/// Rubrik: Topaktuell

Mit «Bauernschläue» zum Erfolg

Thurgau – Produzieren allein genügt heute nicht mehr: Wer seinen Landwirtschaftsbetrieb erfolgreich in die Zukunft führen will, muss unternehmerisch denken. Das Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg (BBZ) hat die Betriebsleiterausbildung diesen Herbst in einigen Punkten neu strukturiert und fördert damit die oft zitierte «Bauernschläue».

Erdbeerkulturen im neuen Gewächshaus des «Sonnenhofs». (Bild: ID / Susanna Horber)

Erdbeerkulturen im neuen Gewächshaus des «Sonnenhofs». (Bild: ID / Susanna Horber)

«Bauernschläue ist ein Begriff, der das Unternehmertum in der Landwirtschaft am besten umschreibt», erklärte Martin Huber, Direktor des BBZ Arenenberg, auf dem «Sonnenhof» in Steinebrunn. Ein erfolgreicher landwirtschaftlicher Unternehmer habe die Fähigkeit, die Elemente Arbeitskraft, Kapital und Know-how ideal zu kombinieren und aus den Erfahrungen zu lernen. Alleinige Kenntnisse im Bereich der Produktion reichten nicht mehr. «Wer seinen Betrieb in die Zukunft führen will, muss diesen konsequent weiter entwickeln, Schwerpunkte setzen, unternehmerisch denken und seine Produkte erfolgreich vermarkten», sagt Huber. Was das BBZ dazu beitragen könne, sehe man nicht auf dem Arenenberg, sondern draussen in den Betrieben, wie hier auf dem «Sonnenhof».

Vom Detailhandel in die Landwirtschaft
Matthias Müller hat diesen 2010 von seinen Eltern übernommen, obwohl er ursprünglich andere Pläne hatte: «Es ist schlussendlich ein Bauchentscheid gewesen», sagt er. Mit seiner Grundausbildung als Detailhandelsangestellter war er bis 2007 in verschiedenen Funktionen bei Coop tätig, zuletzt als Filialleiter. Nach dem Entscheid, den elterlichen Betrieb zu übernehmen, absolvierte er zuerst eine Zweitausbildung als Gemüsegärtner. Schliesslich belegte er während zwei Jahren berufsbegleitend am BBZ Arenenberg verschiedene landwirtschaftliche Modulkurse, als Vorbereitung für die Meisterprüfung, in deren Zentrum eine Betriebsstudie steht. Diese Betriebsstudie habe ihn viel Schweiss und Arbeit gekostet, erzählt Matthias Müller, doch er sei damit gezwungen gewesen, den Betrieb genau zu analysieren, was kurz nach der Betriebsübernahme geradezu ideal gewesen sei. Die Meisterprüfung schloss Müller im Juni 2011 sehr erfolgreich ab und war damit für die Führung des Beerenproduktionsbetriebs bestens gerüstet. Aufgrund der Betriebsstudie traf er 2011 seine ersten Entscheidungen in Richtung Zukunft: der Bau eines fast 9000 Quadratmeter grossen Gewächshauses für die Erdbeeren-Produktion sowie die Aufnahme von Heidelbeeren ins Produktionssortiment. Obwohl der «Sonnenhof» in Spitzenerntezeiten rund 110 Personen – vor allem Erntehelfer – beschäftigt, will ihn Müller als Familienbetrieb weiterführen.

Echte Qualitätsprodukte
Dem Markt immer etwas voraus zu sein, ist ein Ziel, das sich Matthias Müller von Anfang an auf die Fahne geschrieben hat. Dazu passen die Entwicklung von assortierten Beeren-Kistchen für Engros-Kunden wie auch das neueste Produkt «Trio», das drei verschiedene Beeren in kleinen Schalen in einem attraktiven Karton vereint. Damit sollen vor allem Kleinhaushalte angesprochen werden, die zahlenmässig zunehmen. Mit seinen 14 Hektaren Produktionsfläche setzt Matthias Müller konsequent auf Qualitätsprodukte, die zum Teil auch als hochpreisige Premiumprodukte in den Verkauf kommen: makellose, grosse Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Johannisbeeren – und bald auch Heidelbeeren.

Rudolf Grunder, Matthias Müller, Bruno Meili und Martin Huber (v.l.n.r.) im Gewächshaus des «Sonnenhofs» in Steinebrunn. (Bild: ID / Susanna Horber)

Rudolf Grunder, Matthias Müller, Bruno Meili und Martin Huber (v.l.n.r.) im Gewächshaus des «Sonnenhofs» in Steinebrunn. (Bild: ID / Susanna Horber)

Als Meister für die Zukunft gerüstet
«An der schweizerischen Diplomfeier für Meisterlandwirtinnen und -landwirte von Ende August 2013 konnten aus dem Kanton Thurgau gleich 15 junge Berufsleute ihr Diplom in Empfang nehmen», informiert nicht ohne Stolz Rudolf Grunder, Leiter Weiterbildung Landwirtschaft am BBZ Arenenberg. Die zweistufige Betriebsleiterausbildung wird gesamtschweizerisch nach dem gleichen Modell durchgeführt und ist auch am BBZ Arenenberg gegenüber früheren Jahren in einigen Punkten neu strukturiert worden. Die Bildungsinhalte der höheren Berufsbildung wurden an die neue Grundbildung EFZ angepasst. Neu gibt es eine Prüfungsordnung und eine Modulliste für das ganze Berufsfeld mit sechs Berufen: Landwirtschaft, Obstbau, Geflügelwirtschaft, Weintechnologie, Weinbau, Gemüsebau. Mit der neuen Verteilung der einzelnen Bildungsinhalte auf die beiden Stufen Berufs- und Meisterprüfung wird den Anforderungen an die zukünftigen Betriebsleiter besser Rechnung getragen. Verglichen mit dem bisherigen Unterricht bekommen betriebswirtschaftliche Fragen bereits bei der Berufsprüfung einen grösseren Stellenwert.

Das BBZ Arenenberg startet im Herbst 2015 erstmals mit der Vorbereitung auf die Meisterprüfung mit Eidg. Diplom nach neuem Modell. Seit August 2013 ist das berufsbegleitende Weiterbildungsangebot «Agrotechnik HF» neu im Angebot, das die drei landwirtschaftlichen Bildungsstätten Arenenberg, Rheinhof Salez (GR) und Plantahof (SG) lancieren. Die Höhere Fachschule (HF) bietet Berufsleuten mit abgeschlossener Grundausbildung eine praxisorientierte und vielseitige Weiterbildungsmöglichkeit im Bereich Unternehmensführung. Bruno Meili, Präsident der Berufsbildungskommission des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft (VTL) schätzt, dass gegenwärtig 170 bis 180 Lernende in Thurgauer Lehrbetrieben in der landwirtschaftlichen Ausbildung stehen. Die Branche unterstütze die Berufsbildung am BBZ Arenenberg sehr und bemühe sich auch, Nachwuchs zu rekrutieren.

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