/// Rubrik: Stadtleben

In den Tiefen des Internets

Kreuzlingen – Die USA spionieren das gesamte Internet aus, der Ständerat bewilligt Staatstrojaner für die Strafverfolgung. Das Internet ist so unsicher wie nie zuvor – ausser man besitzt einen Bunker.

In einem Armeebunker verwahrt Georg Schulthess die Daten seiner Kunden auf: abhör-, überschwemmungs- und atomsicher. (Bild: ek)

In einem Armeebunker verwahrt Georg Schulthess die Daten seiner Kunden auf: abhör-, überschwemmungs- und atomsicher. (Bild: ek)

Georg Schulthess ist eigentlich ein freundlicher Mann, doch bei seinem Rechenzentrum versteht er keinen Spass. «Hier gilt die höchste Sicherheitsstufe, nicht einmal meine Kunden dürfen sehen, wo wir ihre Daten aufbewahren. Also keine Fotos von Zahlen und Namen.» Wir stapfen über eine  grüne Wiese irgendwo im Thurgau, aus der Ferne hört man Kuhglocken bimmeln. «Hier wären wir», sagt Schulthess, öffnet eine Luke im Boden und gibt Einblick in das Herzstück seiner Ziil Rechenzenter GmbH.

Strom als bestimmender Faktor
Eine Leiter führt in die Tiefe, das Handy von Schulthess klingelt. «Nur ein Alarm, dass jemand den Bunker geöffnet hat», lächelt er. Im Untergrund versperren drei schwere Luftschutztüren den Eintritt, bis man endlich den Serverraum erreicht. Hier verwaltet er Kundendaten, legt Sicherungskopien an oder bietet ein eigenes Cloudnetzwerk an. Der Raum fällt dann aber fast schon enttäuschend normal aus. «Die Internetriesen bieten schöne, wir dafür gute Rechenzentren an», sagt Schulthess und zählt die Vorteile seines Standorts auf: Schutz vor Flugzeugabstürzen, Überschwemmungen und Atombomben. Was Schulthess jedoch wirklich fürchtet, ist ein Stromausfall. «Deshalb stehen 12000 Liter Diesel bereit, um die Server für vier Wochen am Laufen halten zu können.»

Ob es nicht dennoch ein wenig übertrieben ist, virtuelle Daten in einem Bunker zu sichern? «Der physische Schutz ist elementar. Sobald die Server greifbar  sind, kann man sie auch knacken», erklärt Schulthess. Für den virtuellen Schutz sorge er mit seinem Informatikwissen. Generell gehe es beim Datenschutz meist nicht um technische, sondern um Vertrauensfragen. Etwas, das viele Internetkonzerne mittlerweile verspielt hätten. Er sieht sich dehalb auch gerne als lokaler Datentreuhänder des Vertrauens.  Denn Daten von Kunden zu verlieren, wäre für ihn und sein Geschäft der «Supergau».

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