/// Rubrik: Kultur | Region | Topaktuell

Fulminanter Kultur-Auftakt

Münsterlingen – Zahlreiche Gäste sahen am Mittwochabend mitreissendes, sensibles Theater, welches das weitgehend tabuisierte Thema Demenz und Alzheimer behandelte. Das Publikum beteiligte sich am interaktiven Theaterstück und konnte viele Impulse mit nach Hause nehmen.

Klinikdirektor Gerhard Dammann mit Schauspielerinnen. (Bild: Gaby Mohr)

Klinikdirektor Gerhard Dammann mit Schauspielerinnen. (Bild: Gaby Mohr)

Mit einem Neustart will die Psychiatrie Münsterlingen ihr kulturelles Profil schärfen. Dieser ist geglückt. Das interaktive Theaterstück «Rosa ist reif» der Zürcher Theatertruppe Knotenpunkt verband dabei Kultur mit Expertenmeinung. Und das nicht nur, weil Heidi Schänzle-Geiger, Leiterin der Memory Klinik, als Einstieg über «Mit Demenz leben» referierte.

In fünf eigens geschriebenen und sorgfältig recherchierten Szenen spielte das Ensemble den Leidensweg einer demenzerkrankten Frau und ihrer überforderten Angehörigen nach. Sohn und Schwiegertochter stehen vor der schweren Entscheidung, die Mutter in ein Heim zu geben. Sie sind am Rande der Erschöpfung und wissen nicht, was tun. Es kommt zum Streit mit der Schwester. Später im Heim wird deutlich, wieviel den betreuenden Personen abverlangt wird.

Bewusst arbeiteten die Schauspieler dabei Handlungsmuster ein, die bei jedem, der professionell oder privat mit dem Thema zu tun hat, eine Reaktion provozieren musste: So kann man das doch nicht machen! Im zweiten Teil wurden die Szenen dann wiederholt. Die Gäste waren aufgefordert, ihre Meinung zu sagen. Wer es tat, wurde von der Moderatorin direkt auf die Bühne geschickt. Augenscheinlich waren viele Menschen anwesend, die selbst in der Pflege arbeiten.

Bei der sich gleichzeitig entspinnenden Diskussion bewiesen die Schauspieler ihr Können und blieben in ihren Rollen. Mit Improvisation reagierten sie auf das Eingreifen aus dem Zuschauerraum. Klinikdirektor Gerhard Dammann war dabei einer von vier «Laienschauspielern». Dammann schlüpfte in die Rolle des Sohnes, um zu zeigen, wie man den lähmenden Kreislauf aus gegenseitigen Schuldzuweisungen durchbrechen kann, in welchem sich die Angehörigen der erkrankten Frau gefangen hatten. Jedem wurde klar: Die Situationen hätten anders ablaufen können, wenn anders gehandelt worden wäre.

Auf diese Weise erlebten die Theaterbesucher eine Aufführung, die lehrreich war und ihnen Impulse gab, die sie mit nach Hause nehmen konnten. «Ich bin tief beeindruckt und nehme viele Bilder mit», befand nicht nur Heidi Schänzle-Geiger zum Ende der Vorstellung.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.