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Hauptzoll bleibt für Autos dicht

Kreuzlingen/Konstanz – Nach fast fünfmonatiger Testphase bleibt die Kreuzlinger Strasse und damit der Hauptzoll für den Kraftfahrzeugverkehr dauerhaft gesperrt. Für Fussgänger und Radfahrer bleibt er weiterhin geöffnet. Die definitive Sperrung haben Konstanz und Kreuzlingen nach intensivem Austausch zwischen den Verkehrsplanern beider Städte gemeinsam beschlossen.

Der Hauptzoll zwischen Kreuzlingen und Konstanz bleibt definitiv für Autos gesperrt. (Bild: Archiv)

Der Hauptzoll zwischen Kreuzlingen und Konstanz bleibt definitiv für Autos gesperrt. (Bild: Archiv)

Auf Initiative der Stadt Konstanz ist die Kreuzlinger Strasse auf der Höhe des Hauptzolls seit der Adventszeit 2013 für den motorisierten Individualverkehr (MIV) gesperrt. Anfang Januar wurde die Schliessung nochmals bis Ende April 2014 verlängert, um Informationen über die Verteilung der Verkehrsströme auch ausserhalb der Weihnachts-Hochlasttage zu erhalten. Am 22. Februar fand eine gemeinsame öffentliche und gut besuchte Veranstaltung am Grenzübergang mit Oberbürgermeister Uli Burchardt und Stadtammann Andreas Netzle statt. Dabei wurde der Bevölkerung auf beiden Seiten der Grenze die Situation erklärt und Gelegenheit gegeben, sich dazu zu äussern.

Konstanzer und Kreuzlinger Stadtspitze für Sperrung
Am 8. April hat sich die im Mai 2013 gegründete Arbeitsgruppe «Grenzübergänge» beider Städte für die Aufrechterhaltung der Sperrung der Kreuzlinger Strasse nach Abwägung der verschiedenen Argumente ausgesprochen. Auf schriftliches Ersuchen von Oberbürgermeister Uli Burchardt vom 11. April hat sich am 15. Aprilauch der Kreuzlinger Stadtrat dieser Haltung angeschlossen.

Entscheidende Verbesserung für Rettungskräfte
Hauptgrund für die definitive Schliessung der Strasse auf Konstanzer Seite ist die Sicherheit. Vor der Sperrung der Kreuzlinger Strasse hatten die Rettungskräfte an Spitzentagen erhebliche Probleme, das Quartier Stadelhofen zu erreichen, so dass für Einwohner und Verkehrsteilnehmer erhebliche Sicherheitsrisiken bestanden. Dies hat sich nun deutlich verbessert. Die Rettungsorganisationen sprechen sich deshalb für eine Beibehaltung der Sperrung aus. Auf Kreuzlinger Seite ist die Sicherheit auch nach der Sperrung kein Problem.

Künftige Verbindungsachse
Die Stärkung der Achse Kreuzlinger Strasse ist unter anderem Bestandteil des Agglomerations-Programms Konstanz/Kreuzlingen, das zwischen 2019 und 2022 die Verbindung der Fussgängerzone in Konstanz mit der Begegnungszone in der Kreuzlinger Hauptstrasse vorsieht. Hierzu soll der Abschnitt zwischen Schnetztor und Helvetiaplatz zu einer «Fussgängerpromenade» aufgewertet werden.Der Konstanzer Masterplan Mobilität weist über diese Achse auch eine Fahrradhauptroute Universität – Zähringerplatz – Paradies – Kreuzlingen aus.

Nachdem die Entscheidung über die Sperrung der Kreuzlingerstraße getroffen wurde, soll in den nächsten Monaten die künftige Ausgestaltung der Achse zügig bearbeitet werden. Dazu zählt auch die Weiterentwicklung der Verkehrsführung in der Schwedenschanze.

Brückenstrasse stärker belastet
In der Testphase haben sich 50 Prozent des Verkehrs vom Kreuzlinger bzw. Haupt-Zoll (max. 4500 Fahrten vor der Sperrung) auf den Emmishofer Zoll (Zunahme von 8800 auf 11000 Fahrten) verlagert. Die Restfahrten wurden grossräumig, zeitlich oder auf andere Verkehrsmittel verlagert. Die erfolgte Mehrbelastung der Brückenstrasse (plus 25 Prozent bzw. 1100 Fahrten) entspricht weitgehend der Prognose des Verkehrsmodells (plus 1200 Fahrten) und ist für eine Strasse dieses Ausbaustandards tragbar. Die Verkehrsmengen in Stadelhofen haben ein akzeptables Niveau erreicht.

Der Stadtteil Stadelhofen profitiert merklich von der Sperrung: die Verkehrsregelverstösse sind spürbar zurückgegangen. Der Konstanzer Handel, mit dem mehrere Gespräche geführt wurden, bleibt von den Auswirkungen weitgehend unberührt. Ein Indiz dafür ist, dass die Innenstadtparkhäuser weiterhin voll ausgelastet sind.

Bei temporärer Sperrung überwiegen Nachteile
Eine mit den direkt betroffenen Konstanzer Händlern in der Kreuzlingerstrasse diskutierte und geprüfte temporäre Sperrung zum Beispiel an Samstagen eignet sich aus mehreren Gründen nicht. Eine einfache Beschilderung anstelle der Sperrung sorgt bei vielen Verkehrsteilnehmern auf Wahrnehmungs- und Akzeptanzprobleme. Fazit: Regelungen, die einen Spielraum in der Interpretation zulassen belasten mit zusätzlichem Verkehr auch auf Kreuzlinger Seite. Zudem ist der Aufwand für eine wechselnde Öffnung und Schliessung mit einem relativ hohen Aufwand verbunden.

Keine Option für die Arbeitsgruppe «Grenzübergänge» und den Kreuzlinger Stadtrat ist eine kurzfristige Öffnung des Grenzübergangs «Klein Venedig». Aufgrund des auch zukünftig zu erwartenden Rückstaus vom Parkhaus Lago nach Kreuzlingen an Spitzentagen. Daher würde ein erhebliches Verkehrssicherheitsrisiko neu entstehen. Eine Prüfung kann über das Gesamtverkehrskonzept erfolgen.

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5 thoughts on “Hauptzoll bleibt für Autos dicht

  1. Bruno Neidhart

    Man schafft natürlich keine „promenadenähnliche Verbindung“ zwischen „Fussgängerzone“ und „Begegnungszone“ beider Städten mit einer, wie das Bild erklärt, „ukraine-artigen Befestigung“ am Zollübergang Kreuzlinger Tor. Diese „Dinger“ sollten zuerst verschwinden, bevor man sich der Fantasie nähert. Grundsätzlich ist die Reduzierung des Fahrzeugverkehrs auf Einsatzfahrzeuge aller Art richtig.

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  2. Hans Dampf

    Wo bleiben die flankierenden Massnahmen für die Brückenstrasse? Da werden die Anwohner einfach im Stich gelassen!

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  3. Bernd Hamerla

    Schön, dass die damaligen, „flankierenden Massnahmen zur Verkehrsberuhigung in der Brückenstrass“(anscheinend eine 30 Zone) eine Mehrbelastung von ca. 1200 Fahrzeugen am Tag einfach so wegstecken kann. Kann man als Anwohner ja nur froh sein, dass der Ausbaustandard auf eine Fahrspur begrenzt wurde. Vielen Dank an die Verkehrsplaner die nach so kurzer Zeit feststellen konnten, dass alles bleibt wie es ist. Vermisst werden eigentlich nur die alternativen Vorschläge um die Dauerstaus in den Griff zu bekommen.
    Bernd Hamerla

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  4. Buebli

    Wenn hüben wie drüben verkehrspolitische Laien und ahnungslose Sonntagsredner am Werk sind, kommt eben so eine „Lösung“ dabei heraus.

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  5. Edith

    Und die Leidtragenden sind die Anwohner auf Schweizer Seite… Aber das interessiert die Herren nicht. Wieso macht man die Brückenstrasse dann nicht zu dem, was sie angeblich ist? Eine Durchfahrtsstrasse? Parkbuchten weg, Tempo 50 und Fussgängerstreifen?? Dann wäre das Stop-And-Go weg und man kann die Strasse wieder normal überqueren. Oder wengistens das Nachtfahrverbot wieder einführen!

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