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Diplomatisches Geschick ist gefragt

Kreuzlingen/Konstanz — Beim Thema Verkehr herrscht zwischen Kreuzlingen und Konstanz eigentlich traute Einigkeit – es ist zuviel. Doch bei den Gegenmassnahmen gehen die Marschrouten auseinander. Während in Kreuzlingen noch lange diskutiert und geplant wird, schafft die deutsche Nachbarstadt Tatsachen. Allerdings sehr zum Nachteil von Kreuzlingen

Bei hohem Verkehrsaufkommen sperrt Konstanz immer wieder mal die Zufahrt zum Emmishofer Zoll ab Döbelekreisel. Autofahrer in Richtung Kreuzlingen müssen dann einen Umweg in Kauf nehmen. (Bild: Thomas Martens)

Bei hohem Verkehrsaufkommen sperrt Konstanz immer wieder mal die Zufahrt zum Emmishofer Zoll ab Döbelekreisel. Autofahrer in Richtung Kreuzlingen müssen dann einen Umweg in Kauf nehmen. (Bild: Thomas Martens)

Zuerst war es die länger als geplante Sperrung des Hauptzolls für den motorisierten Verkehr, welche die Gemüter in Kreuzlingen in Wallung brachte. Seit einiger Zeit sorgt die Stadt Konstanz mit einer weiteren Verkehrslenkung für Ärger diesseits der Grenze.

Immer dann, wenn sich vom Emmishofer Zoll ein Rückstau ins Konstanzer Zentrum bildete, wurde die Zufahrt ab Döbelekreisel für den Verkehr gesperrt. «Es handelte sich während der starken Verkehrstage um eine situative verkehrslenkende Massnahme, die in der Regel nur wenige Minuten andauerte, bis der Rückstau vom Emmishofer Zoll aufgelöst war», sagt Stadtsprecher Walter Rügert.
Situationen also, wenn die ersten Besucher die Altstadt wieder verlassen und der Döbele-Kreisel für diese Entleerung benötigt werde. Sollte gleichzeitig der Emmishofer Zoll weniger Autos abfertigen, als auf ihn zukommen, staue sich das dann zurück auf den Döbele-Kreisel. Hier herrscht dann quasi Stillstand und die Altstadt könne nicht entleert werden. Für Walter Rügert macht diese Massnahme durchaus Sinn: «Durch die kurzzeitige Sperrung Richtung Emmishofer-Zoll kann die Situation dann bereinigt werden.»

«Riesensauerei und Schikane»
Ein wenig anders sieht dies allerdings Urs Portmann, der seit 44 Jahren sein Tabakwarengeschäft in der Konstanzer Strasse in Kreuzlingen betreibt, gleich nach dem Emmishofer Zoll: «Ich habe das Gefühl, dass die Strassensperrung länger dauerte, als nur ein paar Stunden.» Diese Massnahme spüre man schon. Seine Kundschaft komme von weit her und müsse dadurch längere Umwege in Kauf nehmen, «das kann nicht sein».

Ökologisch und ökonomisch sei das Ganze eine Riesensauerei. «Wir haben in diesem Bereich immer Stau gehabt, doch solche Schikanen gab es nie», schimpft der Geschäftsmann. Konstanz solle endlich mal seine Verkehrsprobleme lösen, fordert er in Richtung Nachbarstadt.
Portmann schränkt für Kreuzlingen aber gleichzeitig ein: «Auch wir haben kein richtiges Konzept.» Die Lösung sieht der ehemalige Kreuzlinger Gemeinderat nur in «fairen Diskussionen auf Augenhöhe» mit Konstanz.

Mehr bilaterale Gespräche
In diese Kerbe schlägt auch der Kreuzliger CVP-Gemeinderat Ernst Zülle. Er schlägt vor, dass sich die gewählten Volksvertreter beider Städte formell viertel- oder mindestens halbjährlich zu einem Austausch treffen. «Die Regionalplanung aber auch andere Themen, welche unserer Bevölkerung am Herzen liegen, sollen besprochen und ausdiskutiert werden», wünscht er sich.

Die Städte könnten sich Rahmenbedingungen schaffen, welche zu konstruktiven Lösungen führen würden. Anders als die Bevölkerung sei die Politik seit der Grenzöffnung noch nicht zusammengewachsen. Zülle kann sich vorstellen, dass ein regelmässiges Zusammentreffen von Vertretern der Stadtregierungen und aus der Bürgerschaft «mit Sicherheit die Spannungen lösen» würde.

Neue Ideen in Konstanz
Und zu diskutieren gäbe es einiges, sorgt doch gerade Konstanz mit neuen Vorschlägen zur Lösung der Verkehrsproblematik für Aufsehen. Am Mittwochabend gab es eine Bürgerbeteiligung zum Thema «Zukunft Döbele». Hier soll es künftig Parken und Wohnen geben (siehe Seiten 10/11).
Auf Antrag der Freien Grünen Liste befasste sich der Gemeinderat am Donnerstag mit diversen, teils spektakulären Varianten des öffentlichen Verkehrs (ÖV). Das Gremium beschloss mit grosser Mehrheit, die Prüfung der ÖV-Alternativen Wasserbus, Seilbahn und Strassenbahn weiter zu verfolgen.

Für den Einsatz von Wasserbussen spreche deren Unabhängigkeit von anderen Verkehrsarten. Zudem könnten einzelne Ziele direkter als über dem Landweg miteinander verbunden werden. Weiterer Vorteil: der Fahrweg ist bereits vorhanden, lediglich die Haltestellen (Steganlagen) müssten eingerichtet und Fahrzeuge angeschafft werden. Nachteil der Wasserbusse seien niedrige Fahrgeschwindigkeiten sowie voraussichtlich höhere Anschaffungskosten für die Fahrzeuge.

Lösung von oben
Auch eine Seilbahn wäre für Konstanz vorstellbar. Je nach System hätten diese maximale stündliche Kapazitäten von 2800 bis 8000 Fahrgäste je Richtung. Die typische Betriebslänge liege zwischen einem halben und fünf Kilometern. Die durchschnittliche Betriebsgeschwindigkeit liegt zwischen 18 und 30 Kilometer in der Stunde. Für den innerstädtischen ÖV in Konstanz seien diese Systemeigenschaften gut geeignet. Derzeit finden Gespräche mit Anbietern statt, um die technische Machbarkeit und Integration in das städtische ÖV-Netz zu klären.

Bahn frei für die Schiene
Seit etwa 20 Jahren erlebt die Strassenbahn eine Renaissance in europäischen Städten und auch Konstanz denkt darüber nach. Strassenbahnen hätten eine sehr hohe Akzeptanz bei den Fahrgästen, argumentiert die Stadtverwaltung. Sie böten hohen Fahrkomfort bei niedrigem Energieverbrauch und geringen Lärmemissionen. Zudem verfügten sie über mehr Plätze, als Busse.
Eine weitere Alternative sei die Stadtbahn. Sogenannte «Zweisystemstadtbahnen» nutzten im innerstädtischen Bereich Strassenbahngleise und würden mit Gleichstrom angetrieben.

Wesentliche Vorteile seien ein geringer Flächenverbrauch und die Möglichkeit, die Strecken auch bei beengten Verhältnissen direkt bis ins Stadtzentrum zu führen. Kreuzungen mit anderen Verkehrsmitteln könnten ebenfalls plangleich und ungeregelt oder lichtsignalgeregelt betrieben werden. Die Räumzeiten seien dann im Vergleich zu Bahnübergängen an Eisenbahnstrecken deutlich kürzer.

Über Wechselstellen könnten solche Stadtbahnen aber auch auf das normale Eisenbahnnetz gelangen und hier bestehende Strecken und Anlagen mitnutzen. Dafür spreche der einfache Aufbau grösserer Netze, von denen neben dem Stadt-Umland-Verkehr auch stark der innerstädtische Verkehr profitieren könnte.

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One thought on “Diplomatisches Geschick ist gefragt

  1. Marcel Schwarz

    Zum Thema Verkehr in KN, 1. warum soll Kreuzlingen etwas ausbaden, was KN verbockt hat? Die meisten Besucher und Kunden von KN kommen ja nicht aus Kreuzlingen und der Umsatz wird in KN gemacht also sollen die sich darum kümmern und nicht die Probleme abwälzen wenn die sie nicht auf die Reihe bekommen. 2. Für mich viel wichtiger, wann bekommen es die Stadtplaner in KN endlich folgendes in ihre Köpfe, die Kunden wollen nicht ins PR und mit dem Bus in die Stadt gekarrt werden wenn sie shoppen wollen und nicht ihre Einkäufe den ganzen Tag herumtragen. Dann wären sie doch gleich mit dem Zug gekommen. Verschiebt das Lago und alles was im Zentrum ist auf die grüne Wiese mit genügend PP und direktem Anschluss an die Autobahn, Problem gelöst. Oder redet mal mit den Betreibern des neuen Edeka an der Reichenauerstrasse, genügend PP und die Läden voll mit glücklichen Kunden. Mittlerweile hasse ich Konstanz, allein schon wegen den Idioten von Verkehrsplanern. Toller Boulevard übrigens, ich schmeiss mich weg – typisch KN halbe Sache wie immer.

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