/// Rubrik: Kultur

Oratorienchor Kreuzlingen begeisterte

Kreuzlingen – Der Oratorienchor Kreuzlingen unter der Leitung von Annedore Neufeld hat sich mit zwei sehr anspruchsvollen Werken der französischen Romantik und Moderne eine schwere aber lohnende Aufgabe vorgenommen. Um es gleich vorwegzunehmen: Diese ist vollauf geglückt, und die Aufführung hat vergangenen Sonntag in der Stefanskirche eine zahlreiche Zuhörerschaft hell begeistert. (Text: Jörg Engeli)

(Bild: Mario Gaccioli)

(Bild: Mario Gaccioli)

Das liegt natürlich auch an den tiefgreifenden Kompositionen selber: Gabriel Fauré’s «Messe de Requiem» aus dem Jahr 1887 ist eine bewegende, klangsinnliche Musik, die nicht der Tradition folgt, das «Dies irae» fast gänzlich weg lässt, dafür aber das tröstliche, in den Himmel weisende «In Paradisum» als Schluss anfügt.

Zuverlässiges Orchester
Grosse Orchesterbesetzung ist in der zweiten Fassung verlangt sowie Orgel und Harfe. Der Chor wirkte sehr ausgeglichen, zeigte seine volle Kraft, aber auch viele feine, gut durchhörbare Pianoklänge und vor allem eine staunenswerte Präsenz. Mit der Südwestdeutschen Philharmonie  war ein zuverlässiges, wohlabgestimmtes Orchester gewonnen worden, und die beiden Solisten, Claudia von Tilzer mit ihrer glockenreinen, hellen, einfühlsamen Sopranstimme, sowie Matthias Horn mit seinem wohlklingenden Bass gaben dem ganzen Werk noch viel zusätzlichen Glanz. Das Problem der Distanz zur Emporen-Orgel wurde mit einem Zusatzdirigenten gut gelöst (Martin Schweingruber). Souverän und mit musikantischem Schwung spielte Emanuel Helg seinen Part.

Das «Gloria» von Francis Poulenc, 1959 als Auftragswerk entstanden, besitzt eine eigenwillige, mitreissende Tonsprache. Dabei ist das rhythmische Geschehen wie immer bei ihm die Hauptsache. Grosse Wirkung ergab die fein abgestufte Klangfarbenmischung mit dem vielfältigen Instrumentarium, und überzeugend gelangen die charaktervollen Einsätze, sowohl im Chor wie auch im Orchester. Ergreifend wiederum die Stimme des Solo-Soprans! Das versöhnliche «Amen» beschliesst in der Stille der liegenden Streicherstimmen das wohl erfolgreichste Werk des Komponisten.

Geniales Werk
In der Mitte des Programms erklang Mozarts berühmte g-moll-Symphonie. Annedore Neufeld hatte das Orchester gut «im Griff» und gestaltete präzise und mit zügigem Tempo die vier vom Gehalt her sehr unterschiedlichen Sätze. Der überakustische Kirchenraum war der Interpretation nicht besonders dienlich; einiges von der differenzierten Spielweise ging verloren, wurde etwas verschluckt. Trotzdem, der Gesamteindruck war erhebend – was für ein grosses Genie steht doch hinter diesem tiefgründigen Werk!                                                                                                                                      

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