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Im Gedenken an die Brandnacht

Kreuzlingen – In der Nacht vom 19. auf den 20. Juli 1963 brannte es in Kreuzlingen lichterloh. Kirche St. Ulrich und ehemaliges Klostergebäude standen in Flammen, die Feuerwehren aus Kreuzlingen und Konstanz kämpften um die wertvollen historischen Gebäude und deren Ausstattung. Ein Gedenkgottesdienst und eine Ausstellung im Museum Rosenegg erinnern an Brandnacht und Wiederaufbau.

Pfarrer Alois Jehle, Walter Hofstetter vom Museum Rosenegg, PMS-Rektor Lorenz Zubler und Caroline Leuch von der Stadt Kreuzlingen (v.l.) stellten das Programm zum Gedenken an den Brand vor. (Bild: Thomas Martens)

Pfarrer Alois Jehle, Walter Hofstetter vom Museum Rosenegg, PMS-Rektor Lorenz Zubler und Caroline Leuch von der Stadt Kreuzlingen (v.l.) stellten das Programm zum Gedenken an den Brand vor. (Bild: Thomas Martens)

«Wir müssen der damaligen Generation und den Menschen dankbar sein, dass sie mitgeholfen haben, den bedeutsamen Komplex zu erhalten», drückt der Rektor der Pädagogischen Maturiätsschule (PMS), Lorenz Zubler, seinen Respekt vor der grossen Leistung aus. Seit 1850 hat das ehemalige Lehrerseminar hier seinen Sitz. Ob finanzielle Zuwendung, Tatkraft oder beides – die Leistung der Nachkriegsgeneration ist nicht hoch genug einzuschätzen. Dies unterstrichen anlässlich eines heutigen Mediengesprächs auch St. Ulrich-Pfarrer Alois Jehle, Walter Hofstetter vom Museum Rosenegg und Caroline Leuch als Vertreterin der Stadt Kreuzlingen, die ihren Namen bekanntlich dem Kloster verdankt.

«Kirche und Klosteranlage geben der Stadt ihre Identität», verdeutlicht Jehle die Bedeutung der Gebäude, damals wie heute. Zum Gedenken an die verheerende Brandnacht von vor 50 Jahren, als infolge eines Schwelbrandes nach Schweissarbeiten beinahe nur noch die dicken Mauern stehen blieben, hat das Museum Rosenegg unter Federführung von Walter Hofstetter eine Sonderausstellung zusammengestellt. Diese ist vom 20. Juli bis 25. August unter dem Titel «St. Ulrich in Flammen» im Stucksaal des Museums zu sehen.

Hofstetter zeigt Film
Neben zahlreichen zeitgeschichtlichen Dokumenten in Wort und Bild ist auch der Film «Kreuzlinger Wahrzeichen zerstört und wieder aufgebaut» zu sehen, den Hofstetter damals gedreht und für die Ausstellung neu aufgearbeitet hatte. Als 28-Jähriger war er 1964 als Student ins Lehrerseminar eingetreten. Die Exponate kommen Hofstetter zufolge von Feuerwehr Kreuzlingen, Kirchgemeinden, Staatsarchiv und Denkmalpflege.

Zurecht denkmalgeschützt
Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um den Standort eines neuen Stadthauses mit Bedenken um eine freie Sicht auf das Denkmal St. Ulrich dürfte interessant sein, was davon nach dem Brand überhaupt noch original und historisch wertvoll ist? Lorenz Zubler kann «Stadthaus-Gegner» und alle anderen beruhigen: «Das Feuer hat nur im Dachstuhl gewütet, nicht im Erdgeschoss.» Während weite Teile im Innern des Kirchenschiffs durch herabstürzende Gebälkteile zerstört worden seien, hätten die Zwischendecken im Klostergebäude Schlimmeres verhindert. «So konnte die wertvolle Einrichtung mit Gemälden, Holzvertäfelungen und Türen gerettet werden», erläutert der PMS-Rektor. Lediglich Wasserschäden durch die zehntägigen Löscharbeiten habe es gegeben.

Dass der gesamte Komplex heute überhaupt und in leuchtendem Weiss erstrahlt, ist dem Einsatz von Pfarrei St. Ulrich und kantonaler Denkmalpflege zu verdanken, die den Wiederaufbau mit Mut und Weitsicht befürworteten und letztlich alle weiteren Beteiligten und Geldgeber davon überzeugten. So beschloss die Kirchgemeinde zwei Monate später mit 377 Ja- und 22 Neinstimmen die Wiederherstellung und sprach einen Kredit von 400000 Franken. Im März 1964 genehmigte die Kirchgemeinde einen Kredit von knapp 2,8 Millionen Franken und die Thurgauer Stimmbürger gaben einen halbes Jahr danach mit grosser Mehrheit von 15730 Ja gegen 7018 Nein sechs Millionen Franken frei. Vom Bund kamen fürs Seminar etwa 636000 Franken zu den Baukosten von insgesamt 12 Millionen Franken hinzu. Am 5. November 1967 konnte die Kirche wieder eingeweiht werden.

Gedenkgottesdienst
Am Samstag, 20. Juli, findet um 15.30 Uhr in der Kirche St. Ulrich ein Gedenkgottesdienst statt. Es sprechen Stadtammann Andreas Netzle und PMS-Rektor Lorenz Zubler. Jürg Trippel (Orgel) und Kurt Brunner (Trompete) umrahmen die Veraanstaltung musikalisch. Um 16.30 Uhr Apéro.

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