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Thurgauer Regierungsgebäude nach Sanierung feierlich eingeweiht

Frauenfeld – Vergangene Woche ist das 140-jährige Regierungsgebäude des Kantons Thurgau in Frauenfeld nach einer umfassenden Sanierung und Neustrukturierung mit rund 200 Gästen feierlich eingeweiht worden. Der Einweihungsakt mit zahlreichen Ansprachen und Grussbotschaften fand in der Konvikthalle statt und wurde durch die Bauübergabe mit dem 81. Wappenfeld und einem Apéro riche in der neuen Säulenhalle beschlossen.

Der Frauenfelder Stadtammann Carlo Parolari (rechts) übergibt Regierungspräsident Bernhard Koch die neue Messingtafel für das Regierungsgebäude. (Bild: Mario Gaccioli)

Der Frauenfelder Stadtammann Carlo Parolari (rechts) übergibt Regierungspräsident Bernhard Koch die neue Messingtafel für das Regierungsgebäude. (Bild: Mario Gaccioli)

Das vom Thurgauer Architekten Johann Joachim Brenner im Jahr 1868 fertig gestellte Gebäude zählt zu den bedeutendes Bauwerken des 19. Jahrhunderts in Frauenfeld. «Das Regierungsgebäude hat historisch und aktuell eine wesentliche staatspolitische und architektonische Bedeutung», betonte denn auch Regierungsrat Jakob Stark in seiner Ansprache bei der Einweihungsfeier. Im Namen des Regierungsrates dankte der Baudirektor allen Beteiligten, die zum erfolgreichen Werk beigetragen haben. Es sei gelungen, den vom Grossen Rat genehmigten Kredit von 23 Millionen Franken einzuhalten, trotz Bauteuerung und Überraschungen, wie sie bei jeder Sanierung auftreten würden.

Gemäss Kantonsbaumeister Markus Friedli handelte es sich um ein sehr anspruchsvolles Bauvorhaben. Die Aufgabe bestand darin, die ursprüngliche Baustruktur wiederherzustellen. Dazu kamen die Angleichung der Geschosse im Ostflügel, der 1937 angebaut wurde, sowie die Erneuerung der Fassaden. Im Weiteren galt es, modernste Gebäudetechnik möglichst diskret in die historische Substanz zu integrieren und den Minergie-Standard zu erfüllen. Zusätzlich wurden die Innenräume aufgefrischt und wieder in ihren Originalzustand gebracht. Nach Möglichkeit wurden die bestehenden Konstruktionen und Materialien erhalten. Diese Haltung der behutsamen Erneuerung spüre man in besonderem Masse im Staatskeller und im Regierungssitzungszimmer, erläuterte der Kantonsbaumeister.

Regierungsrat Jakob Stark erwähnte auch die restaurierten Bilder von Carl Roesch im Staatskeller und die «wunderschöne Säulenhalle», die im Gegensatz zu den Sitzungszimmern «Bodensee», «Thur» und «Murg» keinen Namen bekommen habe, sondern einfach nur «Säulenhalle» heisse. Gemessen am Medienecho sei das wichtigste Teilprojekt aber der Gemeindewappen-Zyklus gewesen, sagte Jakob Stark. «Als wir das Projekt anpackten, gab es ein grösseres Problem: zehn Politische Gemeinden hatten gar kein offizielles Wappen.» Innert kurzer Frist seien dann aber die fehlende Wappen mit Unterstützung des Staatsarchivars erstellt worden.

Symbol für offenen, selbstbewussten Thurgau
Dass das «ehrwürdige Gebäude» nicht einfach nur renoviert, sondern auch restauriert worden sei, stehe dem Kanton Thurgau gut an, sagte Regierungspräsident Bernhard Koch in seiner Grussbotschaft. Der Thurgau besitze nur wenige Orte von gesamtthurgauischem Symbolgehalt und dazu gehöre das Regierungsgebäude. «Es symbolisiert den erstarkten jungen Thurgau; nur 65 Jahre nach der Gründung konnte sich 1868 der junge Kanton selbst zur Darstellung bringen.» Auch wenn heute nicht mehr die gleiche Vielfalt im Gebäude anzutreffen sei – nicht mehr alle Departemente und Institutionen wie ursprünglich sind in diesem Haus – stehe es für einen offenen und selbstbewussten Thurgau.

Der Thurgau, als einer der letzten Untertanenkantone, habe sich in den vergangenen 215 Jahre zu einem angesehenen und starken Kanton entwickelt, stellt Grossratspräsident Bruno Lüscher in seiner Grussbotschaft fest. Er gratulierte dem Regierungsrat zur sanierten und umstrukturierten «Regierungsresidenz» und stellte fest, dass das «Prachtsgebäude» bereits eine lange andauernde Beständigkeit hinter sich habe und in den bald 150 Jahren erst zum zweiten Mal habe renoviert werden müssen.

Eine ähnliche Beständigkeit kenne man vom Ausdruck «Mostindien» und dem Apfel als sympathischem Kommunikationsträger. Er sei Sinnbild für Bodenständigkeit, Landschaft und Gesundheit und ein Synonym für einen Thurgau mit Biss. Die Apfelkönigin Stephanie König enthüllte dann eine Holzskulptur in Form eines Apfels, geschaffen und geschenkt vom Bildhauer Romuald Polachowski aus Guntershausen bei Aadorf. Bruno Lüscher wünschte dem Regierungsrat «in der neu renovierten Residenz viele, von gutem und positivem Geist getragene Entscheide zum Wohle des Thurgauer Volkes und wenn nötig den Biss, um sich durchzusetzen.»

Messingtafel und Gebrauchsanweisung
«Ein grosses Kompliment an den Regierungsrat, den Kantonsbaumeister und sein Team und die Handwerker» und die Glückwünsche des Stadtrates von Frauenfeld überbrachte Stadtammann Carlo Parolari. «Das Regierungsgebäude gehört zweifellos zu den bedeutenden Bauwerken der Kantonshauptstadt», sagte er in seiner Ansprache, und werde auch im «Inventar der neueren Schweizer Architektur» erwähnt. Die Stadt Frauenfeld beschrifte seit Jahrzehnten die kulturhistorisch wichtigen Gebäude in der Stadt mit Informationstafeln. Für das Regierungsgebäude sei nun eine neue, aktualisierte Tafel erstellt worden. Parolari überreichte Regierungspräsident Bernhard Koch die neue Messing-Tafel, die im Anschluss an die Einweihungsfeier neben der Portaltüre des Regierungsgebäudes angebracht wurde.

Nach Apfel und Messingtafel erhielt der Regierungsrat auch noch ein praktisches Geschenk. Der für die Renovation verantwortliche Architekt Thomas Hasler von Staufer & Hasler Architekten übergab den Nutzern des renovierten Regierungsgebäudes eine Gebrauchsanweisung und erklärte dazu: «Bewusst haben wir beim Umbau die altbewährten Materialien belassen und dort weitergeführt, wo sie gefehlt haben: Holz- und Steinböden.» Anstelle eines neues Pflichtenhefts für den Facility-Manager könne man deshalb einfach das alte von 1967 für den damaligen «Abwart» zu Rate ziehen. Die Anweisung heisse: «Die Parkettböden alle zwei Monate späneln und wichsen, die Steinböden jede Woche einmal waschen und die Zimmer ab der 2. Oktoberwoche bis Ende April jeden Morgen vor 8 hinreichend auf 12 bis 15 Grad heizen.»

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