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Der Luftschiffer war ein Emmishofer

Kreuzlingen/Konstanz – Einer Familie, die Grosses in Konstanz und Friedrichshafen geleistet aber auch in Kreuzlingen deutliche Spuren hinterlassen hat, widmet das Rosgartenmuseum Konstanz eine Sonderausstellung: den Zeppelins. (Text: Kurt Peter)

Graf Ferdinand von Zeppelin und seine Frau Isabella (im Fenster) auf Schloss Girsberg. (Bild: zvg)

Graf Ferdinand von Zeppelin und seine Frau Isabella (im Fenster) auf Schloss Girsberg. (Bild: zvg)

Zum 175. Geburtstag des berühmten Luftschiffers Graf Ferdinand von Zeppelin hat das Rosgartenmuseum eine Sonderausstellung realisiert, die nicht den Erfinder in den Mittelpunkt stellt, sondern, wie Museumsleiter Tobias Engelsing erklärt, «eine Familie, in deren Geschichte die Schweizer Bezüge eine wichtige Rolle spielen, die Schaffung eines der ersten Medienstars und die Hintergründe eines europäischen Netzwerks». Graf Ferdinand von Zeppelin war zu seiner Zeit, neben Kaiser Wilhelm II., der berühmteste Deutsche. Dies lässt sich auch aus der Tatsache ablesen, dass er Ehrenbürger der Städte Konstanz, Friedrichshafen, Worms, Stuttgart, München, Lindau, Baden-Baden und Ulm war. Wie wichtig allerdings die Schweiz und dabei ganz speziell das Schloss Girsberg in Kreuzlingen war, wird leider zu oft vergessen.

Girsberg prägte die Familie
Viele der Leihgaben im Rosgartenmuseum stammen vom Girsberg, «qualitativ sehr hochstehende, wertvolle Sachen, teilweise sogar Neuentdeckungen», erklärt Engelsing. Seit 1803 befand sich das Schloss im Besitz der Konstanzer Fabrikantenfamilie Macaire. 1840 vermachte es David Macaire seinem Schwiegersohn Friedrich von Zeppelin. Damit zogen auch der spätere Luftschiffer Ferdinand, sein Bruder Eberhard und Schwester Eugenie nach Kreuzlingen.

Die Jugendjahre der drei Kinder waren geprägt durch eine strenge Erziehung, einem landwirtschaftlich geprägten Lebensrhythums und Bescheidenheit. Hauslehrer Robert Moser sorgte für die Bildung. Nach dem Tod der Mutter Amélie verliess die Familie den Girsberg. Das Schloss wurde wieder 1869 zur Residenz. Hier machte sich Ferdinand seine ersten Gedanken zum Luftschiffprojekt und ab 1891 begann er, dieses ernsthaft voranzutreiben. Auch die Kreuzlinger verfolgten die Vorbereitungen für den Erstflug mit Spannung, aber auch mit Skepsis. Nach mehreren misslungen Versuchen schrieb der damalige Thurgauer Volksfreund: «Die Geschichte wird almälig langweilig».

Ein populärer Mitbürger
Doch nach dem gelungenen Erstflug am 2. Juli 1900 waren alle Zweifel verfolgen, der Stolz auf den Grafen aus Emmishofen war gross. Der 70. Geburtstag des Grafen am 8. Juli 1808 wurde zum Volksfest mit Flaggenschmuck, Feuerwehr und viel Musik. Auch alle Behörden traten an, um dem Luftfahrtpionier zu gratulieren. Nicht untätig blieb unterdessen sein Bruder Eberhard. Er liess die ehemalige Färberei auf der Konstanzer Insel zum Hotel umbauen, übernahm in Kreuzlingen den Kunzenhof und baute ihn zum noch heute bestehenden Ebersberg aus. Die in Glaubensfragen konservativen Brüder Ferdinand und Eberhard traten nach dem Verbot des Apostolikums im Kanton Thurgau aus der Landeskirche aus und waren Mitbegründer der Unabhängigen Evangelischen Kirchgemeinde Emmishofen.

Ausstellung
Die Ausstellung im Rosgartenmuseum dauert noch bis zum 29. Dezember. Zur Ausstellung ist das Buch «Die Zeppelins – Lebensgeschichten einer Adelsfamilie» von Tobias Engelsing und Jürgen Bleibler erschienen. Es umfasst 200 Seiten und ist reich illustriert, das Werk ist im Museum erhältlich.

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