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Die Faszination der analogen Fotografie

Kreuzlingen – Die aktuelle Sonderausstellung im Museum Rosenegg stellt ein Muss für alle Freunde der analogen Fotografie dar. Sie zeigt einen Querschnitt durch das Schaffen Rolf Wessendorfs. «Mit wachem Auge» hat der in Kreuzlingen aufgewachsene Fotograf Menschen, Natur und Architektur auf Zelluloid gebannt.

Der Fotograf Rolf Wessendorf. (Bild: sb)

Der Fotograf Rolf Wessendorf. (Bild: sb)

Eine alte Grossformatkamera steht in der Vitrine im Foyer des Museums Rosenegg und stimmt auf das Thema der neuen Sonderausstellung ein. Fotografien in schwarz-weiss werden gezeigt, eindrucksvolle, kontrastreiche Werke von Rolf Wessendorf. Die ältesten sind aus den 50er und 60er Jahren, die jüngsten entstanden noch Anfang dieses Jahrtausends – bedeutende Zeugen einer Zeit, in der Fotos noch nicht mit dem Natel geschossen werden konnten, keine Wegwerfobjekte waren. Aus einer Zeit, in der die Menschen noch nicht von Bildern überflutet wurden. Und auch Beweis für die hohe Qualität der analogen Fotografie.

«Liebhaber-Fotografie»
Geschossen wurden sie von einem Berufsfotografen, der seiner Leidenschaft, der Fotografie, auch in der Freizeit frönte. Hier konnte Rolf Wessendorf frei von terminlichen oder organisatorischen Beschränkungen seiner, wie er selbst sagt: «Liebhaber-Fotografie», nachgehen. Das Handwerk lernte der 1931 Geborene dabei von der Pike auf: Indem er eine Lehre als Fachfotograf beim Kreuzlinger Foto Brugger absolvierte und danach an verschiedenen Orten in der Schweiz arbeitete.
1958 übernahm er zusammen mit seiner Frau, ebenfalls Berufsfotografin, die Firma Foto Koch in Schaffhausen. Das Ehepaar leitete das älteste Atelier am Ort, während in der Fabrik weiterhin die berühmte Kamera, die Sinar, hergestellt wurde.

Wenn der Fotograf in eigener Regie loszog, kam es ihm zugute, ein perfekter Techniker zu sein. Denn neben dem künstlerischen («Es ist mir ein Bedürfnis, etwas zu kreieren») war es gerade auch der manuell-technische Aspekt an der analogen Fotografie, der ihn faszinierte. So entwickelte, vergrösserte, passpartourierte und rahmte der Mann seine Bilder selbst.

Wessendorf veröffentlichte auch mehrere Bücher, etwa eine Fotoreihe zum Thema Werktag, Portraits von Berufsleuten mit den für sie typischen Utensilien. Oder «Die Tanne – Ein Stück Schaffhausen», mit dem er seiner liebsten Schaffhauser Weinwirtschaft und deren Stammkundschaft – Debattierern, Politikern, Künstlern und Trinkern – ein Denkmal setzte.

Bilder mit Geschichten
Aus dem Fotografen-Leben kann der 83-Jährige heute zahlreiche Anekdoten erzählen. Seien es Portraits seiner Künstlerfreunde oder Aufnahmen, die bei Ausflügen in die Natur oder in die Stadt entstanden: «Hinter jedem Foto steht eine Geschichte, ein Erlebnis», erklärt der alte Meister. «Für ein Portrait haben wir uns mehrere Stunden Zeit genommen. Nicht selten wurde dabei Rotwein getrunken, es wurden Geschichten erzählt. Freundschaften entstanden», erinnert er sich an eine Sitzung mit dem Schriftsteller Markus Werner.

So wohnt den Fotografien Rolf Wessenbergs ein besonderer Zauber inne. Sie zeugen von perfektem fotografischen Handwerk und von besonderer Liebe zum Sujet – nicht nur für Freunde der analogen Fotografie ein Muss.

Vernissage am Sonntag
An der Vernissage zur Ausstellung «Mit wachem Auge – Fotografien von Rolf Wessendorf» am Sonntag, 9. März, wird der Künstler selbst anwesend sein. Die Ansprache hält Stadträtin Dorena Raggenbass. Der Anlass wird musikalisch begleitet; es gibt einen Apéro. Beginn ist um 15 Uhr.
Weitere Informationen zur Sonderausstellung und allen weiteren Aktivitäten im Museum Rosenegg sind zu finden auf www.museumrosenegg.ch

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