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Kultur-Cluster findet breite Zustimmung

Kreuzlingen – Kreuzlingen will ein Kulturzentrum für alle Sparten. Das «Kultur-Cluster» fand am Mittwoch Anklang bei Vertretern aus Politik, Verwaltung, Kultur und Bildung auch von ennet der Grenze. Stadtammann Andreas Netzle und Think-Tank-Thurgau-Chef Toni Schönenberger hatten zur Sitzung ins Rathaus eingeladen, um das ehemals schon diskutierte Projekt erneut ins Rollen zu bringen.

Stadträtin Dorena Raggenbass befürwortet ein Kultur-Cluster in Kreuzlingen. (Bild: sb)

Stadträtin Dorena Raggenbass befürwortet ein Kultur-Cluster in Kreuzlingen. (Bild: sb)

Gleich vorneweg: Ein Communiqué wurde nicht unterzeichnet. Dies war laut Einladung das Ziel der Sitzung gewesen. Ob ein solches nach der fruchtbaren und wertvollen Diskussionsrunde im Rathaus überhaupt noch nötig ist, diese Entscheidung bleibt Stadtamman Andreas Netzle und Toni Schönenberger überlassen. Zusammen mit Stadträtin Dorena Raggenbass stellten sie ihre Vision eines Kultur-Clusters für Kreuzlingen auf dem Schiesser-Areal vor und zur Diskussion. Dieses soll, wir berichteten, um den erweiterten Kunstraum herum entstehen und auch Theater, Musik, der freien Kultur oder einer Beiz, Proberäumen und Künstlerwohnungen Raum bieten.

Im Gegenteil zur Idee, die bereits 2008 diskutiert wurde, wähle man heute einen «pragmatischeren Weg», so Netzle. Der Ausbau zum Cluster könne sukzessive erfolgen und werde «Ausstrahlungskraft in den ganzen Bodenseeraum» haben. «Das Schiesser-Areal und die angrenzende Molkerei bieten Platz», so Stadträtin Raggenbass. Unter ihrer Federführung wurde bereits einige Vorarbeit geleistet. So existiert mittlerweile eine Machbarkeitsstudie, die in überarbeiteter Version im Frühjahr Gemeinde- und Stadtrat sowie dem Kanton vorgestellt werden soll.

Konstanz braucht auch Raum
Die Cluster-Vision fand Zustimmung bei den Anwesenden. So signalisierte etwa der Konstanzer Kulturdezernent und Bürgermeister Dr. Andreas Osner Bereitschaft, sie zu unterstützen. Denn auch ennet der Grenze sucht man Raum für Kultur. «Die Diskussion muss aber auf Augenhöhe geführt werden», verlangte Osner.

Kreuzlingen vs. Ittingen?
Finanzielle Unterstützung erhofft sich die Cluster-Clique indes hauptsächlich vom Kanton. Doch hat dieser Geld für beides, für einen Erweiterungsbau in Ittingen und für ein Kreuzlinger Kulturzentrum? Diese Frage stellt sich, weil das Treffen vor dem Hintergrund der Abstimmung im Grossen Rat anberaumt wurde. Am 4. Dezember wird dort nämlich entschieden, ob die Kartause für 4,6-Millionen-Franken saniert wird und 11,32 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds für einen Erweiterungsbau erhält.

Und weil Toni Schönenberger ganz unverhohlen versuchte, Ittingen gegen Kreuzlingen auszuspielen. Seine Worte: «Heute geht es darum, eine Alternative zum Ittinger Neubau aufzuzeigen.» Dort sei der falsche Ort, das Projekt zu teuer und am ohnehin besser gelegenen Standort Kreuzlingen günstiger zu realisieren. «Ein Neubau in Ittingen geht auf die Kosten der jungen Generation», so Schönenberger. In Kreuzlingen sei der Zugang zur Kultur für die Jungen leichter zu machen. Schönenberger will eine Ittinger Dependance in Kreuzlingen.

Kanton sagt Unterstützung zu
Paul Roth, Generalsekretär des Departements für Erziehung und Kultur, wehrte sich gegen ein solches «Entweder-Oder-Denken». Roth sagte klipp und klar, dass der Kanton das Cluster unterstützen wolle. Das Schiesser-Areal sei als «kultureller Kristallisationspunkt» geeignet, das Projekt werde «die kulturelle Landschaft bereichern». Man benötige aber schleunigst Beurteilungsgrundlagen. Wenn, dann könne finanzielle Unterstützung am ehesten über den Lotteriefonds erfolgen.

Aus Ittingen war dennoch Angst zu spüren. «Wir brauchen den Erweiterungsbau dringend», machte Markus Landert, Direktor des Kunstmuseums, klar. Er befürchte «Dramatisches», werde dafür kein Geld gesprochen. Ittingen könnte zum «Provinzmuseum» werden. Die Anwesenden hüteten sich denn auch, das Konzept des Kunstmuseums in Ittingen als solches in Frage zu stellen. Kritik am Erweiterungsbau wurde geäussert, war aber auf Verfahrensfehler des laut SP-Kantonsrat Peter Dransfeld «miserabel aufgegleisten Projekts» gerichtet.

Kreuzlingen argumentiert anders als Schönenberger
«Kreuzlingen will weder das Kunstmuseum herholen noch ein zweites hier bauen», stellte Stadtammann Andreas Netzle klar. Kreuzlingen wolle den Cluster realisieren, ganz egal, was in Ittingen geschieht.

Für Kostenfragen sei es noch zu früh. Wer das Kultur-Cluster bezahlen soll und wie, könne erst beantwortet werden, wenn das Projekt weiter fortgeschritten ist. Jetzt gelte es, die Idee zu konkretisieren, weiter auszuarbeiten und Ideen einzubringen. Aber auch zu klären, wer sich beteiligt und wer den Betrieb trägt.

Statt eines Communiqués werde man nun mögliche Partner anschreiben, um verbindliche Zusagen zu gewinnen. Spannend bleibt, wie man diese bekommen will, ohne konkrete Zahlen nennen zu können.

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One thought on “Kultur-Cluster findet breite Zustimmung

  1. Bruno Neidhart

    Ittingen ist eine Idylle mit ländlichem Charme. Das Kreuzlinger Projekt hat eine städtische Intention. Man kann die beiden Orte nicht vergleichen. Entsprechend sind die kulturellen Schwerpunkte zu setzen. Für Kreuzlingen ist das Projekt „Schiesser und Molki“ eine grosse Chance, sich neben den „natürlichen, grünen Gegebenheiten“, den Parks und Gärten am See, wie in der Stadt – Nebensatz: warum nicht auch ein grosser Stadtpark zwischen Parkstrasse und Klosterkirche! – sich den vielfältigen Künsten in einem eigentlichen Zentrum zu widmen, um so über das Kulturelle als Ganzes die Profilierung der Stadt im Bodenseeraum zu stärken. Wenn ein solcher „Kultur-Cluster“ im Stadtzentrum entsteht, umso sinnvoller. Solche Aktivitäten sind gleichzeitig „Gold“ für den zu belebenden Boulevard.

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