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Nein zur Erweiterung des Bushofs

Kreuzlingen – 61,8 Prozent sagten Nein zum ersten Xentrums-Projekt. Für den Stadtrat ein enttäuschendes Ergebnis. Vize-Stadtammann David Blatter kündigte an, die Gegner der Vorlage bei der erneuten Planung der Bushof-Erweiterung mit ins Boot zu holen.

2644 Stimmberechtigte legten ein Nein gegen die Erweiterung des Bushofs Bärenplatz in die Urne. Nur 1632 stimmten der Botschaft des Stadtrats (Kosten: 1,3 Mio. Franken) zu. Die Stimmbeteiligung betrug 52,3 Prozent. Über das Abstimmungsergebnis informierten Stadtammann Andreas Netzle und Vize-Stadtammann David Blatter. «Wir sind enttäuscht über das Ergebnis, respektieren die Entscheidung aber», sagte Stadtammann Netzle. Das negative Resultat sei schwer zu interpretieren, weil die Gegnerschaft aus unterschiedlichen Gruppierungen bestehe.

Beteiligt gewesen seien die Befürworter einer Einschränkung des motorisierten Individualverkehrs. Aber auch solche, die generell gegen einen Ausbau des Öffentlichen Verkehrs sind, hätten ihr Nein abgegeben, ausserdem jene, die damit ihre Unzufriedenheit über den Verkehr in Kreuzlingen allgemein zum Ausdruck bringen wollten. Dass der Bushof ausführlichere Planung benötige, will sich der Stadtrat nicht vorwerfen lassen. «Wir haben das Projekt gründlich geplant.»

Wirklich greifbar sei für Stadtammann Netzle die Kritik derer, die warten wollen, wie es mit der Initiative autofreier Boulevard ausgeht. «Leider werden wir dadurch Zeit verlieren.»

Unbefriedigende Situation bleibt fürs Erste
«Die unbefriedigende Situation am Bushof Bärenplatz mit dem engen Perron und der zu kleinen Überdachung wird nun länger bestehen bleiben», stiess Vize-Stadtammann David Blatter ins gleiche Horn. 2015 werden die längeren Busse kommen. «Dann wird es garantiert enger.» Blatter rechne damit, dass die Abstimmung über die Initiative autofreier Boulevard im Herbst vors Volk gelangt. «Diese werden wir abwarten», so Blatter. «Aufgrund der Entscheidung werden wir die Situation neu analysieren.» Bei der Planung sollen dann die Kritiker der Vorlage mit ins Boot geholt werden.

«Wir haben Zeit gewonnen»
Während der Stadtrat die investierte Zeit und die entstandenen Kosten als Verlust abschreibt, sind die Gegner der Vorlage der Meinung, Zeit neu hinzugewonnen zu haben. Markus Brüllmann vom Nein-Komitee zeigte sich erfreut über das deutliche Ergebnis. «Unsere Argumente sind angekommen. Jetzt kann die Stadt ein Projekt ausarbeiten, das an der Urne bestehen bleibt.» Erfreut sei er auch über die Hand, welche der Stadtrat nun ausstreckt. «Wir haben gezeigt, das wir konstruktive Vorschläge haben», so der SP-Gemeinderat mit Blick auf die von seiner Partei in Auftrag gegebene Studie des angesehenen Verkehrsplaners Klaus Zweibrücken.

Boulevard beeinflusst Bushof
Einig scheinen sich beide Seiten jedenfalls darüber zu sein, dass die bevorstehende Abstimmung über eine Schliessung des Boulevards die Ausgestaltung des Bushofs beeinflussen wird. Inwieweit sich die Zeit bis dahin konstruktiv nutzen lässt, wird sich zeigen. So sagte Vize-Ammann Blatter klipp und klar: «Bis dahin wird nichts passieren.» Der Stadtrat steht nun vor der schwierigen Aufgabe, alle Seiten an einen Tisch zu bekommen und ein mehrheitsfähiges Projekt auszuarbeiten. Denn wer wird Stadtammann Netzle widersprechen wollen, wenn er sagt: «Bemängeln ist nicht schwer, Lösungen zu finden schon.»

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One thought on “Nein zur Erweiterung des Bushofs

  1. Bruno Neidhart

    Das mit „Busbahnhof“ und „Boulevard“ ist irgendwie ein „Geisterspiel“. Zu viele Ansichten beschäftigen sich über Details. Wichtiger erscheint vorerst – oder zumindest gleichzeitig – die Frage, wie die Attraktivität des „Stadtzentrums als Ganzes“ gesteigert werden könnte, sowohl auf der kommerziellen Seite, wie auch – parallel – auf der kulturellen (mit entsprechenden Synergien), für jung und alt, für Einheimische wie für Besucher. Danach kann sich dann der Fokus auf den fliessenden und ruhenden Verkehr, den privaten wie den öffentlichen, richten – inklusive „Busbahnhof“. Die Implementierung eines veritablen Stadtzentrums mit ständigem Publikumsverkehr ist insofern vorrangig, da die gestrige Abstimmung zeigte, dass sie nicht unbedingt „zum Wohle von Kreuzlingen“ ausgefallen ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass innerhalb weniger Jahre durch „Zuzugs-Kontingentierung“ dutzende bis hunderte von derzeit neu erstellten Wohnungen in der Stadt nicht zu besetzen sind, ist durchaus als „Gau“ denkbar. Die Stadt muss jetzt umso mehr eindeutig für die Zukunft justiert werden, um so Profil zeigen zu können (auch gegenüber Konstanz!). Und das erfordert Innovation auf allen Ebenen. Was den „Boulevard“ betrifft („Lost“ an der Konstanzerstrasse wäre noch ein anderes Thema!), so kann hier nur stichwortartig die Richtung aufgezeigt werden, in die es gehen könnte: Ausbau des Stadthauses als mehr „bürgerfunktionelles Haus“ – eingeschlossen eine kulturelle Ebene, darin auch die Tourist-Information ansiedeln, usw., dann, am Boulevard, Stadtrestaurant, offenes Bibliothekshaus mit Café, kulturelles Jugendzentrum mit Kino/Veranstaltungsraum, „ebenerdiges“ (endlich!) Buchhandelsgeschäft, geschäftlicher Schwerpunkt „Schweizer Uhren“ kreieren (hier z.B. markanter Uhrenturm erstellen!), Bankenschwerpunkt: besteht, Zugang aus dem Boulevard zum grossen „Karussell-Einkaufszentrum“ so grosszügig wie möglich gestalten, auch als Fussgänger-Zubringer zum Boulevard, weiteres grösseres Einzelhandelsgeschäft am Boulevard ansiedeln, selbst ein – jawohl! – „Burger“-Restaurant, Zugänge zum vorgesehenen Kulturzentrum Schiesser/Alte Molki sichtbar machen (Dachrestaurant mit Blick auf den Obersee!) , Gestaltung des Helvetiaplatzes mit Wasserfontaine als Analogie zum See (Seeblick aus der Stadtmitte heraus nur hier möglich, Lang’s „Ölkübel“ dabei aufheben und anderweitig platzieren), Zugang zum Seegelände Klein Venedig/Hafen/Seepark vom Helvetiaplatz (und Kulturzentrum!) über eine Passerelle (architektonisch bereits als Möglichkeit angezeigt im Wettbewerb „Klein Venedig“), usw. Wie gesagt: Es sind nur Stichworte. Alles ist möglich, was dem Zentrum dient. Zwischen „Vision“ und „Durchführbarkeit“ ist viel Platz. Es braucht dazu Mut und mitmachende Bewohner und natürlich kreative Investoren (dass darin einer gefunden wird, der gleich noch auf das Hochhaus an der unteren Hauptstrasse ein Turmrestaurant mit Aussenaufzug baut – „Bodenseeturm“ genannt – , mit gigantischer Aussicht auf Obersee-, Untersee-, Berge, Mittelalterstadt Konstanz, mit Potential als weit sichtbare „Kreuzlinger Ikone“, bleibt wohl vorerst Wunschtraum!).

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