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Thurgau im «Kampf dem Krebs» ganz vorne dabei

Kreuzlingen/Münsterlingen – Dass der Kanton Thurgau im Bereich der Krebsforschung und -therapie an vorderster Front tätig ist, erfuhren Medienschaffende an der zweiten Herbstmedienfahrt am Montag. Sie führte ins Biotechnologie Institut Thurgau in Kreuzlingen, wo sich auch das Krebsregister Thurgau befindet, sowie ins Kantonsspital Münsterlingen.

Christiane Reuter erklärt die Vorteile des modernen Linearbeschleunigers bei der Strahlentherapie im Kantonsspital Münsterlingen. (Bild: zvg)

Christiane Reuter erklärt die Vorteile des modernen Linearbeschleunigers bei der Strahlentherapie im Kantonsspital Münsterlingen. (Bild: zvg)

Jährlich erkranken in der Schweiz rund 37’000 Menschen an Krebs, etwa 16’000 sterben daran. Die erfolgreiche Bekämpfung von Krebs ist nicht nur abhängig von der Behandlung in Form von Chirurgie, Bestrahlung und Medikamenten, sondern auch von diversen anderen Faktoren und Angeboten, wie Gesundheitsförderung, Prävention, Früherkennung, Pflege, Palliativ Care, Monitoring, Forschung und Politik.

Interdisziplinäe Zusammenarbeit
«Nur wenn alle Hilfestellungen gut koordiniert und vernetzt werden, erreicht man einen optimalen Nutzen für die Patienten», betonte Kantonsarzt Mathias Wenger einleitend. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Thurgau sei sehr weit fortgeschritten. Dies erlaube es, jedem Patienten die für ihn am besten passende, individuelle Therapie anzubieten.

Im Kampf gegen Krebs seien das Erfassen und Registrieren von Daten (Monitoring) zentral. Dabei ergäben sich zum Teil Konflikte mit dem Datenschutz. Eine obligatorische Meldepflicht bei Krebserkrankungen wäre gemäss Wenger ideal. Professionell gesammelt und aufbereitet werden Daten seit 2012 vom Krebsregister Thurgau (krtg). Wie die Ärztliche Leiterin Anne Schmidt ausführte, hat das krtg im zweiten Betriebsjahr gesamthaft 3750 Krebserkrankungen erfasst. Dabei sei man auch auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Erste Aussagen über die Daten, die anonymisiert erfasst würden, liessen sich nach zwei Betriebsjahren machen.

1999 gegründet
Einen Einblick in die Tätigkeit des Biotechnologie Instituts Thurgau (BITg) gab Daniel Legler. Das BITG wurde durch den Kanton Thurgau über die kantonale Stiftung für Wissenschaft und Forschung im Jahr 1999 in enger Zusammenarbeit mit der Universität Konstanz gegründet. An der Unterseestrasse 47 in Kreuzlingen sind rund 20 Mitarbeitende in der Grundlagen- und angewandten Krebsforschung tätig. Krebs sei nicht eine einheitliche Krankheit, sondern ein Oberbegriff für viele Erkrankungen, die sich in Entstehung, Verlauf und Behandlung unterschieden, betonte Legler. Dank intensiver Forschung gelinge es, die komplexen Abläufe wie zum Beispiel die gleichzeitige Wanderung von Immun- und Krebszellen in die Lymphknoten besser zu verstehen und gezielte Therapien zu entwickeln.

Offensichtlich wurden die Fortschritte in der Strahlentherapie im Kantonsspital Münsterlingen. Wie Christiane Reuter, Leitende Ärztin in der Radioonkologie ausführte, ermöglicht der 2007 angeschaffte Linearbeschleuniger dank intensitätsmodulierter Technik und dreidimensionalen Bewegungen eine genaue Dosierung der Strahlung. Dadurch lassen sich Tumorerkrankungen in der Nähe von kritischen Strukturen wie Kopf, Hals, Prostata oder Becken schonend und sehr gezielt behandeln. Die Patienten würden diese hochpräzisen Bestrahlungen deutlich besser vertragen und litten unter weniger Nebenwirkungen, führte Reuter aus.

Optimale Therapie
Die Wichtigkeit der Zusammenarbeit über die verschiedenen Fachgebiete hinaus betonte auch Christian Taverna, Leitender Arzt der Onkologie. Praktisch alle Fälle von Patienten mit neu diagnostizierter Krebserkrankung würden an einer interdisziplinären Tumorkonferenz, an der auch Spezialisten aus Frauenfeld teilnähmen, besprochen. Ziel sei es, für jeden Patienten die optimale Therapie festzulegen. Fortschritte im Kampf gegen Krebs seien nur dank intensiver Forschung, wie sie auch vom BITg geleistet werde, möglich. Dadurch wisse man heute viel genauer, was in einer Krebszelle nicht mehr stimme und könne darum gezieltere Therapien anbieten.

Auch die Informationen, welche die Pathologie anhand von Gewebeproben über einen Tumor liefern kann, sind gemäss Achim Fleischmann in den letzten Jahren bedeutend präziser und umfassender geworden. Dazu gehörten unter anderem Aussagen über Aggressivität, Wachstumsgeschwindigkeit und Behandelbarkeit eines Karzinoms. Die dadurch mögliche individuelle Behandlung werde die Krebstherapie enorm voranbringen, ist Fleischmann überzeugt.

Einen Überblick über das Angebot der Thurgauischen Krebsliga gab abschliessend Geschäftsführerin Elisabeth Herzog Engelmann. 2012 begleitete die vor 57 Jahren gegründete Organisation 1167 Patienten mit der Diagnose Krebs. Geleistet wird die umfassende Unterstützung, welche auch die Angehörigen miteinschliesst, von einem Team von 13 Mitarbeitenden sowie von über 150 Freiwilligen.

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