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Ast und Graltshausen müssen bleiben

Kemmental – Seit mehreren Jahren wollen Bürger der Weiler Ast und Graltshausen zur Volksschulgemeinde Berg-Birwinken wechseln. Dort sind sie auch der Politischen Gemeinde angeschlossen. Mit klarem Ergebnis wurde ihr Antrag an der vergangenen Schulgemeindeversammlung abgelehnt.

Kemmentaler Schüler beim Sternsingen (Bild: zvg)

Kemmentaler Schüler beim Sternsingen (Bild: zvg)

Schlussendlich geht es wie so oft ums liebe Geld. Die Kemmentaler haben ihrer Schule finanziell im Griff, so ist es nicht, trotzdem «kämpfen wir um jedes Kind», erklärte Schulpräsidentin Isabelle Wepfer an der Schulgemeindeversammlung am vergangenen Donnerstagabend. Aster und Graltshauser Bürger halten indes dagegen: «Es geht nicht um Leben und Tod.» Sollte die Volksschulgemeinde Kemmental dicht machen müssen, weil sie gehen, dann würde dies auch ohnehin geschehen. «Unsere Kinder können die Probleme der Schule nicht lösen», fasste Kaspar Stiefel, Sprecher der Unzufriedenen, zusammen.

Sie brauchen die Zuschüsse
Die Kemmentaler Schulbehörde würde bei einer Umteilung der Weiler Ast und Graltshausen zur Volksschulgemeinde Berg-Birwinken auf einen namhaften Betrag an Zuschüssen verzichten müssen. Allein am Sekundarschulhaus Alterswilen wären fünf Kinder betroffen, berichtete Schulleiter Christian Lutz. Das entspreche einem Betrag von 55’000 Franken. «Wir haben kein Interesse daran, dass die Schülerzahlen weiter sinken.»

Die Gegenseite versuchte glaubhaft zu machen, das die Abwanderung nach Berg keine Probleme bereitet. Der Anteil der Schüler aus den beiden Weilern an den sowieso schon sinkenden Schülerzahlen sei viel zu klein. «Der entspricht lediglich 2 bis 2,3 Prozent vom Gesamten», sagte Sprecher Stiefel. Viel schwerer wiege dagegen die «normale» Abwanderung: «Von 2006 bis 2014 sank die Zahl der Schüler von 426 auf 300.»

Schulpräsindetin Isabelle Wepfer ist erleichtert, dass das Thema nun vom Tisch ist. (Bild: sb)

Schulpräsidentin Isabelle Wepfer ist erleichtert, dass das Thema nun vom Tisch ist. (Bild: sb)

Regierungsrat entschied bereits 2010
Die Schulbehörde berief sich indes hauptsächlich auf einen Entscheid des Regierungsrates vom 11. August 2010. Darin erkannte dieser keine schulischen oder wirtschaftlichen Vorteile, welche «eine Änderung der bestehenden Gebietseinteilung erfordern würde». Beispielsweise sei keine Verbesserung beim Schulweg zu erwarten.

Sie rührten ans Herz
Die Separatisten aus Ast und Graltshausen führten dagegen vor allem emotionale Gründe ins Feld. «Ich habe mich immer als Aussenseiter gefühlt und das möchte ich meinen Kindern ersparen», berichtete ein Mann, der im Kemmental zur Schule gegangen war, im Vereinsleben und bei der Feuerwehr in Berg dann aber keine Schulkameraden angetroffen hatte. Ein anderer erinnerte sich mit Bedauern an seine Jungbürgerfeier: «Nur einen einzigen Menschen kannte ich dort.» Eine Kemmentalerin mahnte daraufhin, dass man jetzt nicht die Relationen verlieren dürfe, und erklärte: «Für mich ist die Zugehörigkeit zu einer Schulgemeinde in der heutigen Zeit kein emotionales Thema.» Schulpräsidentin Wepfer erinnerte daran, dass es im Thurgau nicht aussergewöhnlich ist, wenn eine Schulgemeinde nicht deckungsgleich mit der Politischen Gemeinde ist. Bei 24 Gemeinden ist das der Fall.

Das aufwühlende Thema hatte übrigens zahlreiche Gäste, unter ihnen Regierungsrätin Monika Knill, in die Mehrzweckhalle Alterswilen gelockt. Mit 136 Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern gab es eine Rekordbeteiligung. Letztendlich versagte die Versammlung den Astern und Graltshausern ihren seit langen Jahren gehegten Wunsch mit 110 Nein- bei 24 Ja-Stimmen und einer Enthaltung.

Das Sekundarschulhaus Alterswilen nach der Renovation. (Bild: zvg)

Das Sekundarschulhaus Alterswilen nach der Renovation. (Bild: zvg)

Finanziell gut aufgestellt
Die weiteren Traktanden wurden angesichts des Hauptthemas speditiv abgehalten. Schulpflegerin Katrin Burkart präsentierte die Rechnung 2014 und den Finanzplan. Die Rechnung schliesst wie in den Jahren zuvor mit einem satten Gewinn. Der Ertragsüberschuss von 261’163 Franken sei massgeblich auf die Steuereinnahmen zurückzuführen, erklärte Burkart. Diese seien schwer vorauszusehen, rechtfertigte sie die Abweichung vom Budget. Ihr Fazit: «Finanziell haben wir ein gutes Polster.» Und zum Finanzplan: «Wir haben mit unserer Planung einen guten Weg eingeschlagen, der sicher nicht in eine Sackgasse führen wird.»

Wofür das Geld ausgegeben werden soll, zeigte Ueli Vetter vom Ressort Bau. Geplant sind grössere Vorhaben wie eine neue Heizung fürs Sekundarschulhaus Alterswilen für 400’000 Franken, aber auch Kleineres wie ein Dach fürs Primarschulhaus Hugelshofen. Den grössten Brocken wird die neue Mehrzweckhalle Alterswilen verschlingen; der Anteil der Schulgemeinde am gemeinsam mit der Politischen Gemeinde zu realisierenden Projekt beträgt 3 Millionen Franken.

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One thought on “Ast und Graltshausen müssen bleiben

  1. Bruno Neidhart

    Dass Ast und Graltshausen zum nahen Berg-Birwinken auch schulmässig, nicht nur politisch, tendiert, ist verständlich. Da dem nun einmal mehr nicht sein darf, kommt einem sonderbaren politischen Spiel gleich.

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