/// Rubrik: Stadtleben

Hör mal, wer da hämmert

Kreuzlingen – An der Unterseestrasse Ecke Finkernstrasse wurden in den vergangenen Tagen Betonpfosten mit schwerem Gerät in die Erde gerammt – sehr zum Leid der durch den Lärm geplagten Anwohner. Pfahlfundation nennt sich das. Das Vorgehen sei zwingend nötig, sagt der Bauherr und verweist auf ein Bodengutachten.

Für die Anstösser war es eine Zumutung. «Eine Minderung der Lebensqualität», findet etwa Eberhard Bräun, der vis-à-vis auf der anderen Strassenseite wohnt. Um seinem Ärger Luft zu machen, brachte der Maschinenbauingenieur ein Transparent an der Hausfassade an. «Protest gegen den ‹Hammer›» war darauf zu lesen. Für seinen stillen Aufstand habe er von den Nachbarn Zustimmung erhalten, sagt Bräun. Dabei war das Klopfen bei ihm in der Attikawohnung nicht mal so stark zu hören.

Im Hintergrund hämmert's: verärgerter Anwohner Bräuns. (Bild: sb)

Im Hintergrund hämmert’s: verärgerter Anwohner Bräuns. (Bild: sb)

Minderung der Lebensqualität
Schlimmer hatten es die direkten Anstösser. In der Stube von Hugo Olbrecht war das wummernde Hämmern nicht nur zu hören, sondern auch zu spüren. Der Boden vibrierte leicht bei jedem Schlag. «Lärmbelästigung aus heiterem Himmel», sagt der Rentner. Er findet, dass der Bauher sich wenigstens hätte vorab für den Krach entschuldigen können.

Bauherr ist die Generalbau Ostschweiz AG, mit der Bauleitung betraut ist die Hasen Miller Architektur AG, beides Firmen aus Kreuzlingen. Architekt Mirco Miller kann den Ärger der Anwohner verstehen, verweist aber auch auf ein entsprechendes Bodengutachten. «Pfahlgründung war hier zwingend notwendig.» Die Bewilligung dazu habe das Kantonale Amt für Umwelt in Frauenfeld erteilt.

Notweniges Übel …
«Mit der Baueingabe wurden schriftlich durch die Bauverwaltung sowie im persönlichen Gespräch alle Grundeigentümer der umliegenden Liegenschaften über die bevorstehenden Arbeiten informiert», so Miller. Gearbeitet werde nur von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr. Es sei ein lästiges Übel, auch für ihn: «Es ist in jedem Fall sehr viel teurer als eine einfache Flachfundation, die wir wenn irgendwie möglich natürlich immer anstreben.»

… aber alltäglich in Kreuzlingen
Pfählen sei «leider alltäglich», sagt der Architekt und zählt einige Bauvorhaben In Kreuzlingen der letzten Zeit auf: für Aldi, für Landi (letztere beide sogar nur eingeschossig), für IWAG Distribution (den Reifengrosshändler direkt am Autobahnzoll), für Ifolor und Strellsson nördlich der Bahnlinie und auch für sämtliche Bauten im Bellevuepark sowie die neue Heizzentrale Wärmeverbund PH oder sogar Einfamilienhäuser an der Bernrainstrasse sei gepfählt worden.
Das sei immer mit viel Lärm verbunden, der, vor allem in Wohngebieten, natürlich belastend sein könne.

Der «Junttan» im Einsatz an der Unterseestrasse/Ecke Finkernstrasse. (Bild: sb)

Der «Junttan» im Einsatz an der Unterseestrasse/Ecke Finkernstrasse. (Bild: sb)

Der «Hammer» ist ein Finne
Für die Arbeiten an der Finkernstrasse wurde deswegen eine Spezialfirma gesucht und mit der FBB Spezialtiefbau AG aus dem Rheintal auch gefunden. Deren Fachmänner bringen Erfahrung mit und modernste Maschinen, etwa ein spezielles Rammgerät aus Finnland namens «Junttan PM16», nach Angaben der FBB das neueste auf dem deutschsprachigen Markt, mit einem hydraulischen und schallgeschützten Freifallhammer. Andere Maschinen seien lauter, sagt die Geschäftsleitung.

Mittlerweile wurde fertig gehämmert. Der letzte der insgesamt 117 Fertigteilrammpfähle aus Beton zwischen sieben und zehn Metern Länge wurde heute versenkt. Die Arbeiten gingen zehn Tage lang, dürften aber sicherlich nicht die letzten ihrer Art in Kreuzlingen gewesen sein.

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