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Alkoholfahrt mit schweren Folgen

Der ehemalige deutsche Radprofi Jan Ullrich (41) hat am Montagabend unter Alkoholeinfluss einen schweren Unfall bei Mattwil verursacht.

Am Samstag hatte Jan Ullrich (re.) in Bottighofen noch viel Spass. (Bild: zvg)

Am Samstag hatte Jan Ullrich (re.) in Bottighofen noch viel Spass. (Bild: zvg)

Bei Mattwil hatte sich am Montag der schwere Unfall ereignet. (Bild: Kapo TG)

Bei Mattwil hatte sich am Montag der schwere Unfall ereignet. (Bild: Kapo TG)

Wie die Kantonspolizei am Dienstag im Rahmen ihrer täglichen Informationen an die Medien mitteilte, wurden nach einer Kollision auf einer Kreuzung bei Mattwil am Montagabend zwei Personen mit Verletzungen ins Spital gebracht.

Ein 41-jähriger Autofahrer war kurz nach 20 Uhr von Happerswil in Richtung Illighausen unterwegs. Gemäss bisherigen Erkenntnissen der Kantonspolizei Thurgau konnte er vor der Kreuzung mit der Strasse Mattwil-Langrickenbach nicht mehr rechtzeitig bremsen und prallte ins Heck eines Fahrzeugs, das sich vor dem Stoppsignal befand. Dieses Fahrzeug wurde in einen Acker geschleudert, überschlug sich und kam auf den Rädern zum Stillstand.

Der Unfallverursacher kollidierte noch mit einem weiteren Auto und rutschte ebenfalls neben die Fahrbahn. Zwei Personen mussten vom Rettungsdienst mit Verletzungen ins Spital gebracht werden. Weil beim unverletzten Unfallverursacher ein Atemlufttest mit rund 1,4 Promille positiv ausfiel, wurden eine Blut- und Urinprobe angeordnet sowie der Führerausweis eingezogen. Der Sachschaden ist mehrere zehntausend Franken gross.

Jan Ullrich gab die Alkoholfahrt und den Unfall auf seiner Facebookseite zu: «Es ist unverzeihlich, dass ich mich unter Alkoholeinfluss ans Steuer gesetzt habe. Das war ein Riesenfehler, den ich zutiefst bereue.» Er habe sich mit seinem Auto auf dem Heimweg nach Scherzingen befunden, als es zu diesem Verkehrsunfall mit zwei anderen Autos kam. «Ich war in diesem Moment unaufmerksam und zu schnell unterwegs – ich wollte einfach schnell nach Hause», so Ullrich weiter.

Er müsse und werde die Konsequenzen tragen. Wie diese aussehen werden, könne man natürlich noch nicht sagen, «mein Führerschein wurde vorerst einbehalten». Das wichtigste für ihn sei aber, dass die Unfallbeteiligten seines Wissens nach unbeschadet geblieben sind und nach einer Untersuchung im Spital glücklicherweise wieder entlassen werden konnten. «Bei allen Unfallbeteiligten werde ich mich selbstverständlich persönlich entschuldigen.» Persönlich war Jan Ullrich bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.

Kein «Kavaliersdelikt»
Jan Ullrich ist damit ein «Wiederholungstäter», allerdings nicht in der Schweiz. Bereits 2002 verursachte er unter Alkoholeinfluss einen Unfall in Freiburg (D). Für die Staatsanwaltschaft Thurgau ist der Vorfall kein «Kavaliersdelikt»: «So etwas wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft», sagt Pressesprecher Stefan Haffter auf Anfrage und beruft sich dabei auf Art. 91 des Strassenverkehrsgesetzes.

Am Samstag davor hatte Jan Ullrich noch ziemlich viel Spass als Stargast anlässlich der «chline Gala» zum zehnjährigen Jubiläum der Stiftung WG Mühligässli in Bottighofen. Der Spass dürfte ihm jedoch erstmal vergangen sein, katapultierte ihn der Unfall doch ungewollt wieder in die Schlagzeilen.

Dabei war es in letzter Zeit um den Tour de France-Sieger von 1997 ruhig geworden, mit seiner Frau und den vier Kindern führt er ein weitgehend beschauliches und zurückgezogenes Familienleben in seiner grossen gelben Landhaus-Villa auf einer Anhöhe, mit herrlichem Blick auf den Bodensee.

 

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3 thoughts on “Alkoholfahrt mit schweren Folgen

  1. Detlev Küntzel

    Wenn man in Deutschland die Autobahn von Nord nach Süden über 7 Std und mehr benutzt, ist die Umstellung auf 2-Spurig enorm und höher bei 170 als bei freiwilligen 100 kmh. Der Rythmus ist riesig, besonders wenn man kurz vor dem Ziel ist. Aber auch bei entspannten 100-120 kmh über viele Stunden, gibt es noch eine kleine Macht der Gewohnheit: der übliche Stau ist hier aber hilfreich.

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  2. Detlev Küntzel

    Dieses Thema fordert auch zur Selbstkritik auf: über die Routine beim Autofahren und die Selbsteinschätzung des eigenen Könnens und der wechselnden Situationen im Verkehrswesen. Auch verliert man die Sicherheit, dass einem nie ein Blackout mit Sach- und Personalschäden treffen könnte, wofür Alkohol keine Voraussetzung sein muss. Trotz Hightech im Auto dürfte es auch zukünftig noch Verkehrsunfälle mit Schäden geben.

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