/// Rubrik: Leserbriefe

Die Freiwillige Miliz ist eine Illusion

Mit der Abstimmung vom 22. September entscheidet die Schweiz über eine Volksinitiative der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA). (Text: Marcel Schuler)

(Bild: pixelio)

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Ich lehne die Initiative zur Aufhebung der Wehrpflicht klar ab, da, wie Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, Armeen ohne Wehrpflicht die grösste Mühe haben, genügend gutes Personal zu rekrutieren. Zudem bleiben Hochqualifizierte bei einer Abschaffung der Wehrpflicht vom Militärdienst fern.

Da sich für Freiwillige Milizen oder Berufsarmeen nicht mehr genügend Freiwillige melden, wurden etwa in Spanien die intellektuellen Anforderungen bis zur Debilitätsgrenze gesenkt, in Grossbritannien in Gefängnissen oder unter Obdachlosen rekrutiert und in der USA das maximale Rekrutierungsalter bis auf 40 erhöht. Als Leutnant habe ich selbst erlebt wie es ist, wenn Bürger und Bürgerinnen zähneknirschend in den Militärdienst einrücken und mit aller Kraft versuchen, sich dem Militär zu entziehen.

Es ist eine Illusion, dass sich gleich viele Rekruten wie bisher melden würden. Hätte damals jemand gesagt «Wer will, der kann wieder nach Hause fahren, der Militärdienst ist ab sofort freiwillig», so hätte mit Sicherheit ein Grossteil rechtsumkehrt gemacht. Es steht fest: Nur durch die Wehrpflicht können genügend potentiell fähige Soldaten und Kader rekrutiert werden. Somit kann nur mit dem heutigen Wehrpflichtmodell verhindert werden, dass die Rekrutierung von Minderprivilegierten oder Waffennarren zur Regel wird und keine Experimente, wie in den USA, Spanien und Grossbritannien, unternommen werden. Deshalb sage ich klar Nein zur Aufhebung der Wehrpflicht.

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3 thoughts on “Die Freiwillige Miliz ist eine Illusion

  1. Bruno Neidhart

    Begriffe, wie „Minderpriveligiert“ – oder noch fragwürdiger – „Debilitätsgrenze“, sind eines „CH-Leutnants“ nicht nur in diesem Zusammenhang unwürdig! Besonders dann, wenn diese Worte über Ausländisches richten wollen, lieber Herr Schuler. Sie können ja für die „Wehrpflicht einstehen – dieses „Privileg“ haben sie in einer Demokratie – , aber bitte sich nicht „aus Eifer an der Sache“ an Begriffen vergreifen! Sie kategorisieren damit unnötigerweise „Ihnen fremde Menschen“.

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    1. Marcel Schuler

      Sehr geehrter Herr Neidhart

      Vorab möchte ich folgendes festhalten: Ich schätze keineswegs die Intelligenz einer Schweizerin oder eines Schweizers höher ein, als diejenige einer Ausländerin oder eines Ausländers.

      Die Armee kann durch die Wehrpflicht einen Kriterienkatalog zusammenstellen, was die Spanische Armee nicht mehr kann. Spanien hat 2002 die Wehrpflicht abgeschafft und kann das Soll von 160’000 Soldaten zu 1/4 nicht mehr erfüllen. Dazu hat die Spanische Armee zwei Massnahmen ergriffen:
      1. Rekrutierung Südamerikanischer Staatsangehöriger
      2. Minderung des Kriterienkatalogs (intellektuelle Anforderungen)

      Diese Minderung ging so weit, dass die geistigen Anforderungen massiv bis zu einer tiefen IQ Grenze reduziert wurden.

      In diesem Zusammenhang ist auch „minderpriviligiert“ zu verstehen, da nicht alle Menschen das gleiche Glück haben, ohne Einschränkung auf die Welt zu kommen. Diesen Personen wird es schwer fallen, sich vom Dienst „freikaufen“ zu können, meinen Sie nicht?

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  2. Bruno Neidhart

    Ich glaube, lieber Herr Schuler, Sie haben – einigermassen! – erkannt, was ich kurz anzudeuten versuchte: Es darf keinen Zusammenhang erstellt werden zwischen spanischen Verhältnissen und der Schweiz, wenn es um eine simple Abstimmung geht und man sich öffentlich dazu äussert. Es geht uns nichts an, was in Spanien, dem schönen Land, in dieser vergleichbaren Causa geschieht. Auch in der „besten Armee der Welt“ ist nicht alle Gold was zu glänzen hat. Das wissen Sie auch.

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