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Herzklinik holt sich Berater

Kreuzlingen/Konstanz – Schwere Vorwürfe prasseln seit Wochen auf die Herzkliniken Kreuzlingen und Konstanz ein. Bewiesen ist noch nichts, die Ermittlungen laufen. Manche wurden bereits eingestellt. Derweil hat sich die Klinik-Geschäftsführung externe Berater geholt.

Personalexperte Matthias Mölleney arbeitet jetzt für die Herzklinik. (Bild: Archiv)

Personalexperte Matthias Mölleney arbeitet jetzt für die Herzklinik. (Bild: Archiv)

Matthias Mölleney ist in Kreuzlingen bekannt als Verwaltungsratspräsident der Bodensee-Arena und Mitglied im Hochschulrat der PH Thurgau. Der ehemalige Personalchef der Swissair wurde im September von der Klinik-Geschäftsführung engagiert. «Ich bin gerade noch in der Findungsphase und verschaffe mir einen Überblick», sagt Mölleney auf Anfrage.

Er lässt durchblicken, dass es unter anderem um die Führungsstruktur und das Verhältnis von Management und Mitarbeitern gehe. Erst im Januar oder Februar 2014 könne er mit seiner eigentlichen Arbeit beginnen. Mölleney war es auch, welcher der Geschäftsführung Vorschläge für einen speziellen Krisenkommunikationsmanager machte. Den Zuschlag erhielt Mitte November ein 42-Jähriger mit Büro in Winterthur. Einer, der bereits bei der damaligen Crossair für Kommunikation zuständig war.

Ärztliche Schweigepflicht verletzt?
Seitdem musste er sich aber täglich mit neuen Medienanfragen auseinandersetzen. Befeuert werden diese durch immer wieder neue angebliche Enthüllungen rund um die beiden Herzkliniken. Demnach soll Geschäftsführer Martin Costa bei Patientenakten mehrfach gegen das Arztgeheimnis verstossen haben. Er habe «lediglich im Rahmen einer administrativen Schlussüberprüfung in vereinzelten Fällen die Schlussberichte auf Vollständigkeit» überprüft, kontert die Klinik. Gegebenenfalls habe er Ärzten «entsprechende Ergänzungsvorschläge» unterbreitet.

In den letzten Tagen neu hinzu kamen Vorwürfe über Schimmelpilbefall in Klinikräumen in Kreuzlingen, eine umstrittene Laserkanone für Herzoperationen, ein veraltetes Röntgengerät in Konstanz und die angeblich unzulässige Verabreichung des Arzneimittels «Propofol». Zudem hat die KreuzlingerZeitung Unterlagen darüber, dass 2004 eine Leiche von Konstanz nach Kreuzlingen geschmuggelt wurde. Ein Konstanzer Anwalt hat in den drei letztgenannten Fällen Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Konstanz und Thurgau erstattet. Die Staatsanwaltschaft Konstanz hat ihre Ermittlungen zu diesen Punkten gemäss Sprecher Christoph Hettenbach bereits eingestellt.

Mitarbeiter formieren sich
Der Konstanzer Anwalt stützte sich bei den Anzeigen auf Aussagen von Mitarbeitern beider Kliniken. Diese möchten aber noch anonym bleiben, weil sie Repressalien fürchten. «Wir wollen mit den ganzen kriminellen Machenschaften in den Kliniken nicht in Verbindung gebracht werden», erklärten Vertreter bei einem informellen Treffen.

Sie haben Angst, «vom Strudel mitgerissen» zu werden. Einige von ihnen würden gerade ihre Kündigung vorbereiten, wodurch die Kliniken ihrer Meinung nach handlungsunfähig werden könnten. Dass die Kliniken mittlerweile einen Patientenrückgang von 30 bis 40 Prozent hätten, treffe laut Kliniksprecher nicht zu: «Wir haben eine Auslastung auf Vorjahresniveau.»

Beweismaterial gesammelt
Als es ihnen zu heiss wurde, haben die Mitarbeiter angefangen, Beweismaterial zu sammeln. Dieses würde sämtliche bislang erhobenen Vorwürfe erhärten. In Strafverfahren stünden sie als Zeugen zur Verfügung. Einer der Hauptgründe für die bislang anonymen Vorstösse seien «Millionensummen», die mit dem Einkauf «überteuerter Medizin-Produkte» in die Taschen des Führungs-Trios Dierk Maas, Martin Costa und Antoinette Airoldi geflossen seien. «Mit der Firma Proventis haben sie sich einen Selbstbedienungsladen geschaffen», so die Kritiker. Doch das sei längst nicht alles: «Wir können noch viel mehr beweisen.» Die Klinik verweist auf die Unschuldsvermutung.

Denn ob die Vorwürfe vor Gericht Bestand haben, müssen die Ermittler klären. Die Staatsanwaltschaft Konstanz geht von mehreren Monaten Arbeit aus. Mittlerweile hat sich auch der Kanton Thurgau eingeschaltet. «Wir werden, sobald ich Klarheit habe, die Õffentlichkeit über die Ergebnisse informieren», so der zuständige Regierungsrat Bernhard Koch.

In der Schweizerischen Ärztezeitung vom 13. November sucht das Herz-Neuro-Zentrum Bodensee  in Kreuzlingen übrigens einen Nachfolger für den gechassten Kardiologie-Chefarzt Dr. Michael Pieper.

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