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Der Thurgau soll Bibereldorado bleiben

Lommis – Umweltverbände fordern, dass der Regierungsrat endlich ein Biberkonzept umsetzt. Dabei handelt es sich um einen Leitfaden zur Vermeidung und Lösung von Konflikten zwischen Menschen und dem geschützten Tier.

Solch schöne Biberdämme können z. B. mit dem Einbau von Rohren für den Wasserdurchlauf für den Nager bewohnbar bleiben. (Bild: Mathis Müller)

Solch schöne Biberdämme können z. B. mit dem Einbau von Rohren für den Wasserdurchlauf für den Nager bewohnbar bleiben. (Bild: Mathis Müller)

Pro Natura Thurgau und der WWF Bodensee/Thurgau fordern vom Kanton griffige Massnahmen, damit der Thurgau ein Bibereldorado bleibt. Nach der erfolgreichen Aussetzung in den späten 1960er Jahren hat sich der Biber viele Lebensräume zurückerobert – auch zum Wohle anderer Lebewesen und der ökologischen Qualität von Wasserläufen. Nun kommt er immer mehr unter Druck: Seine Dämme werden entfernt, Erdbauten freigelegt. Das geschützte Tier wurde auch schon gewildert.

Konzept würde Sicherheit bieten
«Ein Konzept würde klarstellen, was erlaubt ist, was sinnlos ist, was nicht erlaubt ist», erklärt Toni Kappeler, Präsident Pro Natura Thurgau. Nicht nur das: Es würde einen Leitfaden in Konfliktsituationen bieten. «Dieses Konzept liegt immer noch nicht vor, obwohl der Entwurf der entsprechenden Arbeitsgruppe im Mai 2010 eingereicht wurde», sagt Kappeler. «Das ist ärgerlich, es häuften sich Fälle von falschen, nicht zielführenden und illegalen ‹Konfliktlösungen›.» Die Grundlage dafür sei vorhanden: Das «Konzept Biber Schweiz» (BAFU), das sich an Vollzugsbehörden richtet, Rechtssicherheit schafft und die Zuständigkeit von Bund und Kanton klarstellt.

Jost Rüegg vom WWF Bodensee/Thurgau kennt es aus eigener Erfahrung, wenn Menschen dem Biber falsch begegnen. So zerstörten Unbekannte in Kreuzlingen einen Biberdamm am Saubach bereits mehrmals. «Es fehlt ein funktionierendes Meldewesen und die Koordination der Massnahmen», fordert Rüegg. Oft würde eher zufällig vorgegangen. Betroffene Grundeigentümer wüssten nicht an wen sie sich wenden können und handelten dann eigenmächtig. Rüeggs Fazit: «Das seit Jahren vorliegende Biberkonzept ist unverzüglich zu aktualisieren und zum Funktionieren zu bringen.»

Mit einer aktiven Umsetzung des Bibermanagements könnte viel getan werden für das Zusammenleben von Mensch und Biber. Massnahmen bei Frassschäden im Kulturland, bei Überschwemmungen oder Infrastrukturschäden könnten so besser getroffen werden. Ein Beispiel ist der Einbau von Gittern an den Lengwiler Weihern.

Die beiden Umweltverbände sehen sich dabei als Partner und würden ihr Know-how gerne einbringen. Sogar eine Biber-Taskforce gibt es, der Jost Rüegg angehört, oder eine Biber-Hotline. Unter Tel. 071 662 79 66 kann sich melden, wer Probleme mit Bibern hat.

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