nicht plausibel zu machen. Eine geändertes Vorgehen – also zuerst die Frage zu stellen: „Wo sähe das Volk denn die beste Möglichkeit, etwas zu bauen“ – , wäre im demokratischen Kontext nicht zuletzt auch eine überzeugendere Art zu wirtschaften! Somit wäre „das Volk“ in die Pflicht zu nehmen, wenn es trotzdem schief läuft. Beim jetzigen Vorgang liegt ein möglicher „Flop“ explizit beim Gemeinderat. Ist zwar auch letztlich „ganz demokratisch“, aber vielleicht doch nicht die beste Lösung, mit einer (mindestens!) „Halbjahrhundertidee“ auf diese Weise hausieren zu gehen.

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