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Herzklinik nimmt sich Ärzte vor

Kreuzlingen – Tief enttäuscht über zwei langjährige Mitarbeiter zeigte sich der Verwaltungsratspräsident der Herzkliniken Kreuzlingen und Konstanz, Dierk Maass, am Donnerstag anlässlich einer Medienkonferenz im Kreuzlinger Dreispitz. Gegen die beiden Kardiologen werden jetzt juristische Schritte eingeleitet.

Sie stellten sich den Fragen der Journalisten (v.l.): Die beiden Fachanwälte Catherine Rutishauser (Kreuzlingen), Eckhard Besuden (Konstanz), Klinik-Geschäftsführer Martin Costa sowie Dierk Maass, Ärztlicher Direktor und Präsident des Verwaltungsrates. (Bild: Thomas Martens)

Sie stellten sich den Fragen der Journalisten (v.l.): Die beiden Fachanwälte Catherine Rutishauser (Kreuzlingen), Eckhard Besuden (Konstanz), Klinik-Geschäftsführer Martin Costa sowie Dierk Maass, Ärztlicher Direktor und Präsident des Verwaltungsrates. (Bild: Thomas Martens)

Hintergrund ist, dass die Klinikleitung die überwiegend anonymen Hinweise auf angebliche Verfehlungen in den beiden Kliniken nicht tatenlos hinnehmen wollte. Spätestens als ihrer Meinung nach gefälschte Dokumente und private Patientendaten in Umlauf gekommen waren, musste das Führungstrio – neben Maass auch Klinikdirektor Martin Costa und seine Frau Antoinette Airoldi – reagieren.

Während derzeit unter anderem staatsanwaltliche Ermittlungen laufen, hat die Klinikleitung ihrerseits Untersuchungen in Auftrag gegeben. Damit wurde ein Unternehmen für Risiko- und Krisenmanagement beauftragt. Die privaten Ermittler vermuteten hinter all den anonymen Anschludigen den gekündigten Kardiologie-Chefarzt Dr. Michael Pieper (wir berichteten) sowie einen seiner Oberärzte und fanden unter einem Vorwand Zugang zu ihnen.

Falscher Reporter?
Beide vermuten, im Dezember 2013 einem offenbar als Reporter aus Berlin getarnten Ermittler bereitwillig Auskunft gegeben zu haben. Mit Zustimmung der Ärzte wurden die Gespräche mit einem Aufnahmegerät mitgeschnitten. Auf die Frage anlässlich der Medienkonferenz, ob sich der Detektiv dabei als Journalist ausgegeben habe, wurde dies vom Konstanzer Wirtschaftsanwalt Eckhard Besuden als Rechtsbeistand der Konstanzer Klinik allerdings ausdrücklich verneint. Er ist sich auf jeden Fall sicher, dass die daraus gewonnenen Erkenntnisse juristisch verwendet werden dürfen. Und diese haben es auf den ersten Blick in sich.

Den Tonaufnahmen, die an der Medienkonferenz den Journalisten vorgespielt wurde, entnimmt die Klinikleitung die angeblich wahren Absichten der bisher anonymen Informanten. Auf die Frage des Ermittlers hin, ob es nicht naheliegend wäre, «was Seriöses auf die Beine zu stellen», antwortete Dr. Pieper: «Ja, was meinen Sie, was wir machen?» Zudem will die Klinikleitung durch die Aufnahmen Indizien dafür gefunden haben, wie die beiden Mediziner akribisch Beweise gegen die Kliniken gesammelt hätten. Zudem seien Medien und Staatsanwaltschaften gezielt für ihre Zwecke instrumentalisiert, zum Teil auch «geschmiert» worden. In der Tat hören sich die mitgeschnittenen Aussagen verdächtig an.

Arbeitsplätze in Gefahr
Für Dierk Maass als ehemaliger Chef waren diese Aussage ein Schlag ins Gesicht: «Ich bin wirklich zutiefst enttäuscht über das skrupellose Vorgehen zweier langjähriger Kollegen.» Mit dieser und anderen Aussagen der Tonaufnahme konfrontiert sei ihm klar geworden, welche Motive hinter den Anschuldigungen liegen. Mit gezielter Manipulation der öffentlichen Meinung und damit verbundenem Druck auf Behörden seien beide Kliniken unter grossen Druck geraten. Dabei hätten die anonymen Hinweisgeber «in unverantwortlicher Art und Weise billigend in Kauf genommen, dass die rund 360 Mitarbeitenden an unseren beiden Kliniken ihren Arbeitsplatz verlieren könnten».

Weg frei für neue Klinik
Für Eckhard Besuden ist der Fall klar: «Alle Informationen, die in letzter Zeit gestreut wurden, dienten allein dazu, dass der Leistungs- und Versorgungauftrag mit den beiden Herzkliniken gekündigt wird.» Damit wäre der Weg frei für eine neue Herzklinik im Raum Kreuzlingen/Konstanz. Die zentrale Aussage des Oberarztes in der Tonaufnahme: «Wenn das so wäre, könnten wir von heute auf morgen eine eigene Klinik lostreten.»

Das Prinzip und die Stossrichtung solcher «Whistleblower» sei gemäss Fachanwalt Besuden dabei immer die Gleiche: «Zuerst wird die Glaubwürdigkeit und Reputation eines Unternehmens erschüttert, um daraus dann eigene Vorteile zu generieren.» Für ihn ist die Vorgehensweise der beiden Ärzte höchst kriminell und zusammen mit seiner Kreuzlinger Kollegin Catherine Rutishauser schwingt er jetzt die juristische Keule: «Uns steht ein ganzes Füllhorn an Möglichkeiten zur Verfügung.»

Strafanzeigen wurden bereits gestellt, die Beschuldigten dürften in den nächsten Tagen ihrerseits mit entsprechenden Vorwürfen konfrontiert werden. Besuden spricht unter anderem von zivilrechtlichen Ansprüchen und Schadenersatzforderungen. Zudem sei zu prüfen, ob die beiden Mediziner mit der Herausgabe privater Patientendaten gegen das Arztgeheimnis verstossen haben. Damit einher gehe die Prüfung eines Approbationsentzugsverfahrens.

Hinweis auf Missstände
Dr. Pieper und sein Kollege sehen diesen Vorwürfen gelassen entgegen. Auf Anfrage hin erklärten beide, dass sie mit ihren anonymen Informationen an die Öffentlichkeit lediglich auf «gravierende Missstände» in beiden Herzkliniken hinweisen wollten. Zunächst habe man es bei der Staatsanwaltschaft versucht. Als sich hier lange Zeit nichts tat, sei man an die Medien gegangen – mit Erfolg.

Der Oberarzt, der mittlerweile gekündigt hat und im April eine neue Stelle antritt, hatte nach eigenen Worten «spätestens dann genug von den Zuständen, als ich von Herrn Costa aufgefordert wurde, einen ärztlichen Kunstfehler zu vertuschen». Und Pieper rechtfertigt seine Aussage zu «etwas Seriöses auf die Beine stellen», damit, eine eigene Praxis eröffnen zu wollen. «Ich habe seit über zehn Jahren eine eigene Praxisbewilligung und möchte gerne noch länger in dieser Region arbeiten.» Entsprechende Planungen und Gespräche seien im Gange.

Indes wird immer noch auf die ersten Ermittlungsergebnisse von Kanton Thurgau und Staatsanwaltschaften gewartet.

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