/// Rubrik: Topaktuell

SP mit neuen Ideen für den Boulevard

Kreuzlingen – Die Initianten für einen autofreien Boulevard und der Stadtrat scheinen sich anzunähern, vieles deutet auf einen Kompromiss hin (wir berichteten). Jetzt tritt auch die SP auf den Plan und sorgt mit neuen Vorschlägen für zusätzliche Bewegung.

Markus Brüllmann, Christian Winterhalter, Walo Abbeglen und Ruedi Herzog von der Kreuzlinger SP-Gemeinderatsfraktion. (Bild: Thomas Martens)

Markus Brüllmann, Christian Winterhalter, Walo Abbeglen und Ruedi Herzog von der Kreuzlinger SP-Gemeinderatsfraktion. (Bild: Thomas Martens)

Spätestens im November 2014 soll das Volk darüber abstimmen, ob der Boulevard autofrei wird. Dies jedenfalls fordert die Intitative rund um Brigitta Engeli-Saager, Jost Rüegg und Daniel Moos. Doch mittlerweile scheint fraglich, ob es überhaupt so weit kommt. Der Stadtrat hat bereits mehrfach das Gespräch mit den Initianten gesucht. Nun deutet alles auf einen Kompromiss hin, bei dem auch die Kreuzlinger SP ein Wörtchen mitreden möchte.

SP-Fraktionspräsident Ruedi Herzog stellte zusammen mit seinen Gemeinderatskollegen Markus Brüllmann, Christian Winterhalter und Walo Abegglen am Dienstag die Diskussionsgrundlagen und Ideen den Medien vor.

Die Partei hatte beim renommierten Professor Klaus Zweibrücken, Fachmann für Raum- und Verkehrsplanung und in Kreuzlingen bestens bekannt, eine Untersuchung zur «Aufwertung der Hauptstrasse» in Auftrag gegeben. Daraus geht hervor, dass der motorisierte Verkehr weiterhin zu hoch sei und reduziert werden müsse und dass die Aufenthaltsqualität verbesserungsbedürftig sei. Zudem brachten die Sozialdemokraten einen neuen Standort für den geplanten Bushof ins Spiel. Dies ist für Markus Brüllmann Grundvoraussetzung für eine Reduktion des motorisierten Individualverkehrs (MIV).

Ziele wurden verfehlt
Laut Verkehrsstatistik 2012 fahren täglich immer noch rund 10000 Fahrzeuge durch die Begegnungszone, «die bisherigen Ziele wurden bislang verfehlt», so die SP in einem Thesenpapier. Velofahrer und Fussgänger zirkulierten nicht wie gewünscht frei, es gebe deutlichen Unmut in der Bevölkerung.

Als Massnahmen schlägt die SP auf Grundlage des Fachgutachtens die Sperrung des Abschnitts Löwenkreisel bis Bärenkreisel für den MIV vor. Zudem soll die Parkstrasse zwischen Zufahrt «ceha!»-Tiefgarage und Löwenkreisel gesperrt werden. Damit würde ein durchgehender Fussgängerbereich von der Hauptstrasse bis zum Bärenkreisel entstehen. Knackpunkt in diesem Modell ist eine Verlegung des geplanten neuen Bushofs auf den heutigen Fahrbahnbereich in der Strassenmitte zwischen Bären- und Löwenkreisel. Dadurch könne die dreifache Platanenallee erhalten werden. Die Autofahrer würden aus südlicher Richtung durch die geplante Tiefgarage unter dem Bärenplatz bereits abgefangen «und gar nicht erst in den Boulevard gelassen», so Abegglen.

Plätze hervorheben
Ihm liegt auch eine Erhöhung der Aufenthaltsqualität am Herzen. Die drei Plätze oder Freiräume am Anfang, Ende und in der Mitte des Boulevards würden sich gestalterisch und visuell zu wenig vom Strassenraum unterscheiden.

Um hier eine Verbesserung herbeizuführen, regt die SP die Aufhebung der Parkierungsflächen auf den drei Plätzen an. «Die Plätze könnten zum Beispiel durch Farbgebung gestaltet werden», heizt Abegglen die Diskussion an. Dies sei schrittweise und mit relativ bescheidenem Mitteleinsatz möglich – auch versuchsweise.

Für die SP stehen Hauptstrasse, Dreispitzpark, Bushof und Löwenstrasse in einem engen funktionalen Zusammenhang, der durch die Organisation des Verkehrssystems, aber auch durch die Gestaltung der öffentlichen Räume zum Ausdruck kommen sollte. Dies sei heute aber noch nicht der Fall. «Der Stadtrat plant Insellösungen», kritisiert Markus Brüllmann. Und Ruedi Herzog fordert alle Beteiligten auf, das Problem grossräumig anzugehen:  «Man darf den Boulevard nicht isoliert betrachten.»

Lösung liegt im Kompromiss
Die Idee der «Begegnungszone» sehen die Sozialdemokraten noch nicht gescheitert, sie kämpfen deshalb für eine Optimierung. Mit ihren Denkanstössen versuchen sie nun, den Initianten und dem Stadtrat Eckpunkte für einen wahrscheinlichen Kompromiss zu liefern. «Noch ist es nicht zu spät, die Lösung liegt zwischen den beiden Extrempositionen», so Herzog, der einen gänzlich autofreien Boulevard zu diesem Zeitpunkt «sachlich und politisch» nicht für den richtigen Weg hält.

Die Partei will jetzt mit Initianten und Stadtrat das Gespräch suchen, um Gemeinsamkeiten auszuloten. Im Stadtgespräch am 17. November soll dann die Öffentlichkeit aus erster Hand über die Vorschläge informiert werden.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.