/// Rubrik: Region | Topaktuell

Den Doors die Orgelnoten geklaut

Konstanz – Der Konstanzer Jazzmusiker Paul Amrod arbeitet derzeit mit einem hochkarätig besetzten Ensemble an einem Musiktheater über die legendäre Gruppe Doors. Vor der eigenen Haustür wurden ihm vergangene Woche wichtige Noten und sein Auto geklaut. Die Premiere ist aber nie in Gefahr gewesen.

Die Noten sind wieder da: der Konstanzer Jazzmusiker Paul Amrod (r.) und Hauptdarsteller Johannes Stöckle proben für ein Musiktheater. (Bild: sb)

Die Noten sind wieder da: der Konstanzer Jazzmusiker Paul Amrod (r.) und Hauptdarsteller Johannes Stöckle proben für ein Musiktheater. (Bild: sb)

Die Doors hatten keinen Bassisten. Ray Manzarek, der Organist, spielte deswegen zusätzlich Bassnoten auf seinem Fender Rhodes Piano. «Es gibt eigentlich keine richtig transkribierten Noten für Manzareks Bassparts und seine Soli», sagt Paul Amrod. Kein Problem für den Musiker, seines Zeichens Absolvent der weltberühmten Juilliard School in Manhattan: In stunden-, ja wochenlanger Arbeit transkribierte Amrod fast 20 Songs selbst. Denn am 25. Oktober möchten er und seine Mitstreiter mit dem Stück «Jim Morrison – Die Doors-Legende» im Konstanzer Neuwerk premieren. Das Ganze soll schliesslich so nahe dran am Original wie möglich sein. Im Ensemble finden sich Stars der lokalen Musiker- und Schauspielerszene wie der Drummer Patrick Manzecchi oder Frank Lettenewitsch.

Beinahe hätte die ambitionierte Theaterproduktion einen herben Rückschlag erlitten. Als der im Cherisy-Areal wohnhafte Jazzmusiker sein Auto vergangene Woche vor der eigenen Haustür für fünf Minuten unbeaufsichtigt liess, stahlen freche Diebe seine Tasche, in dem sich neben anderem auch die wichtigen, selbst transkribierten Noten befanden – und sein Autoschlüssel. In den folgenden Tagen parkte Amrod das Auto an einem geheimen Platz, er musste warten, bis das Schloss umkodiert werden konnte. Trotz der Sicherheitsvorkehrungen schlugen die Diebe erneut zu, als Amrod sein Auto für ein Konzert im Konstanzer Inselhotel belud. Auch hier war der Wagen nur Minuten unbeaufsichtigt. Erst Noten, dann das Auto weg, und das vor der eigenen Haustür? «Das müssen Jugendliche aus der Nachbarschaft gewesen sein», ärgert sich der 62-Jährige.

Der dreiste Diebstahl war Nachbarschaftsgespräch im Cherisy-Areal, so auch tags darauf, als seine Frau Bernadette mit dem Hund spazieren ging. Plötzlich kam eine Gruppe Jugendlicher auf sie zu und fragte nach dem Verbleib des Autos; sie hätten eines, das auf die Beschreibung passt, nahe des ABC-Hotels an der Steinstrasse gesehen. «Mit zum Fundort kommen wollten sie aber nicht und rannten weg», erinnert sich Bernadette. Und: «Der Sitz war ganz nahe am Lenker dran. Der Autodieb muss von kleiner Statur gewesen sein.» Zur Freude ihres Mannes befanden sich jedoch die Notenblätter im Auto, das unbeschädigt blieb.

Ende gut, alles gut?
«Noch bevor die Spurensicherung der Polizei fertig war, sind wir wieder zurück ins Studio», blickt Hauptdarsteller Johannes Stöckle zurück. Er spielt den jungen Jim Morrison und war ebenfalls vor Ort. Weiter ging’s mit den Proben. «Die Premiere war zwar nie in Gefahr, aber ich hätte die ein oder andere Nachtschicht einlegen müssen, wären die Blätter nicht wieder aufgetaucht», verdeutlicht Paul Amrod. Verschollen bleiben lediglich die anderen geklauten Gegenstände: ein Netzteil, Kabel, Keyboardstative. Ein materieller Verlust, aber dennoch: «Die Cherisy ist ein alternativer, toleranter Wohnort. Es ist schade, wenn diese Lockerheit nun von bestimmten Personen ausgenutzt wird», ärgert sich der Musiker.

Das Musik-Theater «Jim Morrison – die Doors Legende» premiert am 25. Oktober im grossen Saal des Konstanzer Neuwerks. Vorerst sind acht Aufführungen geplant.    Stefan Böker

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.