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Bauprojekt erhitzt Gemüter

Kreuzlingen – Mit der Idylle und Ruhe ist es in einem Teil des Blumenwegs vorbei. Seitdem Peter Schreck und Nella Filz bekannt gaben, ihr Wohnhaus abreissen und an dieser Stelle ein Mehrfamilienhaus bauen zu wollen, formiert sich Widerstand in der Nachbarschaft. Die Bauherren sehen das kantonale Recht auf ihrer Seite, auch wenn es in Kreuzlingen noch nicht umgesetzt ist.

Peter Schreck mit einem Plan des Bauprojekts vor seinem Haus, das er für den Neubau abreissen lassen will. (Bild: Thomas Martens)

Peter Schreck mit einem Plan des Bauprojekts vor seinem Haus, das er für den Neubau abreissen lassen will. (Bild: Thomas Martens)

Peter Schreck und Nella Filz sind als Architekten vom Fach. In Kreuzlingen und Umgebung haben sie in den vergangenen 35 Jahren mehrfach Projekte erfolgreich zum Abschluss gebracht. Sie haben unter anderem das «Blaue Haus» vor dem Abbruch bewahrt und zu einem Bijou gemacht und oberhalb davon Reihenhäuser erstellt.

Jetzt möchten sie sich allmählich zur Ruhe setzen und ihren Lebensabend geniessen, am liebsten dort, wo sie seit 25 Jahren wohnen und arbeiten – am Blumenweg 11. «Das Haus ist uns mit elf Zimmern aber zu gross», beschreiben sie ihre Intention zum Abriss des 76 Jahre alten Gebäudes.

Stattdessen möchten sie an Ort und Stelle ein Mehrfamilienhaus mit vier separaten Wohnungen und einer Attikawohnung für sich selbst in Minergie-P-Standard erstellen. Von bisher zwei Personen könnte die Zahl der Bewohner künftig also um ein Vielfaches anwachsen. Mit einer Länge von knapp 31 Metern vergrössert sich die bisherige Dimension des Gebäudes um die Hälfte.

Die Frage nach dem Baurecht
Dies ist durchaus seit 1. Januar dieses Jahres von kantonalem Baurecht gedeckt, das eine grosszügigere Flächenausnutzung im Sinne von Nachverdichtung und energiesparender Bauweise vorsieht. In Kreuzlingen wird das Recht aber noch nicht umgesetzt, die Stadt hat fünf Jahre Zeit.
Auf Anfrage erklärt der Leiter des Baudepartements, Stadtrat Michael Dörflinger: «Geplant ist, dass wir die kantonale Vorprüfung des Baureglements von Tägerwilen abwarten. Dieses ist auch unter Mitwirkung der umliegenden Gemeinden entstanden, damit wir ein «Musterreglement» für alle Mitwirkenden haben. Auf dieser Grundlage wollen wir dann unser Baureglement überarbeiten. Das sollte bis etwa nächsten Frühling soweit sein, sodass wir im Verlaufe des Jahres 2014 die diversen Vernehmlassungen durchführen können und im folgenden Jahr die Rechtskraft erlangen.» Fraglich ist nun, ob Peter Schreck und Nella Filz ihre Pläne nach kantonalem Recht verwirklichen können, auch wenn dies in Kreuzlingen noch nicht gilt.

Drei Baugesuche eingereicht
Auf jeden Fall haben sie bereits am 7. Juni ein Baugesuch eingereicht und erhielten am 24. Juni einen Brief der Bauverwaltung, in dem darauf hingewiesen wurde, dass in Kreuzlingen noch das alte Baurecht gelte, mit der Bitte, das Baugesuch an die bestehenden Regelungen anzupassen. «Daraufhin haben wir einen Anwalt eingeschaltet, um zu klären, wie wir weiter verfahren sollen», sagt Peter Schreck.

Am 27. Juni reichten er und seine Lebenspartnerin das Baugesuch erneut ein, zogen es dann aber am 8. Juli wieder zurück, «um bestimmte Anpassungen vorzunehmen und der Stadt entgegenzukommen». Das geplante Gebäude ist jetzt inklusive Balkone 31 Meter lang, vorher standen die Balkone heraus. Es ist knapp zwölf Meter breit und mit dem Flachdach zehn Meter hoch, die Firsthöhe des bestehenden Gebäudes mit Satteldach beträgt zwölf Meter. Das Baugesuch wurde diese Woche erneut abgegeben.

Nachbarn sind dagegen
Mit ihrem Bauprojekt hat das Architektenpaar allerdings die Nachbarschaft gegen sich aufgebracht. Der westliche Anstösser Beat Schläpfer, Gemeinderat der Freien Liste, möchte «gleiches Recht für alle» und verweist auf das geltende städtische Baurecht. «Die Bauherren nehmen etwas für sich in Anspruch, was nicht gilt», sagt der Vater von vier Kindern. Für ihn ist die gesamte Vorgehensweise eine moralisch-ethische Frage: «Peter Schreck geht voll auf Konfrontation.» Wenn das Bauprojekt Schule mache, könne es eine «negative Signalwirkung für die weitere bauliche Entwicklung der Stadt bekommen».

In die gleiche Kerbe schlägt ein weiterer Nachbar, der allerdings nicht namentlich genannt werden möchte. Er habe sich «überfahren» gefühlt, weil die Bauherren ihr Vorhaben nur mal kurz mitgeteilt hätten. Weiteren Gesprächen seien sie aus dem Weg gegangen, was Schreck von sich weist.

Einsprachen sind sicher
Das Klima in der Nachbarschaft scheint vergiftet, mit Einsprachen gegen ihr Baugesuch muss das Architektenpaar also rechnen. Der Aufforderung einer Nachbarin, einfach wegzuziehen, möchten Schreck und Filz aber nicht nachkommen. Zuviel Herzblut liegt in der Lage mit herrlicher Aussicht auf den Konstanzer Trichter: «Wieso sollen wir woanders viel Geld zahlen, wenn wir es hier günstiger haben und unsere eigenen Vorstellungen als Architekten umsetzen können?»

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