/// Rubrik: Region

Langweiligster Ferienort der Schweiz

Ermatingen – Ermatingen Tourismus wirbt damit, dass ihr Dorf der «langweiligste Ferienort der Schweiz» sei. Inwiefern dies zutrifft und wo die wahren Probleme in Ermatingen liegen, erklärt Gemeindeammann Martin Stuber im Interview.

Gemeindeammann Martin Stuber vor dem Restaurant Adler: «In Ermatingen lässt sich gut schlemmen.»(Bild: ek)

Gemeindeammann Martin Stuber vor dem Restaurant Adler: «In Ermatingen lässt sich gut schlemmen.» (Bild: ek)

KreuzlingerZeitung: «Wir haben nichts, wir tun nichts und wir bieten nichts.» So wirbt Ermatingen Tourismus Ende März im Raum Zürich für ihren Ferienort. Hat Ermatingen nichts zu bieten?
Martin Stuber: Auf den ersten Moment liest sich das natürlich krass. Doch dahinter steckt die Aussage, dass es in Ermatingen nichts gibt, was die Ruhe des Feriengastes stört.  Der Slogan ist pfiffig, orginell und hebt sich von der Masse ab.

Geschieht den wirklich nichts in Ermatingen?
Natürlich! Doch das sind für mich zwei Paar Schuhe. Auf der einen Seite haben wir die Ruhesuchenden, welche ihre Ferien geniessen wollen. Gerade Gäste aus Zürich suchen diesen Ausgleich. Auf der anderen Seite hat Ermatingen viele Vereine, wo sich die Bewohner austoben können. Auch kulinarisch ist Ermatingen gut bestückt und nächstes Wochenende steht die Fasnacht an.

Ist etwas spezielles für die diesjährige Fasnacht geplant?
Dieses Jahr stürmen die Narren das Rathaus und stellen ihren Narrenbaum vor dem Rathaus auf. Damit übernehmen sie quasi die Macht  über Ermatingen. Eine Idee, die zum heutigen Zeitgeist passt.

Nächstes Jahr feiert die Groppenfasnacht sein 500-Jähriges und das  Groppenkomitee sein 111-Jähriges Jubiläum. Welchen Stellenwert hat die Fasnacht für die Ermatinger?
Die Groppenfasnacht ist der wichtigste kulturelle Anlass bei uns. Sie ist die letzte Fasnacht der Welt und hat eine lange Geschichte. Die Leute, die schon länger in Ermatingen wohnen haben diesen Brauch im Blut. Es ist auch immer wieder erstaunlich zu sehen, wieviel Aufwand betrieben wird, um am Schluss viermal durch Ermatingen rauf und runter zu fahren. Denn die Umzugswagen dürfen auf keiner anderen Fasnacht benutzt werden. Alles in allem fördert die Fasnacht den Dorfgeist.

Ermatingen hat mit der Revision der Ortsplanung begonnen. Wo sehen Sie hier Knacknüsse?
Das ist ein ganzes Bündel an Veränderungen, dass uns über die nächsten Jahre begleiten wird. Der neue Plan für den Natur- und Heimatschutz wird sicher zu reden geben. Ich verstehe, dass nicht jeder Eigentümer es gerne sieht, wenn die Liegenschaft aufgestuft und er damit in seiner  Handlungsfreiheit eingeschränkt wird. Andererseits hat man bei Umbauarbeiten Anrecht auf finanzielle Hilfe vom Staat.
Auch die Revision des Zonenplans ist eine Gratwanderung. Die Bodenpreise sind über die letzten Jahre explodiert. Durch eine Verdichtung könnte man mehr Wohnraum schaffen und gleichzeitig das Kulturland schützen. Andererseits muss man die Rechtssicherheit für die bestehenden Eigentümer wahren.

Was wünschen Sie sich für das Ermatingen der Zukunft?
Dass das Wachstum moderater wird und die Bodenpreise sich stabilisieren. Es sollte auch in Zukunft möglich sein, dasss sich junge Familien in Ermatingen niederlassen.

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