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CVP muss Nachfolger für Stadtrat Dörflinger suchen

Kreuzlingen – Stadtrat Michael Dörflinger gab an der CVP-Jahresversammlung am vergangenen Freitagabend bekannt, dass er nach Ende der Legislaturperiode kürzer treten muss – entweder im Beruf oder als Stadtrat. Der Fraktion gab er den Rat, auf jeden Fall schon mal die Fühler nach einer neuen Kandidatin oder einem Kandidaten auszustrecken.

Die Debatte um angeblich zu hochbezahlte Stadträte ärgert Michael Dörflinger, der es als Stadtrat gewohnt ist, für seine Projekte zu "ackern". (Bild: archiv)

Die Debatte um angeblich zu hochbezahlte Stadträte ärgert Michael Dörflinger, der es als Stadtrat gewohnt ist, für seine Projekte zu «ackern». (Bild: archiv)

Präsident Ernst Zülle blickte auf ein ereignisreiches Jahr in der CVP-Ortspartei zurück, welches mit der Verabschiedung von Nationalrat Christian Lohr aus dem Gemeinderat an der letzten JV begann. Zuwachs bekam die Ortspartei am Neuzuzügerapéro durch ein Mitglied aus Schaffhausen. Die Kandidatensuche und der Wahlkampf zur Schulbehördenwahl unter Leitung von Thomas Dufner standen im Zentrum des CVP-Jahres. Natürlich meldete sich die Ortspartei auch zu den Kreuzlinger Themen zu Wort: Für einigen Wirbel sorge 2012 beispielsweise Zülles Stellungnahme zur Budgetdebatte im Gemeinderat.

Ernst Zülle sorgte für Wirbel
Die politischen Auseinandersetzungen waren geprägt durch die Xentrums-Projekte. Hinsichtlich des Stadthauses entschied die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege EKD im Oktober, dieses könne auf dem Bärenplatz zu stehen kommen. Dabei muss der Umgebungsschutz der Basilika gewährleistet sein. Zülle: «Die Diskussion muss fair und auf Augenhöhe geführt werden.» Ein weiterer Zankapfel war der Boulevard. Die Ortspartei unterstützte die Initiative für einen autofreien Boulevard nicht. «Wir sehen eher die Lenkungsmassnahmen des Stadtrates zur Halbierung des Verkehrs als sinnvoll an», so Zülle. Er schloss seinen Jahresbericht mit einem Lob an den Kreuzlinger CVP-Nationalrat Christian Lohr. Die Ortspartei sei stolz auf seine «ausgezeichnete Arbeit».

Fraktionschef Elmar Raschle blickte zurück auf die Geschäfte im Gemeinderat. Im Anschluss sprach Stadtrat Michael Dörflinger. Dabei gewährte der Bauchef eine Blick hinter die Kulissen, der klar machte, welchen Arbeitsaufwand die städtischen Planer haben. So erarbeitete das Baudepartement ganze sechs Lösungsvorschläge, um den Verkehr auf dem Boulevard zu reduzieren. Er sei nach wie vor überzeugt, dass die letztendlich gewählte Regelung mit der Sperrung für den Durchgangsverkehr «eine gute Lösung ist» und der Boulevard grundsätzlich ein gelungenes Projekt, so Dörflinger. Hängig sind nach wie vor etliche Einsprachen dazu. Diesbezüglich hofft Dörflinger auf einen baldigen Entscheid des Kantons. Diese Woche stehe ein Termin mit dem Kanton zum Augenschein vor Ort an.

«Jeder fährt Auto, keiner will Verkehr»
Dörflinger kündigte an, dass die Initiative für einen autofreien Boulevard wohl im Frühling vor den Gemeinderat kommt und spätestens sechs Monate danach vors Volk. Er hoffe immer noch auf «ein Einsehen» der Initianten, rechnet aber damit, dass es zur Abstimmung kommt. «9000 Autos, die dort täglich durchfahren, lösen sich nämlich nicht in Luft auf», mahnte er. Ihren zukünftigen Weg gelte es dann wieder auf der Bauverwaltung zu planen – kein leichter Job. Denn: «Jeder fährt Auto, keiner will Verkehr», so Dörflinger.

Auch die anderen Xentrums-Projekte sind auf dem Weg. Bushof mit Dreispitzparksanierung sowie die Schwimmhalle sollen auf jeden Fall nächstes Jahr zur Abstimmung gelangen. Beim Stadthaus sei mittlerweile die Raumplanung beendet. Die Bürger werden nicht nur über die Kosten, sondern auch die Folgekosten für Unterhalt abstimmen, mahnte Dörflinger.

Dörflinger will kürzer treten
Dann hatte er noch eine Überraschung für die Anwesenden bereit: Die CVP muss sich auf die Suche nach einem potentiellen Nachfolger im Stadtrat machen. Michael Dörflinger, der jeweils zu 50 Stellenprozenten als Bauchef und Betreibungsamtsleiter waltet, kündigte an, nach Ende der Legislaturperiode kürzer treten zu müssen. Eine Neustrukturierung im Betreibungsamt veranlasse ihn zu diesem Entscheid. Der Arbeitsaufwand, den die Stadträte haben, übersteigt ausserdem laut einer Studie die offiziellen 50 um bis zu 25 Prozent. Dörflinger habe als Stadtrat 55 Mitarbeitende unter sich. «Das kennt man ja aus der Privatwirtschaft, dass dazu eine halbe Stelle langt», kommentierte er trocken.

Die weiteren Traktanden wurden speditiv abgehandelt: Die Rechnung schliesst mit Gewinn, die Mitgliederbeiträge bleiben gleich, Präsident und Vorstandsmitlieder wurden alle einstimmig wiedergewählt. Verabschiedet wurden Christian Jordi als Gemeinderatsmitglied, Marianne Raschle als Behördenmitglied der Primarschule und Edi Hanselmann als CVP-Vorstandsmitglied.

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