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Bike-Trail für den Waldfrieden

Kreuzlingen – Nach drei Jahren bürokratischem und nachbarschaftlichem Ringen eröffnet das Sportamt Thurgau nun Bike-Trails in den hiesigen Wäldern. Das Projekt soll drei Jahre dauern.

Michael Krucker, Projektleiter beim Sportamt Thurgau, Erich Tiefenbacher vom Forstamt Thurgau und Biker-Vertreter Oliver Kaderli an einem Messgerät der neuen Bike-Trails (v.l.). (Bild: ek)

Michael Krucker, Projektleiter beim Sportamt Thurgau, Erich Tiefenbacher vom Forstamt Thurgau und Biker-Vertreter Oliver Kaderli an einem Messgerät der neuen Bike-Trails (v.l.). (Bild: ek )

«Hoffentlich tragen die Bike-Trails nun zur Beruhigung der Situation bei», sagte Erich Tiefenbacher vom Forstamt Thurgau anlässlich der Einweihung der Informationsschilder in den Wäldern um Kreuzlingen, Tägerwilen und Ermatingen. Denn die Gemüter in den Wäldern der Region war über die letzten Jahre alles andere als ruhig. Lange schon gärte ein Konflikt zwischen den Waldbesitzern und den Bikern. Diese frönten ihrem Hobby, indem sie bisher illegal Abseits der Wege durch den Wald fuhren.

Legal Sport treiben
Das Sportamt Thurgau sprang schlussendlich in die Bresche und lancierte ein Projekt, damit die Biker auf eingezeichneten Wegen ihrer Leidenschaft legal nachgehen können. Dass dennoch drei Jahre in den Wald zogen, bevor der heutige Biker Trail realisiert werden konnte, liegt laut Projektleiter Michael Krucker vom Sportamt Thurgau an der Bürokratie: «Wir mussten für jede der sieben Tafeln ein eigenes Baugesuch einreichen. Im Wald selber haben wir baulich gar nichts verändert.» Nun sei das Pilotprojekt aber rechtlich einwandfrei aufgegleist und könne über die nächsten drei Jahre Daten sammeln.
Wie oft und wieviele Biker denn wirklich durch den Wald fahren, sei auch immer wieder ein Streitpunkt mit den Anwohnern gewesen. Stichproben von Krucker zeigen nämlich, dass der Andrang nicht allzu gross ist. An einem durchschnittlichen Samstag fahren rund 20 Biker durch einen Waldabschnitt. Mit den flächendeckenden Daten erhofft sich Krucker nach Abschluss der Testphase fundierte Massnahmen ergreifen zu können.

Biker in Verantwortung nehmen
Tiefenbacher hofft nun, dass die eingezeichneten Wege von den Bikern auch benutzt werden und die Wildfahrerei ein Ende nehme. Auf den an sieben Waldeingängen postierten Tafeln sind neben den möglichen Strecken auch Anstandsregeln für die Sportler verzeichnet. Diese sollen etwa Rücksicht auf die Tiere nehmen und keinen Abfall hinterlassen.
Das diese Bike-Trails nun zu einem Biketourismus in der Region führe, glaubt Krucker nicht: «Der Trail soll nicht als Anziehpunkt für den Thurgau werden, sondern den regionalen Mountainbikern die Möglichkeit bieten, sich legal auf den Wegen zu bewegen.» Andere Regionen hätten wesentlich attraktivere Strecken für Mountainbiker zu bieten. Für die Region könnte das Projekt dennoch Wegweisend sein, denn auch auf deutscher Seite kämpfe man mit den gleichen Problemen.

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One thought on “Bike-Trail für den Waldfrieden

  1. Bruno Neidhart

    Da kann man dafür oder dagegen sein! Wälder sind im Prinzip erklärte Ruheorte, in denen „Geschwindigkeit“, wie auch „Lärm“, in der Regel nur von Tieren der verschiedenen Biotope angedeutet wird – es sei denn, „unsere Voll-Ernter“ sind wiedermal unterwegs. Dann geht es rund! Als ziemlich letztes Refugium relativer Naturstille erlangt der Wald besonders in Zukunft grundsätzlich wohl noch eine weit grössere Bedeutung. Das sollte besonders auch der Jugend vermittelt werden. So gesehen ist durchaus vorsichtig damit umzugehen, wie sich Radfahrer auch auf Waldwegen (neudeutsch: „Bike-Trails“!) ihrer Freizeitaktivität widmen sollen. Es kann nur über Kompromisse gelingen. Und so liegt es denn am Sportamt, vertretbare Lösungen anzubieten, die weder Tiere, Spaziergänger, noch Wanderer, also die bisherigen „Waldklassiker“, zu arg beschäftigen. Letztlich liegt es am einzelnen „Biker“ – äh: Velofahrer, wie er mit „Waldeinsamkeit“ umgeht. Wenn das ganze Unternehmen nicht „Tour-de-Suisse“-Charakter annimmt, mag die Sache einigermassen aufgehen, sofern sie nicht zu arg dem Geschwindigkeitsrausch ausgesetzt ist. Heikel ist es allemal. Aber halt auch „trendig“, und hat sich hintergründig – materialbedingt und tourismusrelevant – gar zu einem Wirtschaftsfaktor aufgeschwungen. Dieser Möglichkeit möchte sich wohl auch der Kanton Thurgau nicht entziehen. Sollten allerdings „Massen“ der angesprochenen Sport-Spezies die Wälder heimsuchen, müsste man einfach zu „Kontingentierungen“ schreiten…..!

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