/// Rubrik: Leserbriefe

Strahlenschutz-Unterwäsche in der Schule?

Ja, es gibt sie, die versteckten Mobilfunk-Antennen im Kirchturm. Vor vielen Jahren machte die Kirchgemeinde Hemberg in St. Gallen deshalb Schlagzeilen. Die Antenne wurde schliesslich entfernt. (Text: Pius Widmer, Ermatingen)

(Bild: Archiv)

(Bild: Archiv)

Ja, es gibt sie, die kritischen Beobachter der Situation. Deshalb wohl musste vor Jahren eine Mobilfunk-Antenne beim Münsterlinger Spital entfernt werden. Und deshalb werden immer mehr Verstecke für Antennen gesucht.

Ja, es gibt sie auch, die vielen Studien der Elektro-Industrie, die belegen, dass Elektrosmog nicht schädlich ist. Schulpräsident Jürg Schenkel aus Kreuzlingen schenkt ihnen sein volles Vertrauen. Die Textil-Industrie ist da anderer Meinung. Sie bietet für elektro-sensible Menschen Strahlenschutz-Unterwäsche etc. an und stellt fest, dass sie eben diesen Menschen das Leben erleichtert. Somit hiesse der Kompromiss: WLAN in der Schule – gleichzeitig Strahlenschutz-Unterwäsche für sensible Schülerinnen, Schüler und Personal.

Mir aber geht es jetzt nicht um Grenzwerte, Theorien und Untersuchungen. Ich weiss aus Erfahrung, dass das Gesamt der Strahlenbelastung – aus der Erde, aus der Luft, von der Natur freigegeben oder künstlich erzeugt – Menschen zur Verzweiflung, manchmal sogar in den Selbstmord treiben kann.

Meine Partnerin, über 30 Jahre lang geschätzt als Kindergärtnerin im Thurgau tätig, begann vor gut zehn Jahren, unter der vermehrten Strahlenbelastung zu leiden. Sie selber kam nicht auf die Idee. Schulmedizinische und kinesiologische Test machten sie darauf aufmerksam. Im Klartext hiess das, umziehen in eine möglichst funkfreie Zone oder mit Medikamenten den Körper beruhigen. Meine Wohnung in einem Funkloch schien geeignet zu sein. Allerdings nur kurze Zeit. Swisscom hatte das Funkloch gestopft. Für die Partnerin hiess das wieder umziehen. Als wir vernahmen, dass in Münsterlingen eine Mobilfunk-Antenne aus dem Spitalbereich verbannt wurde, suchten wir dort eine kleine Wohnung und baten einige Mieter, möglichst auf Funktelefone, Funkkopfhörer, Stand-by-Funktionen und Ähnliches zu verzichten. Einige Monate ging das gut. Dann entstanden in ihrer nächsten Nähe gegen 15 Neubauten, natürlich alle zugänglich für Strahlung jeglicher Art. Wieder umziehen oder Medikamente schlucken gegen die körperlichen Beschwerden.

Während der Jahre lernte meine Partnerin, dass es ihr – wenn sie der Strahlung nicht ausweichen konnte – am besten ging, wenn sie täglich im Wald unterwegs war, barfuss über Felder ging oder ein Essigbad nahm. Aufgrund dieser Erfahrung wohnen wir jetzt auf dem Land, umgeben von kräftigen Bäumen und wenigen Antennen. Doch auch hier sind wir auf verständnisvolle Nachbarn angewiesen, die möglichst auf WLAN verzichten und besonders nachts alle Stand-by-Funktionen ausschalten.

Wie sagte doch Herr Schenkel von Kreuzlingen? Die Strahlung von WLAN sei sehr schwach? Kumuliert mit den überall vorhandenen zusätzlichen Strahlenquellen kann diese legere Haltung wieder einige empfindsame Menschen mehr zur Verzweiflung bringen. Denn für sie gibt es – auch laut Mitarbeitern von Umweltschutzämtern – kaum eine andere Lösung, als einen möglichst strahlungsfreien Wohnort, oder wie hier eine möglichst strahlungsfreie Schule zu suchen.

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