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Wenn Kinder unerklärliche Schmerzen haben

Ein nächtliches Schreien aus dem Kinderzimmer unterbricht den elterlichen Schlaf. «Meine Füsse tun mir weh», klagt die dreijährige Tochter unter Tränen. Mutter und Vater sind alarmiert, wer weiss, was sich die Kleine zugezogen haben könnte. Ist sie vielleicht aus dem Bett gefallen und hat sich was gebrochen? Hat sie sich tagsüber beim Spielen und Toben verletzt?

Wenn sich Kinder gerne und viel bewegen, können Schmerzen im Wachstum auftreten. (Bild: Thomas Martens)

Wenn sich Kinder gerne und viel bewegen, können Schmerzen im Wachstum auftreten. (Bild: Thomas Martens)

Auf den ersten Blick lässt sich jedenfalls keine Verletzung feststellen, auch keine Schwellung oder Rötung der Gelenke. Die Eltern sind ratlos, denn die Tochter kann den Schmerz auch nicht ganz genau lokalisieren – ihr tun einfach die Füsse und Beine bis zum Knie weh.

Schmerzen im Wachstum
Das medizinische Phänomen ist allgemein bekannt unter dem Begriff «Wachstumsschmerzen», auch wenn Dr. Christoph Stüssi lieber von «Schmerzen im Wachstum» spricht. Er ist Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche am Kantonsspital Münsterlingen und ist sich sicher: «Wachsen tut nicht weh. Wenn doch, dann würden Kinder im ersten Lebensjahr dauernd schreien.» Denn in dieser Phase wachsen sie am schnellsten.

Da die Ursachen dieser Schmerzen bislang noch nicht bekannt sind und vor allem bei Kindern bis etwa zum neunten Lebensjahr auftreten, sind Mediziner über viele Jahre hinweg davon ausgegangen, dass sie mit dem Knochen- und Muskelwachstum zu tun haben könnten. Etwa, wenn Knochen schneller als die umliegenden Strukturen und schneller als die Muskeln wachsen. Andere vermuten, dass abendliche und nächtliche Wachstumsschübe zu einer Reizung der Bänder und Sehnen führen, die dann schmerzen. Naheliegend, da die Schmerzen so gut wie immer nur nachts auftreten, in der Ruhe- und Entspannungsphase der Muskeln und Gelenke. Doch das kann es nicht sein, ist Stüssi überzeugt. Auch wenn er die wahren Gründe für diese Schmerzen nicht kennt: «Dazu gibt es keine wissenschaftliche Erkenntnis.»

Immerhin müssen die Kinder mit ihrem «grossen Aua» nicht alleine gelassen werden, denn auch wenn die Ursache unbekannt ist, mögliche Behandlungsmethoden sind es nicht. «Das Wichtigste ist sicherlich, die Kinder mit ihrem Problem ernst zu nehmen und sie zu beruhigen», rät Dr. Stüssi betroffenen Eltern. Deren Nähe und Zuwendung helfe bereits, die Schmerzen zu vergessen oder wenigstens weniger stark wahrzunehmen. Linderungen können leichte Massagen der entsprechenden Stellen verschaffen, auch Positionswechsel, Aufstehen und ein wenig Umherlaufen kann positiv wirken. Oder wärmende Umschläge.

Im Zweifel zum Arzt gehen
Wenn es sich um diese harmlosen «Schmerzen im Wachstum» handelt, sind sie von nicht allzu langer Dauer und treten auch nicht regelmässig auf. Sollten Füsse und Beine bei Kindern aber dauerhaft schmerzen, könnte eine ernsthafte Erkrankung dahinter stecken. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten besorgte Eltern dann auf jeden Fall einen Kinderarzt aufsuchen, respektive einen Arzt, welcher sich mit Kindern gut auskennt, denn «Kinder sind keine kleinen Erwachsenen», weiss Dr. Stüssi aus jahrelanger Erfahrung.

Zur Person
Dr. Christoph Stüssi (57) ist seit 2001 Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche am Kantonsspital Münsterlingen. Der Vater zweier Kinder (fünf und acht) ist Lehrbeauftragter an der Universität Zürich und stellvertretender Leiter der sport medical base am Kantonsspital, zertifiziert von Swiss Olympic.

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