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Frühes Englisch hat sich bewährt

Frauenfeld – Seit August 2009 wird im Kanton Thurgau ab der 3. Primarklasse Englisch als erste Fremdsprache unterrichtet.

Im Sommer 2013 trat der erste Jahrgang in die Sekundarstufe I ein. Das Amt für Volksschule beauftragte ein Forschungsteam der Pädagogischen Hochschule Thurgau, im Frühjahr 2013 die Ressourcen, Prozesse und Auswirkungen des Englischunterrichts an der Primarschule im Kanton Thurgau zu evaluieren.

Hohe Zustimmung
Englisch in der Primarschule erfährt bei allen Befragten eine ausgesprochen hohe Zustimmung. Anhand einer geschichteten Zufallsstichprobe wurde untersucht, inwiefern Schülerinnen und Schüler aus je zwölf 6. und 8. Klassen die im Lehrplan vorgegebenen grundlegenden und erweiterten Kompetenzniveaus erreichen.

Ab der dritten Klasse lernen Thurgauer Schüler Englisch. (Bild: tm)

Ab der dritten Klasse lernen Thurgauer Schüler Englisch. (Bild: tm)

Die Schülerinnen und Schüler der befragten 6. und 8. Klassen verfügen grossmehrheitlich über ein positives Selbstkonzept in Englisch und nehmen motiviert und mit Freude am Englischunterricht teil. Auch die Englischlehrpersonen beider Schulstufen, also der Primar- und der Sekundarschule, verfügen über ein positives Selbstkonzept in Englisch, unterrichten die Sprache gerne, fühlen sich kompetent und ausreichend qualifiziert. Rund ein Viertel der Schülerinnen und Schüler besucht den Englischunterricht allerdings nicht so gern. Dies sind in aller Regel auch diejenigen Schülerinnen und Schüler, die schlechtere Leistungen erbringen.

Grundsätzlich gute Lernzielerreichung
Zehn bis 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler der 6. Klassen übertreffen die erweiterten Lernziele, die im Lehrplan für den Englischunterricht definiert sind. Allerdings bestehen grosse Unterschiede innerhalb der Klassen, was auch von den Lehrpersonen bestätigt wird. Auch in den getesteten 8. Klassen der Sekundarschule, die noch kein Primarschulenglisch mitbringen, sind die Leistungsunterschiede gross.

Grundsätzlich werden die Lernziele in den Kompetenzen Hören, Sprechen und Schreiben in den 6. Klassen gut erreicht. Einzig das Leseverständnis sticht kritisch heraus, nur rund 52 Prozent der Schülerinnen und Schüler erreichen dort die grundlegenden oder höheren Lernziele. Da der Englischunterricht an der Primarschule vorwiegend auf Mündlichkeit ausgerichtet ist, erstaunt dieses Resultat auf den zweiten Blick nicht so sehr. Hingegen ist die Schreibkompetenz der 6.-Klässlerinnen und 6.-Klässler sehr gut, rund 85 Prozent erreichen mindestens das geforderte Niveau oder übertreffen es sogar.

Fragestellungen und Methoden
In der Primarschule wird mehrheitlich gerne mit dem Lehrmittel «Young World» gearbeitet. Als besonders anforderungsreich erleben die Lehrpersonen den Umgang mit den sehr heterogenen Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler sowie den Umgang mit dem grossen Stoffangebot des Lehrmittels. Weitere untersuchte Fragestellungen betrafen die Merkmale des Unterrichts, die Schnittstelle zwischen Primar- und Sekundarstufe I und die Kurse zur Zusatzqualifizierung der Lehrpersonen.

Die Evaluation umfasste schriftliche Befragungen von Englischlehrpersonen sowie Schülerinnen und Schülern der 6. und 8. Klassen und Fokusgruppeninterviews mit Englischlehrpersonen, Schulleitungspersonen und Eltern. Die Schülerinnen und Schüler absolvierten zudem Leistungstests, die auch die mündlichen Kompetenzen abdeckten. Die Erhebungen fanden im Mai 2013 statt.

Weitere Massnahmen
Das Amt für Volksschule wird den Evaluationsbericht und die darin enthaltenen Schlussfolgerungen und Empfehlungen genau prüfen und Massnahmen daraus ableiten. Der gesamte Bericht steht im Internet zur Verfügung: www.av.tg.ch > Themen/Dokumente > Englisch Primarschule.

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