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Sie wollten doch nur spielen

Kreuzlingen/Berg – Gareth Bale wechselte für 100 Millionen Euro von Tottenham zu Real Madrid, Mesut Özil im Gegenzug für die Hälfte zum FC Arsenal und Xerdan Shaqiri sorgt bei Bayern München für Furore. Klar, dass viele Schweizer Jungspieler diesen Stars nacheifern wollen. Oft leiden sie dabei unter elterlichem Übereifer, wie ein Beispiel vom letzten Samstag zeigt.

(Bild: Archiv)

Fussball soll Kindern in erster Linie Spass machen. (Bild: Archiv)

Eigentlich hätte es in Berg ein völlig harmloses Fussballturnier für Sechsjährige sein sollen, bei dem der Spass im Vordergrund steht. Doch es kam anders. Am Montag kritisierte der Kreuzlinger Spielervater Roman Lehmann in einem emotionalen Leserbrief beim Spiel des FC Kreuzlingen gegen Münsterlingen einen «erst ca. neun Jahre alten Schiedsrichter, der mit dem Spiel total überfordert war», einen «angetrunkenen Verantwortlichen, der bestimmte, wann und für wen gepfiffen wird» sowie Beschimpfungen seitens der Zuschauer. Die Kreuzlinger legten Protest ein und wurden in der Folge vom Turnier ausgeschlossen.

Auf beiden Seiten muss es in der gemäss FCK-Präsident Daniel Geisselhardt «aufgestauten Atmosphäre» zu wüsten Worten, Ausfälligkeiten, ausländerfeindlichen Äusserungen und Missverständnissen gekommen sein, die einem Bambini-Turnier sicherlich nicht würdig sind. «Leider hat sich auch ein Fehlverhalten der Begleitpersonen des FC Kreuzlingen bestätigt», schreibt Geisselhardt in einer Stellungnahme.

Wahrheit in der Mitte
Zusammen mit FCK-Sportchef Paul Nay habe er zahlreiche Gespräche geführt und versucht, sich ein möglichst umfassendes Bild von den Vorfällen zu machen: «Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte der verschiedenen Wahrnehmungen.»

Geisselhardt möchte den Ball flach halten und hofft, dass sich mittlerweile die Gemüter etwas beruhigt haben. «Wir haben vereinbart, dass wir nach vorne schauen und uns wieder vorbildlich der Jugendarbeit widmen wollen.»

Lawine losgetreten
Der FCK-Präsident forderte Roman Lehmann freundlich auf, seinen Leserbrief zurückzuziehen. Doch der Vorfall zog bereits seine Kreise und erreichte auch überregionale Medien, die sich sogleich auf die Geschichte mit den «Hooligans» stürzten. Lehmann war sich offenbar nicht bewusst, welche Lawine er mit seinem «Gezeter» losgetreten hatte. Er wandte sich am Dienstag an die Medien mit der Bitte, «das eingeleitete Presseinteresse wieder zu verwerfen» – doch es war zu spät.

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