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Verlierer fordern Kostentransparenz

Kreuzlingen – Die Umsetzung des Siegerprojekts werde den Kostenrahmen sprengen: Diese Sorge äusserten einige Teilnehmer des im August beendeten Kunstwettbewerbs «Die Entdeckung des Stadtraumes». Stadträtin Dorena Raggenbass dementiert und versichert das Gegenteil. Ein Innerschweizer Atelier machte eine günstige Offerte.

Das Siegerprojekt «Grenzübertritte». (Bild: zvg)

Das Siegerprojekt «Grenzübertritte». (Bild: zvg)

In einem Brief fordern «einige Teilnehmer am diesjährigen Wettbewerb», dass die Jury des Kunstwettbewerbs «Die Entdeckung des Stadtraumes» über den Kostenverlauf der Gesamtkosten, noch vor Baubeginn, informiert. Die Unterzeichner wollen zwar namentlich nicht genannt werden, stammen aber alle aus der Region. Sie kritisieren zwei Dinge.

Zum einen sei das Honorar der Gewinner das «höchste aller 27 eingereichten Entwürfe». Dadurch und weil das Siegerprojekt aufwändige «technische Effekte und Anschlüsse» brauche, müsse mehr Geld in die Hand genommen werden als geplant. Auf der anderen Seite fühlt man sich übervorteilt. So hätten sie selbst üppigere Konzepte eingereicht, wäre klar gewesen, dass mehr ausgegeben werden darf, schreiben die um Finanzen besorgten Künstler.

Die zuständige Stadträtin Dorena Raggenbass möchte die berechtigten Bedenken der leer ausgegangenen Wettbewerbsteilnehmer aber zerstreuen: «Gemäss Ausschreibung stehen den Künstlern insgesamt 20’000 Franken zur Verfügung. Dies beinhaltet die Ausführung des Projekts und das Künstlerhonorar.» Zwischen Honorar und Ausführung wird nicht unterschieden. Die Ausführungsplanung hingegen werde begleitet und kontrolliert. «Der Kostenrahmen muss eingehalten werden», versichert die Stadträtin. Sie sehe keine Veranlassung, Daten vor Baubeginn zu veröffentlichen: «Die Kostenzusammenstellung und Abrechnung ist in der Kompetenz und Verantwortung der Kunstkommission der Stadt.»

Adrian Latzer, Mitglied in Kunstkommission und Jury, kennt alle eingereichten Beiträge und versichert: «Das Siegerprojekt unterscheidet sich, was die Machbarkeit angeht, nicht von den anderen Beiträgen.» Es funktioniere mechanisch und erfordere keine speziellen Anschlüsse.

Günstige Periskope
Bekanntlich sieht das Siegerprojekt die Installation von acht farbigen Periskopen entlang des alten Grenzzaunes vor. In den Rohren sind Bilder angebracht, die das Thema «Grenzübertritte» aufgreifen, etwa ein Einfamilienhaus, ein Einbruch oder einen Gepäckscanner. Mittels einer Kurbel werden die Bilder dynamogetrieben erleuchtet. Elisabeth Wegmann ist Mitglied des Kunstkollektivs «T_Raumfahrt» und hat mehrere Offerten zur Umsetzung eingeholt, bevor sie den siegreichen Beitrag einreichte.

Nachdem die Zürcher Künstlertruppe als Gewinner gekürt wurde, überarbeiteten sie das Konzept nochmals gemeinsam mit der Kunstkommission. So wurde aus Kupferblech Stahlblech, ein Guckloch soll mit Plexiglas geschützt werden, Öffnungen bekommen Fliegengitter. «Es wurde ein bisschen teurer, aber alles innerhalb des Kostenrahmens», beteuert die Künstlerin. Schliesslich soll das Kunstwerk möglichst lange halten.

Ein Prestigeprojekt für Firma
Wegmann kann die Bedenken der Kritiker verstehen, hat sie doch grösstenteils Angebote erhalten, die deutlich über dem Budget lagen: «Glücklicherweise haben wir im Innerschweizer Atelier Ritter einen Partner gefunden, der unser Projekt günstig umsetzen kann. Sie verstehen, das Kunst nicht immer wirtschaftlich sein kann, und dass dieses Projekt auch eine gute Referenz für ihr Unternehmen bedeutet.»

Und was ist mit Schutz gegen Vandalismus? «Wenn jemand demolieren möchte, dann tut er das», erklärt die Künstlerin. Das Kunstwerk sei jedenfalls für jahrelange Haltbarkeit konzipiert.

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