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Kurzes Aufatmen für Herzklinik

Kreuzlingen – Nach einer Administrativuntersuchung wird die Kreuzlinger Herzklinik vom Kanton Thurgau entlastet. Neuer Ärger droht den Verantwortlichen aber wegen einer Abhöraktion gegen zwei Ärzte, die als Informanten auftreten und Beweismaterial gesammelt haben.

Auf Dierk Maass, Ärztlicher Direktor des HNZB, warten neue Fragen. (Bild: Thomas Martens)

Auf Dierk Maass, Ärztlicher Direktor des HNZB, warten neue Fragen. (Bild: Thomas Martens)

Die Untersuchung gegen das Herz-Neuro-Zentrum Bodensee Kreuzlingen (HNZB) hat ergeben, dass die Klinik «die gesundheitspolizeilichen Voraussetzungen der Betriebsbewilligung und den Leistungsauftrag in der geforderten Qualität nach wie vor erfüllt». Gemäss Departement für Finanzen und Soziales (DFS) seien keine Abweichungen feststellbar, welche die Qualität der vom HNZB Kreuzlingen angebotenen medizinischen Leistungen und damit das Wohl der behandelten Patientinnen und Patienten in Frage stellen.

Seit 22. November 2013 hatte das DFS geprüft, was in seine Zuständigkeit fällt. Dies betrifft nur das HNZB Kreuzlingen und beschränkt sich auf gesundheitspolizeiliche Fragen sowie die Erfüllung des Leistungsauftrages.

Täuschung mit Folgen
Die «falsche Ärztin», die unter verschiedenen Namen auftrat, habe in der Zeit vom 31. März bis 5. Juni 2013 während fünf Einsatztagen für den Rettungsdienst des HNZB, die RescueMed AG, Kreuzlingen, als freiberufliche Notärztin gearbeitet. Dieser Einsatz für RescueMed sei nicht zulässig gewesen, das HNZB habe sich von dieser Person offensichtlich täuschen lassen.

Immerhin seien durch den Einsatz der «falschen Ärztin» nachweislich keine Patientinnen und Patienten zu Schaden gekommen. Das HNZB wird verpflichtet, künftig die Fähigkeitsausweise und andere für die Zulassung notwendigen Dokumente genauer zu überprüfen und die Gesuche für ärztliche Berufsausübungsbewilligung fristgerecht einzureichen.

Schimmelpilz ist weg
Der Vorwurf betreffend Schimmelpilzbefall hat ergeben, dass dieser isoliert in einem an die Tiefgarage angrenzenden Aufenthaltsraum des Rettungsdienstes und nicht im Patienten- bereich aufgetreten ist. Das HNZB habe sofort nach dem erstmaligen Feststellen die notwendigen Massnahmen eingeleitet, um das Problem fachmännisch beheben zu lassen. Dieses Vorgehen sei nicht zu beanstanden.

Zulässige Herzklappen
Am HNZB Kreuzlingen wurden insgesamt vier menschliche Herzklappen (Homografts) der Universitätsklinik Motol Prag implantiert. Diese Operationen seien nur bei sehr dringlichen oder notfallmässigen Eingriffe erfolgt. Gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) stehe jedoch fest, dass der Einsatz von Herzklappen der Universitätsklinik Motol in Prag bei den Eingriffen im April und Juli 2010 zulässig war und keinen Verstoss gegen das Transplantationsgesetz bedeute.

Das HNZB Kreuzlingen habe vom Januar 2001 bis März 2012 lückenlos eine Bewilligung des BAG zur Einfuhr von Homografts gehabt. Seit Ablauf der Bewilligung am 30. März 2012 seien im HNZB Kreuzlingen keine Homografts mehr implantiert worden.

Einwandfreie Laserkanone
Die Operationsmethode mit einer Laserkanone sei am HNZB Kreuzlingen von 1994 bis 2000 bei sorgfältig auserwählten Patienten angewendet worden. Die Überprüfung ergab, dass der Einsatz des Geräts am HNZB Kreuzlingen nicht zu beanstanden sei. Nach kontroversen Diskussionen um diese Operationsmethode habe das HNZB das Gerät im Jahr 2001 ausgemustert.

Narkotikum ohne Probleme
Am 18. November 2013 wurde bei der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen gegen die Verantwortlichen des HNZB eine Strafanzeige wegen vorschriftswidriger Verabreichung des Narkotikums Propofol eingereicht. Die Staatsanwaltschaft überwies die Akten am 20. Dezember 2013 dem DFS mit dem Hinweis, die Sache sei primär aufsichts- rechtlich zu prüfen. Laut DFS gebe es derzeit keinen Hinweis, dass Propofol am HNZB Kreuzlingen nicht fachgerecht eingesetzt worden wäre.

Abschliessend hat das DFS auch die Einhaltung der Bewilligungsvoraussetzungen sowie des Leistungsauftrags gemäss Spitalplanung 2012 überprüft und festgestellt, dass das HNZB Kreuzlingen alle Anforderungen erfüllt. Aufgrund von Meldungen über angebliche Kündigungen von Ärzten, überprüft das Gesundheitsamt die ärztliche Ausstattung monatlich.

Keine neue Klinik
Nachdem zwei Kardiologen als Informanten ins Visier der Herzklinik geraten waren (wir berichteten), setzen diese sich jetzt zur Wehr. «Es war nicht Intension der Herren Dr. P. und Dr. S., die Herzkliniken zu schädigen», sagt ein Konstanzer Anwalt, der eine Reihe von Medizinern aus dem Umfeld der Herzkliniken in Kreuzlingen und Konstanz vertritt. Jahrelang habe eine Grosszahl der Ärzte beider Häuser intern die Klinikleitung ohne Erfolge auf Missstände hingewiesen. Im vergangenen Jahr seien Ärzte zur Staatsanwaltschaft und an die Öffentlichkeit gegangen, um sich nicht irgendwann wegen Beihilfe oder Vertuschungsaktionen verantworten zu müssen.
Dass die Mitteilungen an die Behörden höchstwahrscheinlich empfindliche Folgen für die Verantwortlichen haben werden, liege in der Natur der Sache, sei aber kein Beweggrund gewesen. «Schon gar nicht wollten die Ärzte oder einzelne hiervon die Klinik übernehmen oder eine Nachfolgeklinik eröffnen», stellt der Anwalt fest.

Der Grossteil der Ärzte verlasse nicht nur die Klinik Kreuzlingen, sondern auch die Region Bodensee, um bei anderen Kliniken zu arbeiten. Dr. P., der von der Klinik gekündigt wurde, bleibt aus familiären Gründen am Bodensee und plane zwischenzeitlich die Eröffnung einer Arztpraxis. Nach eigener Aussage sei er seit über zehn Jahren im Besitz einer Praxisbewilligung. «Die Behauptung einer angeblichen Übernahme oder ähnliches ist Unfug», so der Anwalt weiter.

Illegale Aufzeichnungen?
Aufzeichnungen von Gesprächen mit den beiden Ärzten (wir berichteten), seien nicht nur illegal erlangt, sondern offensichtlich auch präpariert und aus dem Zusammenhang gerissen. Nicht nur die Erstellung der Mitschnitte sei illegal, sondern auch die jetzt erfolgte Veröffentlichung.

Offensichtlich habe sich ein von der Klinik beauftragter Mittelsmann im Dezember 2013 mit Dr. P. und Dr. S. in Verbindung gesetzt und sich als Journalist ausgegeben, teilt der Konstanzer Anwalt mit. Dieser «Peter Köhler» würde für den Berliner Sender rbb als freier Journalist arbeiten und Reportagen erstellen. Der Rechtsbeistand ist nach eigenen Recherchen überzeugt, der Name «Peter Köhler» sei erfunden: «Es scheint so, dass das Herz-Zentrum nicht nur falsche Ärzte beschäftigt, sondern zwischenzeitlich auch falsche Journalisten.»

Die Ärzte Dr. P. und Dr. S. haben eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, dass der verdeckte Ermittler sich als Journalist ausgegeben und auch Presseschutz zugesagt hat. Dies wird von der Herzklinik allerdings bestritten. Private Ermittler hätten in den Gesprächen mehrfach mitgeteilt, dass sie keine Journalisten, jedoch im Bereich der Recherche tätig sind.

Strafanzeige gestellt
Da das Ausspähen von Daten strafbar sei, hat der Konstanzer Anwalt eine Strafanzeige gegen «Unbekannt» sowie die Klinikchefs Martin Costa und Dierk Maass gestellt. Deren Vorgehen sei ein «Ablenkungsmanöver» von zahlreichen Vorwürfen.

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