/// Rubrik: Sport

Der Eisschwimmer aus Tägerwilen

Winterschwimmen – Ernst Späti ist Jahrgang 42 und hat ein eiskaltes Hobby. Der Mann ist Winterschwimmer. Mit Erfolg: An der Weltmeisterschaft in Finnland belegte er den ersten Platz in seiner Alterskategorie.

Winterschwimmen_WM_SpaetiEnde März fand im finnischen Rovaniemi die Weltmeisterschaft im Winterschwimmen statt. Zur Veranstaltung kommen Eisbären aus aller Welt, um sich bei Wassertemperaturen um den Gefrierpunkt zu messen. Der Sport geniesst in Finnland hohe Beliebtheit, lässt sich das Eisbaden doch wunderbar mit wärmenden Saunagängen verbinden. Aber auch Russen oder Bayern sind nicht zimperlich, wenn es darum geht, ins eiskalte Nass zu springen. Sogar aus Mexiko, Südafrika oder Australien kommen Teilnehmer; in London wurde die WM 2008 erstmals sogar ausserhalb der finnischen Landesgrenzen ausgetragen.

 

Wollmützen für die Zuschauer, Badekappen für die Schwimmer: Ernst Späti während des Wettkampfs und im wärmenden Bad danach (oben). (Bilder: Helga Falke)

Wollmützen für die Zuschauer, Badekappen für die Schwimmer: Ernst Späti während des Wettkampfs und im wärmenden Bad danach (oben). (Bilder: Helga Falke)

Insgesamt nahmen 1244 Schwimmer aus 34 Nationen teil. Aus der Schweiz reiste in diesem Jahr nur ein Teilnehmer an den Wettkampf: Ernst Späti aus Tägerwilen. Feuer gefangen hat er vor zwei Jahren: «2012 nahm ich zum ersten Mal an der WM im Winterschwimmen in Jurmala bei Riga, Lettland, teil», berichtet Späti. «Damals betrug die Wassertemperatur ein halbes Grad. Dieses Jahr war es sogar noch kälter im Wasser.»

Ausdauer war gefordert
Rovaniemi indes liegt am Polarkreis. Mit Baggern legten sie dort Bahnen im Eis des Flusses frei. Das Wasser wird künstlich in Bewegung gehalten, Enteisungsmittel verhindert das Wiedergefrieren. Ernst Späti startete in der Kategorie «Ausdauer» und schwamm auf der 450-Meter-Bahn. Mit einer Zeit von 12:35:11 Minuten belegte er den ersten Platz in der Klasse «1944-40».

Für Untrainierte wäre ein solches Unterfangen lebensgefährlich, sie würden einen Herzinfarkt riskieren. Der 72-Jährige hingegen schwimmt seit seinem 40. Lebensjahr regelmässig im Seerhein bei Gottlieben. «Die tiefste von mir im Seerhein gemessene Temperatur betrug dabei plus zwei Grad», berichtet der «Alt-Tägerwiler». Er schwimmt auch, wenn stehende Gewässer zufrieren. «Im Januar 1987 an einem Samstagvormittag habe ich erst im Fluss gebadet, dann sind meine Frau und ich auf Langlaufskiern auf dem gefrorenen Untersee von Mannenbach zur Reichenau und zurückgelaufen», erinnert sich der Eisschwimmer.

Seinem Hobby will er auch weiterhin frönen: «Die nächste Weltmeisterschaft findet in Sibirien statt. Vielleicht probiere ich es nochmals!»

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