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Die grosse Jubiläums-Aufführung

Tägerwilen – Gestern Abend feierte das Theater Tägerwilen sein 20-Jahr-Jubiläum vor ausverkauftem Haus. Zu sehen ist mit «Mord an Bord» ein echter Klassiker von Agatha Christie, für dessen Aufführung die Bürgerhalle zum Luxusdampfer wird. Temporeich bespielt das 30-köpfige Ensemble mehrere Bühnen.

Auf der «Balkon-Bühne»: Crewmitglieder beobachten und kommentieren das Geschehen (v. l. Thomas Lehmann, Annette Günzler, Gerhard Beck).(Bild: sb)

Auf der «Balkon-Bühne»: Crewmitglieder beobachten und kommentieren das Geschehen (v. l. Thomas Lehmann, Annette Günzler, Gerhard Beck). (Bild: sb)

Der Krimi ist ein wahrer Jubiläums-Kracher. Musiker mit eingerechnet, fegen so viele Menschen wie nie zuvor über die Bretter der Bürgerhalle, alle stilecht nach der Mode der 20er und 30er-Jahre gekleidet. Ein Spektakel mit Spannung und toller Musik, bei dem natürlich auch Spass und Unterhaltung nicht zu kurz kommen. Regisseurin Michaela Bauer meisterte dabei die Herausforderung, «Mord an Bord» flott zu inszenieren und allen Mitwirkenden Raum zu geben. «Das Stück bot sich dazu an, viele Passagiere mit an Bord zu nehmen», sagt sie mit heiserer Stimme nach der intensiven Probezeit.

Schwierigkeiten, genug Mitwirkende zu finden, hatte das Theater indes nicht. Über die Tägerwiler Post wurde beispielsweise ein Aufruf lanciert. Beworben haben sich letztendlich nicht nur Tägerwiler, sondern begeisterte Laien aus der ganzen Region. Sie dürfen in ihren verschiedenen Schweizer und deutschen Dialekten und auf französisch und italienisch reden, was ihnen erstaunliche Authentizität verleiht. «Nur in ihrer eigenen Mundart können Nicht-Profis mit Herz spielen», verdeutlicht die Konstanzerin Bauer, welche seit 20 Jahren im Thurgau lebt und auch selber mal auf der Bühne steht. Fürs Tägerwiler Theater ist es das vierte Stück, welches sie inszeniert. Mit der Leistung ihrer Truppe ist sie sehr zufrieden. «Das funktioniert nur, wenn alle Lust haben», sagt die Theaterpädagogin angesichts der Ausmasse der Produktion.

Laien arbeiteten hart …
Die Proben zum Agatha Christie-Klassiker begannen gruppenweise schon im April. Im August und September wurde es dann noch intensiver für das 30-köpfige Ensemble. Um alle im Stück zu integrieren, musste Bauer Rollen dazu schreiben. So werden viele, die den Film «Tod auf dem Nil» noch präsent haben, einige Entdeckungen machen können.

Auch ungewöhnlich: Menschen jeden Alters spielen mit, vom Teenager bis zur Oma sind mehrere Generationen vertreten. «Das freut uns besonders», sagt die Mitwirkende Tina Häberlin sehr zufrieden nach der Generalprobe. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern des Theaters, quasi dem Kernteam, und berichtet von der professionellen Rollenarbeit, welche unter Regisseurin Bauer betrieben wurde. «Alle überlegten sich eine Biographie zu ihrer Figur und blieben bei den Proben, auch wenn sie nicht nicht auf der Bühne standen, in der Rolle.» Selbst für eine vergleichsweise kleine Rolle wie ihre, sie spielt die Heizerin Roberta Grandjean, wurde dies konsequent durchgezogen.

… und haben Spass!
Nicht nur für die Neulinge in der Theatergruppe eine besondere Erfahrung, die auch komische Situationen entstehen liess. «Man versucht, jemand anderes zu sein», berichtet Glenna Sinning, welche die Milliardenerbin Linnet Ridgeway spielt und eigentlich Literaturwissenschaftlerin ist, über den Reiz des Theaters. Sie stand das letzte Mal in ihrer Schulzeit auf einer Bühne und lobt wie ihre Mitstreiter ebenfalls die tolle Atmosphäre bei den Proben. «Wir tragen uns in der Gruppe gegenseitig.»

Das Engagement der Laien beschränkt sich nicht nur auf die Schauspielerei. So stellten sie sich auch ihre eigenen Kostüme zusammen und mehr. Ihre berufliche Erfahrung aus dem echten Leben konnte Sinning beispielsweise bei der Gestaltung des liebevoll erstellten «Nilboten», des Programmheftes, nutzen – in das einen Blick zu werfen sich lohnt, schon angesichts der schieren Anzahl von Personen, die das Stück bevölkern.

Vor, auf und hinter der Bühne also etliche Menschen – gerade recht für die Premiere zum Jubiläum, freut sich nicht nur Vereinspräsident Lukas Huber. Er spielt den Verlobten von Linnet Ridgeway, Simon Doyle. Hubers Urteil: «Es ist bombastisch.»

Weitere Informationen
Noch sechs weitere Vorstellungen finden statt, so heute und morgen um 20 Uhr, am Sonntag, 15. September, um 16 Uhr, und am 19., 20. und 21. September um 20 Uhr. An der letzten Vorstellung findet eine Dernierenparty statt. Kartenvorverkauf bei der Gemeinde Tägerwilen, Reservation unter Tel. 077 480 59 52. Weitere Infos unter www.theater-tägerwilen.ch

Das Theater erfreut die Tägerwiler alle zwei bis drei Jahre mit einer Grossproduktion. Der Probenraum befindet sich im Haus «Zum Torggel». Entstanden ist der Verein vor Jahren aus der jährlichen Abendunterhaltung der Chöre, welcher ja immer eine Theateraufführung angeschlossen war.         sb

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