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Reh und Kitz von Hund gerissen

Kreuzlingen – Zwei tote Rehe wurden vergangene Woche im Gebiet Girsberg aufgefunden – offensichtlich von einem Hund gerissen, gibt der Kreuzlinger Wildhüter Hugo Olbrecht bekannt. Nun wollen die Jäger das Gebiet vermehrt im Auge behalten. Sie dürfen Hunde erschiessen, wenn sie auf frischer Tat ertappt werden.

Der Hund hat tiefe Wunden bei der Rehgeiss hinterlassen. (Bild: kb)

Der Hund hat tiefe Wunden bei der Rehgeiss hinterlassen. (Bild: kb)

Es war am Donnerstagmorgen vergangener Woche, als Hugo Olbrecht den Anruf von Schlossbesitzer Kurt Schmid-Andrist erhält: Im Gebiet um Schloss Girsberg liegt ein totes Reh – schon das zweite in der Woche. Dem erfahrenen Wildhüter bot sich ein schlimmer Anblick, tiefe Wunden waren auf dem Kadaver zu sehen. Ganz offensichtlich wurde das Reh von einem Hund gerissen, teilt der Wildhüter mit. Das lasse sich an der Art des Risses erkennen.

Seit rund 20 Jahren ist Hugo Olbrecht Wildhüter in Kreuzlingen. Sein Gebiet umfasst insgesamt 1200 Hektaren. «Ich hab schon einiges gesehen», sagt er. Kalt lassen ihn solche Vorfälle aber nicht: «Sicher härtet man mit der Zeit etwas ab. Das Tier aber ist qualvoll gestorben – die Augen der Rehgeiss habe ich noch die ganze Nacht vor mir gesehen.»

Erst zwei Tage zuvor fand man ihr Kitz, unweit der Stelle an der auch das Mutterreh gefunden wurde – ebenfalls von einem Hund gerissen. Ob es sich um einen oder mehrere «Täter» handelt, konnte nicht festgestellt werden, so Olbrecht.

Eigentlich ist das Gebiet Girsberg ein kleines Paradies für Wildtiere. «Da heute vieles zubetoniert wird, haben sie kaum noch Lebensraum», sorgt sich Kurt Schmid-Andrist. Um das Schloss wurden daher Ökowiesen angelegt, damit die Tiere genügend Nahrung finden. Hier – vor allem oberhalb der Bahnlinie – halten sich Rehe gerne auf, weiss der Schlossbesitzer. Doch auch viele Menschen gehen dort mit ihren Hunden spazieren, ohne sie an der Leine zu halten. «Dabei haben wir extra Tafeln aufgestellt, die darauf hinweisen», bittet Schmid-Andrist die Hundebesitzer um Rücksichtnahme.

Denn ist der Jagdinstinkt eines Hundes erst mal geweckt, gibt es meist kein Halten mehr. «Ein kleiner Hund kommt einem Reh vielleicht nicht nach», weiss Olbrecht, «doch für einen grossen Hund ist das kein Problem.» Auch der Wildhüter hofft auf die Vernunft der Hundebesitzer und darauf, dass sie ihre lieben Vierbeiner im Wald sowie waldnahen Gebiet an der Leine nehmen.

Jäger dürfen Hunde schiessen
Um ein Auge darauf zu haben, dass Hunde keine Wildtiere mehr reissen, wird die Kreuzlinger Jagdgesellschaft in der nächsten Zeit vermehrt im Gebiet Ribi-Girsberg-Brunegg tätig sein, gibt der Wildhüter bekannt. Ausserdem macht er darauf aufmerksam, dass laut Jagdgesetz Hunde, die beim Wildern quasi «auf frischer Tat» ertappt werden, von Jägern sofort erschossen werden dürfen, beziehungsweise sogar müssen. «Das ist in diesem Jahr in der Region Kreuzlingen durchaus schon vorgekommen», erzählt Olbrecht und fragt sich: «Kein Jäger hat Freude am Abschuss von Hunden, denn was kann der Hund dafür, dass er falsch gehalten wird?»

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