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Auf zu neuen Ufern

Konstanz – Das Theater Konstanz widmet sich in der kommenden Spielzeit dem Thema «Amerika». In verschiedenen Produktionen setzt sich die Bühne mit Politik und Gesellschaft des Kontinents auseinander.

Intendant Christoph Nix (Mitte) und die neue Oberspielleiterin Johanna Wehner (vorne rechts) freuen sich mit ihren Kollegen von Jungem Theater und Dramaturgie auf die neue Spielzeit am Theater Konstanz. (Bild: Thomas Martens)

Intendant Christoph Nix (Mitte) und die neue Oberspielleiterin Johanna Wehner (vorne rechts) freuen sich mit ihren Kollegen von Jungem Theater und Dramaturgie auf die neue Spielzeit am Theater Konstanz. (Bild: Thomas Martens)

Theatermacher um  Intendant Christoph Nix (59) stecken zwar noch mitten in der laufenden Saison, richteten die Scheinwerfer am Mittwoch in Konstanz-Staad aber schon mal auf die neue Spielzeit unter dem Motto «Hasta La Victoria Siempre! – Auf nach Amerika», die am 26. September mit der Uraufführung «Hundert Jahre Einsamkeit» beginnt.

Regisseurin Johanna Wehner setzt dabei einen bekannten Roman des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers Gabriel Garcia Marquez um. Die 33-Jährige ist gleichzeitig neue Oberspielleiterin am Theater Konstanz und inszeniert einige weitere Stücke des neuen Spielplans.

Grosse Themenvielfalt
Dieser beinhaltet eine breite Palette an nord- und südamerikanischen Themen. Ob die künstlerische Auseinandersetzung mit der Geschichte der Eroberung des Kontinents durch die Europäer, Revoluzzern wie Che Guevara und Fidel Castro, dem schillernden Leben des Johnny Cash, einflussreichen US-Präsidentengattinnen oder den beiden Lausbuben Tom Sawyer und Huckleberry Finn – für jeden ist etwas dabei. Nicht so recht ins Schema passt auf den ersten Blick das Shakespeare-Drama «Richard III», denn dieser dürfte niemals amerikanischen Boden betreten haben, schliesslich hat Kolumbus erst 1492 – also sieben Jahre nach Richards Tod – Amerika entdeckt. Was den englischen Herrscher für das Thema «Amerika» interessant macht, ist der Machtdiskurs, der sich aus Shakespeares Stück ergibt. «Bei den vielen unterschiedlichen politischen Systemen auf dem Kontinent sicherlich eine spannende Frage», so Christoph Nix. Und selbst der TV-Klassiker «Bonanza» darf im bunten Reigen nicht fehlen, allerdings verwoben mit einer Geschichte von August Strindberg.

Die Themenvielfalt wäre natürlich weit grösser gewesen, doch die Verantwortlichen mussten eine Auswahl treffen. Dies geschieht im übrigen in einem demokratischen Prozess und anlässlich einer Klausursitzung, in der der Intendant nach eigenen Worten für Vorschläge immer offen sei und noch nie ein Stück abgelehnt habe. Einschränkungen würden sich lediglich aus der Ensemblegrösse und -besetzung ergeben. So entstanden 22 Premieren, die wie immer auch etwas für Kinder und Jugendliche bieten.

25 Jahre Junges Theater
Apropos Nachwuchs: Das Junge Theater Konstanz feiert im März 2015 sein 25-jähriges Bestehen. Seit 1990 versucht es, junge Menschen ans Theater heranzuführen und dafür zu begeistern. Und das durchaus mit Erfolg, wie Leiterin Sarah Wiederhold feststellte. 130 Mitglieder haben derzeit die insgesamt fünf Theater-Clubs.  Für Intendant Nix ist der Erfolg des Jungen Theaters hingegen «nicht messbar», da in erster Linie Werte vermittelt würden und es keine Evaluation gebe.

Nicht gut zu sprechen ist Nix, dessen Vertrag in diesen Tagen um weitere vier Jahre bis zu seinem Ruhestand 2020 verlängert werden soll, auf die Politik – sowohl in Stadt und Land. Auf beiden Seiten sieht er «grossen Nachholbedarf», was die finanzielle Unterstützung seines Hauses betrifft. «Kultur hat beim neuen Personal keinen hohen Stellenwert», sagte Nix an OB Uli Burchardt und Kulturbürgermeister Andreas Osner gerichtet. Ein Engagement ausserhalb des Spielplanes sei deshalb so gut wie unmöglich. Alle Kräfte sollen für Amerika gebündelt werden.

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