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Thurgauer Frauen für eine starke Milizarmee

Frauenfeld – Parteiübergreifend haben sich Thurgauer Frauen aus dem ganzen Kanton zusammengeschlossen und werben für ein Nein an der Urne, wenn über die Abschaffung der Wehrpflicht abgestimmt wird.

Machen mobil: (Von links nach rechts) Kristiane Vietze, Verena Herzog, Judith Barben und Regula Marti. (Bild: zvg)

Machen mobil: (Von links nach rechts) Kristiane Vietze, Verena Herzog, Judith Barben und Regula Marti. (Bild: zvg)

Im Hinblick auf die eidgenössische Volksabstimmung vom 22. September über die GSoA-Initiative zur Abschaffung der Wehrpflicht haben sich Thurgauer Frauen aus dem ganzen Kanton parteiübergreifend zusammengeschlossen. Sie wollen eine starke Milizarmee, die das Land und die Bevölkerung schützen kann. Die Erstunterzeichnerinnen sind Brigitte Häberli, Ständerätin CVP, Verena Herzog, Nationalrätin SVP, Kathrin Erni, Kantonsrätin GP und Kristiane Vietze, Kantons­rätin FDP. In kürzester Zeit fanden sich viele weitere Frauen, die das Inserat unterzeichneten.

Argumente
Am Donnerstagmorgen präsentierten Vertreterinnen des Fraueninserats ihre Argumente:
Nationalrätin Verena Herzog behandelte die Themen Sicherheit und Know-how, die durch die Abschaffung der Wehrpflicht gefährdet sind. Sie wies darauf hin, dass es eine zentrale Aufgabe des Staates sei, für die innere und äussere Sicherheit zu sorgen. Frauen seien meist sicherheitsbewusster als Männer. So sei es naheliegend, dass sich Frauen besonders für die Gewährleistung der Sicherheit unseres Landes und damit für die Beibehaltung der Wehrpflicht einsetzen.

Durch die Abschaffung der Wehrpflicht müsste die Schweiz auf enormes Know-how und Qualitätspotenzial verzichten, das heute aus Spezial- und Funktionswissen der verschiedensten Berufe in die Armee einfliessen kann. Genauso ginge das eigentliche Know-how der Armee verloren. Mit einer zu kleinen Armee könnten keine vollständigen Kampfverbände mehr zusammengestellt werden und der Ernstfall, der schon heute kaum noch simuliert werden kann, könnte gar nicht mehr geübt werden. Im Fall der Notwendigkeit der Wiederaufrüstung würden bei der zu erwartenden geringen Anzahl Armeemitglieder viel zu wenige Leute zur Verfügung stehen.

Nebst dem Qualitätsverlust der Armee auf allen Ebenen, führe die Initiative zu einem grossen Sicherheitsrisiko, das auch den Zivilschutz und den Zivildienst betreffen würde. Denn das neue Gesetz sehe keinen verpflichtenden zivilen Ersatzdienst mehr vor. Die ganze Sicherheitsarchitektur der Schweiz sei durch diese Initiative in Gefahr und müsse deutlich verworfen werden. Das heutige Modell einer  wehrpflichtbasierten Milizarmee passe zur Schweiz und ihren Bedürfnissen und sei eine wichtige Stütze der schweizerischen Sicherheitspolitik, die es zu stärken gilt.

«Gefährliche Illusion»
Regula Marti, BDP, Vorstand KMU Frauen Thurgau hält eine «freiwillige Milizarmee» für eine gefährliche Illusion. Was die GSoA mit ihrer Initiative wolle, scheitere an der Realität, betonte sie. Die Initiative mit ihrem Ruf nach einer freiwilligen Armee und einem freiwilligen Zivildienst sei gefährlich, denn mit einer freiwilligen Armee wäre ein mehrtägiger Katastropheneinsatz oder der Schutz der Zivilbevölkerung nicht mehr möglich. Auch könnten sich «Rambos» von einer freiwilligen Armee angesprochen fühlen und das Image der Armee beschädigen. Eine Erneuerung der Armee ist aus Sicht Martis nötig, aber nur auf der Basis der allgemeinen Wehrpflicht. Ihre Vision ist eine straffe, gut organisierte, multifunktionale und schnelle Milizarmee.

Kristiane Vietze, Kantonsrätin FDP hob den gesellschaftspolitischen Wert unserer massgeschneiderten und kostengünstigen wehrpflichtbasierten Milizarmee hervor. Eine Besonderheit der Schweiz sei ihre Vielfalt, fuhr sie fort und rief in Erinnerung, dass unser Land vier Landessprachen und verschiedene Kulturen vereint. Dass wir friedlich zusammenleben, sei nicht selbstverständlich, und gerade die allgemeine Wehrpflicht trage viel zur sozialen und regionalen Durchmischung bei. Zudem fördere das Militär die breite Verankerung der Armee in der ganzen Bevölkerung. Durch die Milizarmee würden gemeinschaftsbildende Werte vermittelt wie Sinn für gesellschaftliche Verantwortung, Verständnis für unseren Staat, Kameradschaft, Disziplin, Pflichtbewusstsein,  Durchhaltewillen und Selbständigkeit. Unser gut funktionierendes Modell der bewaffneten Neutralität mit all seinen positiven Effekten müsse erhalten bleiben, hielt Vietze fest.

Dr. phil. Judith Barben, Psychologin und Verlegerin, unterstrich den friedlichen, aber wehrhaften Charakter der schweizerischen Milizarmee. Deren Hauptaufgabe sei die Verteidigung von Land und Bevölkerung. Frauen hätten oft ein höheres Sicherheitsbedürfnis. «Vielleicht denken wir Frauen aufgrund unserer Schutzfunktion für die Kinder mehr voraus?», gab sie zu bedenken. Dann erinnerte sie an die täglichen beunruhigenden Meldungen in den Medien – auch über Vorgänge in Europa, die nicht selten zur Sorge Anlass gäben. Da laut Militärexperten politische Krisen innert Tagen eskalieren können, sei es gerade für Frauen wichtig, den Schutz und die Sicherheit von Land und Bevölkerung in den Händen einer landesweit verankerten, starken Milizarmee zu wissen. Deshalb engagiere sie sich für ein Nein zu dieser Initiative.

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One thought on “Thurgauer Frauen für eine starke Milizarmee

  1. Kurt Bättig

    Ich staune über die Argumente der Damen, und ihre grossen Worte. Doch kämpfen und bei Bedarf fallen sollten weiterhin nur wir Männer? Das ist Feigheit.

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