/// Rubrik: Topaktuell

Sicherer machen, Lücken beheben

Kreuzlingen – Die Stadt Kreuzlingen lässt ein Langsamverkehrsprogramm ausarbeiten, das durch Vertreter aus Politik, Gewerbe, Schule und Bevölkerung begleitet wird. Dafür gibt es Lob von den Beteiligten, auch von der gemeinderätlichen «Velo-Fahrer-Fraktion». Die SP möchte den Langsamverkehr noch stärker ins Bewusstsein rücken.

Autos und Velos sollen im idealen Netz öfter getrennte Wege gehen. (Bild: sb)

Autos und Velos sollen im idealen Netz öfter getrennte Wege gehen. (Bild: sb)

Nur wer sich sicher fühlt, radelt gern. In Kreuzlingen gibt es indes eine Vielzahl an Stellen, wo es auf dem Velo oder zu Fuss brenzlig werden kann. Verständlich, dass die «Projektgruppe Langsamverkehrsprogramm» damit begann, diese Schwach- und Gefahrenstellen zu bestimmen und zu untersuchen, wie sie behoben werden können. Zwei Gemeinderäte, vier Mitglieder der Quartiervereine und je ein Vertreter von Schule, Gewerbeverein und Stadtbus konnten sich in einer Begleitgruppe einbringen und den Planern zeigen, wo es klemmt. «Die Detailarbeit steht jetzt bevor», sagt Projektkoordinator Antonio Sarno vom Departement Bau.

Gesamtschau Langsamverkehr
Am Ende soll eine Gesamtübersicht an Massnahmen mit entsprechenden Kosten und möglichem Zeitplan stehen, die nötig sind, um das gewünschte Langsamverkehrsnetz zu erhalten. «Dies auch als Grundlage, um Budget und Investitionsrechnung festzulegen», erklärt Sarno. Die Umsetzung soll in einem Mehrjahresprogramm erfolgen, wobei Verbesserungsmassnahmen ebenso laufend umgesetzt werden.  Weitere wichtige Ziele des Programms sind es, den Langsamverkehr generell zu fördern sowie das Netz zu ergänzen und optimieren. «Momentan sind wir dabei, ein ‹ideales› Netz an Velo- und Fusswegen zu entwerfen», sagt Sarno. Mitte nächsten Jahres soll das Langsamverkehrsprogramm fertig sein.
Die Planer berücksichtigen bei ihrer Arbeit Vorgaben aus Richtplänen, Agglomerationsprogramm und Charta für nachhaltige städtische Mobilität. Den «Ausbau attraktiver, sicherer, zusammenhängender und hindernisfreier Netze» fordert beispielsweise der kommunale Richtplan. Aber auch aus dem Gemeinderat kamen immer wieder Forderungen nach mehr Engagement für den Langsamverkehr, zuletzt mittels einer Interpellation, die von den SP-Gemeinderäten Markus Brüllmann und Walo Abegglen eingereicht wurde.

Ein Tritt in die richtige Pedale
Brüllmann hat Einsitz in der Begleitgruppe und lobt: «Wir als ‹Velo-Fahrer-Fraktion› sind froh und dankbar, dass viele unserer Vorschläge aufgenommen wurden. Die geleistete Arbeit bisher ist beachtenswert.» Vom Inventar an Einzelmassnahmen, welches in der Projektgruppe erarbeitet wurde, um den Langsamverkehr zu fördern, erhofft er sich einiges. Es sei zum ersten Mal ein ernsthafter Versuch in die richtige Richtung. Brüllmann: «Jede Autofahrt, die durch eine Fahrt auf dem Velo ersetzt wird, ist gut.» Trotzdem: «So richtig hat der Funken im Departement noch nicht gezündet», bemängelt der Gemeinderat. Er wünscht sich noch mehr politischen Willen, um dem Langsamverkehr den Stellenwert zu geben, den dieser braucht.

SP will einen «Velo-Anwalt»
Denkbar sei, dass sich ein Mitglied der Exekutive als eine Art «Anwalt» speziell für den Langsamverkehr einsetzt oder dass die Stadt eine Fachstelle mit hohem Aktionsradius schafft. «Eine dritte Möglichkeit wäre, die Projektgruppe dauerhaft zu etablieren und Fachleute hinzuzuziehen», so Brüllmann.
SP-Kollege Walo Abegglen stimmt dem zu und erwähnt als gutes Beispiel die Stadt Winterthur. «Die Nutzen des Langsamverkehrs liegen auf der Hand: Er erhöht die Attraktivität der Stadt und löst das Verkehrsproblem – absolut zukunftsweisend und zentral.» Es gelte, eine politisch strukturierte Möglichkeit zu finden, damit dies besser wahrgenommen wird, so Abegglen.
Zudem lohnten sich hier Aufwand und Ertrag. Markus Brüllmann ergänzt: «Mit wenig Geld kann man hier viel bewegen. Ein gut organisiertes und attraktives Langsamverkehrsnetz ist bestes Standortmarketing.»

Geld gibt’s nur für «Langsame»
Dass der Langsamverkehr auch auf höherer Ebene Priorität geniesst, zeigt der Entwurf des abschliessenden Berichtes zum Agglomerationsprogramm Konstanz-Kreuzlingen aus Bern. Fast 1,8 Millionen Franken wird es wohl vom Bund für diverse Massnahmen zugunsten des Langsamverkehrs geben. Projekte, die den motorisierten Individualverkehr unterstützen, etwa die Spange Bätershausen, erhalten nach derzeitigem Kenntnisstand keine finanzielle Unterstützung.

Quartiervereine und Schule freut’s
Paul Stähli vom Quartierverein Bodan war beeindruckt, wie ernsthaft und seriös die verschiedenen Eingaben behandelt, katalogisiert und präsentiert wurden. Sein Urteil: «Hervorragend». Dem schliesst sich Peter Meuwly vom Quartierverein Kurzrickenbach an. «Die Hinweise, welche wir gesammelt haben, wurden ernstgenommen und aufgearbeitet.» Positiv überrascht war Jürg Diggelmann, der für den Quartierverein Emmishofen Einsitz hatte: «Sehr gut, kompetent und ohne Leerlauf wurden die Sitzungen geleitet.» Rainer Keller vom Quartierverein Egelshofen freut sich schon auf die nächste Zusammenkunft. «Jetzt kommt die spannende Phase, in der ein attraktives, weitmaschigeres Netz an Velowegen erdacht wird – weg von den Hauptverkehrsachsen. Gefahrenstellen auszumerzen ist das eine, ein ideales Netz mit Achsen durch die Stadt aber das grosse Ziel. Dort lohnt es sich auch, zu investieren.»

Auch die Schulbehörde deponierte ihre Anliegen. Ein Plan mit Gefahrenstellen existierte bereits aus früherer Zusammenarbeit mit einer kantonalen Arbeitsgruppe – dieser wurde überarbeitet, berichtet Toni Waltisberg von der Sekundarschulbehörde: «Unsere Anliegen wurden positiv berücksichtigt.»

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