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«Die SVP nimmt mich in die Pflicht»

Kreuzlingen – Barbara Hummel muss nicht mal ihren Sitzplatz tauschen, wenn sie nach ihrem Parteiwechsel ab Februar für die SVP im Gemeinderat sitzt. In ihrer neuen Fraktion wird sie mit Aufgaben betraut, die ihr die FDP nicht geben wollte. Sie berichtet ausserdem von einem Generationenproblem.

Sieht ihre neue Heimat bei der SVP: Barbara Hummel. (Bild: sb)

Sieht ihre neue Heimat bei der SVP: Barbara Hummel. (Bild: sb)

«Ich fühlte mich nie richtig zugehörig», sagt Barbara Hummel. Und meint damit die Partei, nicht die Fraktion, für die sie seit 2011 im Gemeinderat sitzt. Im Gegenteil: «Die Zusammenarbeit im Gemeinderat funktionierte gut und wird sich in Zukunft eher intensivieren, da ich mit dem ein oder anderen in derselben Kommission zusammenarbeiten werde, was vorher kaum der Fall war.» Barbara Hummel gilt als Finanzfachfrau. So betreut sie die Finanzen der Vereine Städtepartnerschaften und Kreuzlinger Fernsehen und ist Sekretärin im Verwaltungsrat der Bodensee-Arena. Als ehemalige (Vize-) Stadtschreiberin kennt sie zudem die Arbeit hinter den Kulissen der Verwaltung. Sie betont, wie wichtig es sei, in der Politik gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Fühlte sich nicht wertgeschätzt
Einen besonderen Auslöser für ihre «innerliche Kündigung» will sie aber nicht angeben. Es sei die Parteileitung der FDP gewesen, die ihre Qualifikationen nicht geschätzt habe. Und auch über einen möglichen Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, schweigt sie sich aus. Offiziell hatte sie an der vergangenen Gemeinderatssitzung vom Auseinanderleben «in Bezug auf die politische Arbeit und die Gesprächskultur» gesprochen.

SVP bietet ideale Grundlage
Der Sprung zur SVP ist für sie indes kein grosser: In den wesentlichen politischen Fragen seien beide Parteien nicht weit auseinander. Lokal will sich der SVP-Neuzugang für eine lebenswerte Stadt einsetzten. «Das habe ich vor den Wahlen versprochen. Das mache ich jeden Tag und dafür bietet mir die SVP eine ideale Grundlage. Sie nimmt mich in die Pflicht und überträgt mir meinen Fähigkeiten entsprechend auch Verantwortung. Das gefällt mir.»

So durfte die 59-Jährige für die FDP nur als Suppleantin in die Finanz- und Rechnungsprüfungskommission (FRK). Einsitz hatte sie dafür in der Geschäftsprüfungskommission (GPK). In der SVP wird sie nun nicht nur den eigenen Worten nach «mit offenen Armen empfangen». SVP-Präsident Fabian Neuweiler ist glücklich über den Seitenwechsel: «Wir haben ihre Entscheidung positiv aufgenommen und den Antrag einstimmig angenommen.» Für Barbara Hummel wird Peter König seinen Platz in der FRK freimachen – vorausgesetzt, der Gemeinderat stimmt zu.

FDP-Fraktionspräsident Christian Brändli, der auch im Vorstand der Partei sitzt, konnte seine Ratskollegin nicht mehr von der Entscheidung abbringen. Barbara Hummel stellte ihn vor vollendete Tatsachen. In der Gemeinderatssitzung kündigte er an, weiterhin mit ihr zusammenarbeiten zu wollen und dankte ihr für die bisherige Leistung.

FDP äussert sich nicht dazu
Laufen der FDP jetzt die Leute davon? Ob sich Brändli diese selbstkritische Frage stellt, konnte nicht eruiert werden. Denn die Partei hat Stillschweigen vereinbart. «Die FDP Kreuzlingen und Barbara Hummel trennen sich im gegenseitigen Übereinkommen und haben gemeinsam vereinbart, nicht über die Gründe des Parteiaustrittes öffentlich zu debattieren. Die FDP hält ihre Versprechen und wünscht Barbara Hummel für ihre weitere politische Arbeit viel Freude und Erfolg», schreibt Brändli in einem offiziellen Statement. In ihrem Austrittsschreiben vom 21. Januar (liegt uns vor), bat sie exakt darum und kündigte selbst an, ihre Entscheidung nicht weiter öffentlich kommentieren zu wollen.

So wäscht sie denn auch keine schmutzige Wäsche, macht aber auch keinen Hehl daraus, bei der SVP bessere Möglichkeiten zu sehen: «Man kann für etwas sein, oder dagegen, die Hauptsache ist jedoch, dass man eine Linie vertritt und seine Meinung hat. Auch in der SVP darf und muss man seine eigene Meinung vertreten.»

Rücktritt wäre feige gewesen
Dass sie Wähler enttäuscht, die ihr als FDP-Frau die Stimme gaben, glaubt sie nicht. Oder dass ein Rücktritt fairer gewesen wäre: «Ich bin als Person in den Gemeinderat gewählt worden. Meine Wähler habe ich in erster Linie mit meinem langjährigen Leistungsausweis überzeugt. Wenn ich jetzt aus dem Gemeinderat zurücktreten wäre, hätte ich das Gefühl, vor Problemen davonzulaufen. Das entspricht nicht meiner Natur.»

Erneute Kandidatur im 2015
2015 wird Barbara Hummel dann für die SVP kandidieren. Bei den Gemeinderatswahlen  könnten die Liberalen ihre ehemalige Fraktionskollegin vermissen. 750 Stimmen erhielt sie 2011, sie ist bekannt, hat profunde Kenntnisse und einen guten Draht in die Verwaltung. Barbara Hummel formuliert ihre politischen Ambitionen denn auch wie folgt: «Die Wiederwahl in den Gemeinderat mit einem guten Ergebnis.»

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One thought on “«Die SVP nimmt mich in die Pflicht»

  1. Bruno Neidhart

    Warum sich Frau Hummel persönlich so zu „profilieren“ gewillt ist, ist dann noch eine ganz andere Frage als der simple Wechsel nach deutlich „Rechts von der Mitte“.

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