/// Rubrik: Topaktuell

Lokaltermin kühlt die Gemüter

Kreuzlingen/Konstanz – Mehrere hundert Bürger aus Kreuzlingen und Konstanz waren am Samstag beim Hauptzoll zwischen Kreuzlingen und Konstanz erschienen, um sich aus erster Hand über die Sperrung des Grenzübergangs für den motorisierten Verkehr zu informieren.

Standen der Bevölkerung Rede und Antwort (v.l.): Stadtammann Andreas Netzle, OB Uli Burchardt, Bau-Stadtrat Michael Dörflinger, Verkehrsplaner Andreas Hemmerich (Konstanz), Sandro Nöthiger, Leiter Tiefbau (Kreuzlingen), und der neue Konstanzer Baubürgermeister, Karl Langensteiner-Schönborn. (Bild: Thomas Martens)

Standen der Bevölkerung Rede und Antwort (v.l.): Stadtammann Andreas Netzle, OB Uli Burchardt, Bau-Stadtrat Michael Dörflinger, Verkehrsplaner Andreas Hemmerich (Konstanz), Sandro Nöthiger, Leiter Tiefbau (Kreuzlingen), und der neue Konstanzer Baubürgermeister, Karl Langensteiner-Schönborn. (Bild: Thomas Martens)

Es sah beinahe aus wie ein grenzüberschreitendes Volksfest unter dem Dach des Hauptzolls. Wäre der Anlass weniger traurig gewesen, hätte sogar Feierlaune aufkommen können. Doch die Schliessung des Hauptzolls für den motorisierten Verkehr sorgte für eine eher unterkühle Atmosphäre, die selbst heisse Würste und Glühwein kaum zu erwärmen vermochten.

Kreuzlingens Stadtammann Andreas Netzle wies gleich zu Beginn auf die historische Bedeutung dieser Veranstaltung hin: «So etwas hat es zwischen Kreuzlingen und Konstanz noch nie gegeben.» Die Infoveranstaltung war notwendig geworden, weil die Sperrung des Hauptzolls für den motorisierten Verkehr bis zum 20. April unterschiedliche Reaktionen auf beiden Seiten der Grenze ausgelöst hatte.

Pro und Contra
Während die Bewohner des Konstanzer Stadtteils Stadelhofen die Massnahme zur Verkehrsreduktion begrüssen, klagen hier vor allem Geschäftsinhaber wegen ausbleibender Kunden und auf Kreuzlinger Seite Anwohner der Grenz- und Brückenstrasse. Sie sprechen von einem massiven Mehrverkehr, was von der Stadt Kreuzlingen zurückgewiesen wurde: «Über die Brückenstrasse fahren täglich etwa 1000 Fahrzeuge mehr, als vorher», sagte Sandro Nöthiger, Leiter Tiefbau bei der Stadt Kreuzlingen. Die Strasse sei übrigens für den Mehrverkehr ausgelegt.

Konstanz hatte «gute Gründe» zur Sperrung des Hauptzolls: «An Spitzentagen war hier für Feuerwehr oder Rettungsdienst kein Durchkommen, ich musste handeln», beschrieb Oberbürgermeister Uli Burchardt seine verkehrsrechtliche Anordnung, die er allein zu verantworten habe. «Dies war kein politischer Entscheid des Gemeinderats.» Bei der Sperrung des Hauptzolls handele es sich um einen Versuch. In dieser Zeit würden die Verkehrsströme in beiden Städten gemessen und Verkehrszählungen gemacht.

Burchardt dementierte, dass Konstanz Kreuzlingen mit der Schliessung des Hauptzolls vor vollendete Tatsachen gestellt habe, wie dies in der KreuzlingerZeitung geschrieben wurde. Die Stadt Kreuzlingen sei im Vorfeld darüber informiert worden. «Wir gehen mit», habe Stadtammann Netzle gesagt, auch wenn man nicht begeistert gewesen sei. Dass der Kreuzlinger Gemeinderat nicht miteinbezogen wurde, kritisierte Gemeinderätin Ramona Zülle an Netzle gerichtet. «Der Verkehr ist eine wichtige, aber nicht die wichtigste Frage in Kreuzlingen», entgegnete der Stadtammann. Die Verkehrspolitik löse man nicht mit grossen Mehrheiten. Zufrieden war Zülle mit dieser Antwort sichtlich nicht.

Lösung Klein Venedig
Zahlreiche Gäste nutzten die Gelegenheit, wie vorgesehen ihre Meinung zu sagen oder Fragen zu stellen. Tim Büchele aus dem Quartier Emmishofen bemerkte, dass die Entscheidung zur Schliessung in «einer Nacht- und Nebelaktion» gefällt worden sei, ohne jede Vorwarnung. Für ihn gebe es eine einfache Lösung der Verkehrsprobleme: Wiedereröffnung des Grenzübergangs Klein Venedig für den motorisierten Verkehr.

Der grosse Applaus für dieses Votum zeigte, dass Büchele mit seiner Forderung nicht alleine steht. Auch weitere Redebeiträge zielten in diese Richtung. Stadtammann Netzle teilte diese Euphorie nicht. Er verwies auf die «Freizeitzone», in der die Seestrasse liege. Zudem gebe es für eine Öffnung weder Anträge, noch Entscheidungen.

Einen interessanten Vorschlag zur Verkehrslenkung auf Konstanzer Seite machte der Kreuzlinger Ruedi Fuchs. Um den Verkehr am Döbele besser abfliessen zu lassen, rät er zu einem Kreisverkehr um den Parkplatz. «Der bestehende Kreisel ist falsch geplant.» Das bestätigt auch OB Burchardt, der allerdings auf neue städtebauliche Ideen fürs Döbele-Areal verweist. «Der Verkehr wird im Zuge dessen neu sortiert, deshalb gibt es hier derzeit keine grossen Investitionen.»

Ein Kreuzlinger wollte wissen, weshalb die Stadt nicht weitere Parkplätze bewirtschafte. «Gebühren treffen immer auch Einheimische», sagte Netzle. Der Stadtrat werde aber Überlegungen machen, hier gebe es auch Spielraum ohne den Gemeinderat.

Gemeinsamer Planungsraum
Insgesamt waren sich alle Redner einig, dass Kreuzlingen und Konstanz nur gemeinsam betrachtet und Verkehrsprobleme auch nur gemeinsam gelöst werden können. Erste Ansätze dazu gibt es im Agglomerationsprogramm, das eine ganze Reihe an Massnahmen vorsieht. Ein Votant brachte es auf den Punkt: «Mit dem Velo kann man prima zwischen beiden Städten pendeln.» Es war aber auch mehrfach zu hören, dass in der heutigen Zeit eher Grenzen geöffnet, als geschlossen werden sollten. Nach dem 20. April wird sich zeigen, wie’s am Hauptzoll weitergeht.

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