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Bildungs-Tradition in der Kritik

Kreuzlingen/Konstanz – Konstanzer Gemeinderäten und der Stadtverwaltung ist der hohe Anteil an Schülern aus der Schweiz in Konstanzer Schulen ein Dorn im Auge. In der jüngsten Sitzung des Schulausschusses wurde heiss debattiert.

Schweizer Schulen weisen einen hohen Standard auf. (Bild: Archiv)

Schweizer Schulen weisen einen hohen Standard auf. (Bild: Archiv)

Insgesamt 305 Schülerinnen und Schüler mit Wohnsitz in der Schweiz besuchten im abgelaufenen Schuljahr 2012/13 Schulen in Konstanz. Alle Schularten waren dabei, den grössten Anteil machten die Gymnasien aus mit 173 Schülern, gefolgt von den Grundschulen mit 92 und den Realschulen mit 38.

Wie der Kreuzlinger Schulpräsident Jürg Schenkel auf Anfrage mitteilte, gingen im vergangenen Schuljahr 180 Kinder mit deutscher Staatsbürgerschaft aus dem Bereich der Schulgemeinden Kreuzlingen nach Konstanz, davon 111 Kindergarten- und Primarschüler und 69 Sekundarschüler.
Während die Stadt Konstanz als Schulträger für Schüler der weiterführenden Schulen ab Klasse fünf zumindest die Sachkostenbeiträge für die jeweilige Schulart vom Land Baden-Württemberg zur Abdeckung eines Teils der entstehenden Kosten erhält, gibt es für Primarschüler keine direkten Sachkostenbeiträge vom Land.

Konstanz zahlt, Thurgau nicht
Die Aufwandskosten für in der Schweiz wohnhafte Primarschüler trägt ausschliesslich die Stadt Konstanz, ein Kostenbeitrag der Eltern ist wegen der in der Landesverfassung Baden-Württemberg hinterlegten Lernmittelfreiheit nicht möglich, der Kanton Thurgau hat eine Schulkostenbeteiligung abgelehnt.

Nach Angaben der Leiterin des Staatlichen Schulamtes Konstanz, Sylvia Anderson, gebe es keine rechtliche Vorschrift, dass deutsche Kinder in der Schweiz in Deutschland zur Schule gehen können oder gar müssen. «Es handelt sich dabei vielmehr um ein nachbarschaftliches Entgegenkommen, das eine lange Tradition hat.»

Die Aufnahme von Kindern mit schweizer Wohnsitz in die Konstanzer Grundschulen suggeriere nach Meinung des Konstanzer Amtes für Schulen und Bildung den Eltern einen nicht vorhandenen späteren Zugangsanspruch auf die weiterführenden Schulen, was insbesondere im Fall der Gymnasien aufgrund der Aufnahmekapazität problematisch sei. Und ein weiterer Faktor treibt Konstanz auf die Palme, das Geld. ­

Kreuzlingen spart
Gemäss Jürg Schenkel belaufen sich die Kosten pro Schüler und Jahr im Kindergarten auf rund 10000, auf der Primarschule auf 15000 und auf der Sekundarschulstufe auf 20000 Franken. Eingerechnet seien dabei alle Kosten wie Lehrer, Sachmittel, Räume und Energie. Kosten, die er sich bei 305 Schülern mit einer Beschulung in Konstanz spart.

Das wollen Konstanzer Stadträte nicht länger hinnehmen. Nicht nur die fehlenden Landeszuschüsse bei den Primarschülern stossen auf Kritik, sondern auch die zunehmende Raumnot. Beschlüsse wurden in der Sitzung des Schulausschusses keine gefasst. Es ist fraglich, ob Konstanz überhaupt Regelungen verabschieden kann, die sich gegen eine solche «Freizügigkeit im Schulbereich» stellen.

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