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Horte mit zu geringer Auslastung

Kreuzlingen – Die Diskussion um die vier Kreuzlinger Horte hält weiter an. Nachdem Stadträtin Barbara Kern in ihrer Stellungnahme vergangene Woche von «Optimierungsmöglichkeiten» bezüglich der Organisation der Horte sprach, stellt sich nun die Frage, welche sie genau meint.

Der Hort Bernegg befindet sich seit diesem Sommer im Schulhaus Weinburg. (Bild: Thomas Martens)

Der Hort Bernegg befindet sich seit diesem Sommer im Schulhaus Weinburg. (Bild: Thomas Martens)

Konkret möchte die SP-Stadträtin darauf nicht eingehen und begründet dies mit den «laufenden Verhandlungen» mit dem Verein Kreuzlinger Kinderkrippen um die fragliche Fortführung des Hortbetriebs. Sie liess aber durchblicken, dass die Finanzen das Thema seien.

Um die Geschäfte und finanzielle Situation der Horte zu durchleuchten, gab die Stadt beim Tägerwiler Wirtschaftsprüfungs- und Treuhandunternehmen TWS Confides AG eine Untersuchung in Auftrag, die mittlerweile abgeschlossen ist. Autorin Suzana Lepen wollte sich auf Anfrage nicht dazu äussern, auch Stadträtin Kern möchte keine Details preisgeben. Zu erfahren war allerdings das Ergebnis des Berichts – eine zu geringe Auslastung der Horte.

Dies bestätigt VKK-Geschäftsführerin Margarete Baur, macht dafür aber Gründe verantwortlich, die nicht in der Organisation liegen. «Es gibt einfach Betreuungszeiten, die von den Eltern weniger stark nachgefragt werden.»

Unterschiedlich hohe Nachfrage
Alle Horte sind bereits vor Schul- und Kindergartenbeginn geöffnet, um berufstätigen Eltern entgegen zu kommen. Danach gibt es für die Kinder Mittagessen und Nachmittagsbetreuung. Während der Mittwochnachmittag – weil schulfrei – am wenigsten gefragt sei und auch am Vormittag vor dem Unterricht nicht so viele Kinder kommen, habe man zum Mittagessen und an anderen Nachmittagen keine Kapazitäten mehr frei.

Rein kaufmännisch betrachtet ist Baur zufolge das Hauptproblem: «Ich kann nicht nur den Morgen und den Nachmittag verkaufen.» Vielfach bleiben deshalb Betreuungsplätze frei, das Personal muss aber dennoch bezahlt werden.

Dies ist ein grosser Unterschied zur erfolgreichen Kinderkrippe Felsenburg, die ebenfalls vom VKK betrieben wird und mit der die Horte immer wieder gerne verglichen werden. «Das ist aber nicht korrekt», stellt Baur fest. «Die Betreuung in der Krippe ist wesentlich flexibler.» Hingegen sind die Horte starr an den fixen Zeiten von Kindergärten und Schulen ausgerichtet.

Ein schiefes Bild gibt es auch bei der Einnahmesituation. Die Elternbeiträge sind bei Horten und Krippen zwar gleichermassen nach Einkommen gestaffelt. Sind bei den Krippen die höheren Einkommensgruppen und Doppelverdiener stärker vertreten, ist dies bei den Horten allerdings genau umgekehrt. «Hier haben wir auch viele Sozialfälle», so Baur. Folglich ist der Eigenfinanzierungsgrad der beiden Betreuungseinrichtungen unterschiedlich hoch. Mittlerweile ist auch die internationale Finanzkrise beim VKK angekommen: «Das Geschäftsjahr 2010/11 war super, dann haben aber viele Gutverdiener ihre Jobs verloren.»

Nur Finanzen im Blick
Die Geschäftsführerin kritisiert deshalb, dass sich die TWS-Untersuchung allein auf finanzielle Aspekte beschränke: «Unsere betrieblichen Abläufe wurden nie angeschaut, ich habe die Frau (Lepen, Anm. d. Red.) auch nie persönlich kennengelernt.» Der Bericht wurde also lediglich auf Grund von Jahresrechnungen angefertigt.

Trotz aller momentanen Probleme hat Margarete Baur nach wie vor grosse Freude an ihrem Beruf, den sie nun schon seit fast 30 Jahren ausübt, zwölf davon in Kreuzlingen. In der Schweiz hat die gebürtige Österreicherin und gelernte Kindergärtnerin auch das eidgenössische Diplom für Heimleitung erworben.

Neue Räume und Küche
Erst vor wenigen Wochen konnte sie mit ihrem vierköpfigen Team vom Hort Bernegg neue Räumlichkeiten im Schulhaus Weinburg beziehen. Auch der Essenslieferant für alle vier Horte ist neu. Nachdem das Restaurant Burg viele Jahre dafür zuständig war, hat jetzt Reto Eppenberger vom «La Taverna» und «Fischerhaus» das Mittagessen für die rund 120 Kinder übernommen. Die Zertifizierung gemäss Perspektive Thurgau ist gerade in Arbeit.

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