/// Rubrik: Topaktuell

«Kreuzlingen kommt mit hohler Hand»

Münsterlingen – Bei der Politnacht in Münsterlingen vergangene Woche zum Thema Schwimmhalle gab es Kritik am Vorgehen der Stadt Kreuzlingen. Vier Aussengemeinden stellen eine finanzielle Beteiligung infrage.

Die Gemeinden Altnau, Güttingen, Langrickenbach und Münsterlingen hatten in den GZ Saal der Psychiatrie Münsterlingen geladen, um allgemein über teure Infrastrukturprojekte und speziell über die  geplante Schwimmhalle in Kreuzlingen zu informieren. Anders als an den Politnächten zuvor hielt sich das Interesse der Bevökerung diesmal allerdings in Grenzen. So war die Veranstaltung weitgehend ein Treffen von Kommunalpolitikern und Persönlichkeiten aus Kreuzlingen und den vier Aussengemeinden.

Ruedi Wolfender versucht Frau Gemeindeammann Fabienne Schnyder (Langrickenbach) von den Vorzügen der Schwimmhalle zu überzeugen. (Bild: tm)

Ruedi Wolfender versucht Frau Gemeindeammann Fabienne Schnyder (Langrickenbach) von den Vorzügen der Schwimmhalle zu überzeugen. (Bild: tm)

Nachdem zunächst über Sinn und Zweck von teuren Freizeitanlagen wie Schwimm- und Eishallen gesprochen wurde, verschärfte sich der Ton im zweiten Teil etwas und gipfelte in der Kritik an den Kreuzlinger Stadtrat, das Thema Mitfinanzierung der Schwimmhalle bei den Aussengemeinden völlig falsch angegangen zu sein.

Frau Gemeindeammann Fabienne Schnyder (Langrickenbach) und Gemeindeammann René Walther (Münsterlingen) fühlten sich von Anfang an «schlecht informiert»: «Stadtammann Netzle wurde bei uns im Gemeinderat vorstellig, machte aber keine Angaben zu den Kosten. So können wir nicht entscheiden», sagte Schnyder. Kreuzlingen hätte auch schon früher in der Regionalplanungsgruppe die Möglichkeit gehabt, konkrete Zahlen zum Projekt zu liefern, dies aber nicht getan. «Es sei zum Beispiel nicht klar gewesen, was der SC Kreuzlingen zahlt», kritisierte Walther. Die Karten müssten schon länger auf dem Tisch liegen.

Acht oder zwölf Franken
Anders als Tägerwilen, das sich sowohl an den Bau- als auch Betriebskosten der Kreuzlinger Schwimmhalle beteiligt, haben bis auf Bottighofen (Seite 5) die Aussengemeinden noch keine Entscheidung getroffen. Kreuzlingen will, dass näherliegende Gemeinden (etwa Tägerwilen, Bottighofen, Lengwil und Kemmental) einen Beitrag von zwölf Franken pro Einwohner an die Betriebskosten zahlen, weiter weg liegende (zum Beispiel Altnau, Langrickenbach und Güttingen) acht Franken. Die jeweilige Bevölkerung soll rabattierte Jahres- und Abokarten kaufen können. Von Ermatingen und Salenstein ist angesichts des Hallenbades in Ermatingen kein Beitrag zu erwarten.

Zahlen ohne Mitsprache
«Wir sollen zahlen, aber kein Mitspracherecht haben.» Auch dies monierte René Walther. Er hätte sich zum Beispiel eine Art Zweckverband vorstellen können, der das Bad betreibt. So wie es zum Beispiel bei Abwasserreinigungsanlagen interkommunal praktiziert werde. «Doch dafür ist es jetzt zu spät und Kreuzlingen scheint auch kein Interesse daran zu haben.»

Münsterlingen käme auf eine Betriebskostenbeteiligung von rund 30000 bis 40000 Franken, je nachdem, ob nun acht oder zwölf Franken pro Einwohner zugrunde gelegt werden. «Dies zu entscheiden liegt durchaus in der Kompetenz des Gemeinderates», teilt René Walther mit und auch der Gemeinderat von Langrickenbach kann eine Summe von rund 10000 Franken leicht selbst bewilligen. «Über die Budgetverhandlungen müsse das Vorhaben indirekt aber doch vors Volk», sagte Fabienne Schnyder. Und in der entsprechenden Gemeindeversammlung seien durchaus Diskussionen zu erwarten. «Kreuzlingen hat gemerkt, dass die Schwimmhalle teurer wird, und kommt jetzt mit der hohlen Hand», bringt sie es für die Aussengemeinden auf den Punkt. Güttingen wird in der nächsten Gemeinderatssittung nach Pfingsten darüber beraten, Altnau, Langrickenbach und Münsterlingen warten den Kreuzlinger Entscheid am 28. September ab.

Die Vorteile eines Schwimm- und Freizeitbades in Kreuzlingen für die Region und ihre Bewohner sind unbestritten. Fraglich war und ist aber auch nach diesem Informationsabend die Nutzung. Während der Familienbereich bis auf ein Wochenende im Jahr (Einschwimmbecken für allfällige nationale Meisterschaften) für die Öffentlichkeit vollumfänglich zugänglich ist, liegt das teilbare 50 Meter-Becken im Fokus von Schulen, Vereinen und Freizeitschwimmern.

Restzweifel bleiben
Auch wenn Kreuzlingen eine Koordination der verschiedenen Anspruchsgruppen in Aussicht stellt, bleiben bei Vertretern der Aussengemeinden Restzweifel, ob für die Öffentlichkeit angesichts des hohen Nutzungsdrucks im 50 Meter-Becken überhaupt noch genügend freie Kapazitäten zur Verfügung stehen.

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One thought on “«Kreuzlingen kommt mit hohler Hand»

  1. Bruno Neidhart

    Wenn wegen „des hohen Nutzungsdrucks“ im Bezug auf „freie Kapazitäten“ entsprechende „Restzweifel“ bestehe sollten, so ist durchaus darüber zu diskutieren. Andererseits zeigt exakt die Verwendung des Begriffs „Nutzungsdruck“ deutlich, dass eine hohe Nachfrage nach ganzjähriger Schwimmmöglichkeit besteht. Insofern müsste man also eher nach einer noch grösseren Hallenwasserfläche tendieren, was nun allerdings weit jenseits einer Realität des Machbaren steht. Und so ist also auszuloten, wer von der vorgelegten Planung vielleicht überproportional profitiert, respektive wo vielleicht noch bei den „Kapazitäten“ korrigiert werden müsste, um einen demokratischen Kompromiss zu finden, ohne den es auch bei einer solchen Sport- und Freizeitanlage nun mal nicht abgehen wird.

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