/// Rubrik:

Langersehntes Biberkonzept ist da

Frauenfeld – Der Biber ist im Kanton Thurgau wieder ein fester Bestandteil der einheimischen Fauna geworden. Mit einem geschätzten Bestand von ca. 500 Tieren dürfte der Kanton Thurgau den höchsten Biberbestand in der Schweiz aufweisen. Im Auftrag des Departements für Justiz und Sicherheit hat eine Arbeitsgruppe ein kantonales Konzept erarbeitet, das den Umgang mit dem Biber und den Konflikten in den nächsten Jahren regeln soll. (ID)

Spuren des Bahnhofs-Bibers am Schoderbach.  (Bild: sb)

Sogar im Kreuzlinger Stadtgebiet waren mal Spuren eines Bibers zu sehen, hier am Schoderbach nähe Bahnhof. (Bild: sb)

Nachdem der Biber zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der ganzen Schweiz ausgerottet worden war, erfolgten ab den 1950er Jahren landesweit verschiedene Aussetzungen dieser geschützten Tierart. Im Kanton Thurgau wurden 1968/69 am Nussbaumersee neun norwegische Biber freigelassen, die den heutigen Biberbestand im Kanton Thurgau begründeten. Nach einer anfänglichen zögerlichen Entwicklung hat der Biber seit Ende der 1990er Jahre seinen Lebensraum wieder zurückerobert und besiedelt heute einen grossen Teil des Kantons. Nach letzten Schätzungen im Winter 2012/13 liegt der Biberbestand im Kanton Thurgau bei ca. 500 Tieren.

Biber gestalten ihren Lebensraum wie kaum eine andere Tierart: Sie verändern Gewässerläufe durch Dammbauten und legen Erdbauten in Uferböschungen an. Sie fällen Bäume und nutzen auch Feldfrüchte als Nahrungsressourcen. Diese ausgeprägte Gestaltungstätigkeit verursacht in unserer dicht besiedelten und intensiv genutzten Kulturlandschaft auch Konflikte. Mit der Zunahme und Ausbreitung des Bibers haben in den letzten Jahren auch Konfliktfälle zugenommen, sei es in der Land- und Forstwirtschaft aber insbesondere auch im Bereich der Infrastrukturen, die einen einheitlichen Umgang mit dem Biber erfordern. Im Auftrag des Departements für Justiz und Sicherheit hat deshalb eine Arbeitsgruppe mit breit abgestützten Interessenvertretern unter der Federführung der Jagd- und Fischereiverwaltung ein Biberkonzept für den Kanton Thurgau erarbeitet. Das Konzept, das vom Regierungsrat im November 2013 zur Kenntnis genommen wurde, umfasst vier Ziele: Sicherung einer überlebensfähigen Biberpopulation, Minimierung der Biberschäden, regelmässige Erhebung des Biberbestands und Information und Beratung der Öffentlichkeit und Geschädigten.

Der Thurgauer Biberbestand ist für die Population der Schweiz und der angrenzenden Nachbarländer von zentraler Bedeutung. Entsprechend wichtig ist sein Erhalt aus Sicht des Artenschutzes. Das Konzept Biber Thurgau schafft die Grundlagen für das Zusammenleben zwischen Biber und Mensch und zeigt Lösungen auf, mit welchen Massnahmen Konflikte bzw. Schäden minimiert werden können. Die Reduktion der Konflikte auf ein zumutbares Mass ist wichtig, damit die heute vorherrschende, breite Akzeptanz des Bibers in der Bevölkerung langfristig erhalten bleibt. Für die Umsetzung des Konzepts ist die Jagd- und Fischereiverwaltung verantwortlich. Sie ist auch Anlauf- und Beratungsstelle bei Konflikt- und Schadenfällen sowie bei Projekten zur Förderung des Bibers.

Europaweit sehr hohe Biberpopulation im Thurgau
Der Biber besiedelt heute im Thurgau vor allem das Seebach- und Thurtal, aber auch die Murg, die Sitter, den Kemmenbach, den Rhein und Seerhein. Der aktuelle Biberbestand im Thurgau von rund 500 Tieren, was ein Viertel der Schweizer Population darstellt, ist im Vergleich mit anderen vom Menschen dicht besiedelten Gebieten Europas gross. Nur die schwach besiedelten baltischen Staaten Lettland und Litauen weisen eine markant grössere Siedlungsdichte auf als der Kanton Thurgau. Die Werte des Thurgaus von rund 50 Tieren pro 100 Quadratkilometer sind vergleichbar mit derjenigen der wald- und moorreichen Länder Skandinaviens und Estlands und deutlich grösser als diejenigen anderer Gebiete Europas.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.