/// Rubrik: Stadtleben

«Die beste Lage in Europa»

Kreuzlingen – Das Quartier Emmishofen scheint ein Miniaturbild von Kreuzlingen zu sein. Hier fliesst der Verkehr durch und Asylsuchende kommen an. Gleichzeitig gibt es Naherholungsgebiete und viel Kultur. Was sagen die Bewohner und Geschäftsleute über ihr Quartier?

«Wir haben seit 44 Jahren Stau», bemerkt Urs Portmann schmunzelnd. Mit seinem gleichnamigen Tabakwarengeschäft ist er ein Urgestein in Emmishofen und gibt sich selbstkritisch. Der Fachhandel hätte die letzten Jahre geschlafen und den Anschluss verpasst. «Man muss sich selber an der Nase nehmen», so Portmann. Die Bewohner sind sich einig: Der

Wo sonst hat man internationalen Verkehr, Touristen und Natur?(Bild: ek)

Wo sonst hat man internationalen Verkehr, Touristen und Natur? (Bild: ek)

Wegzug der Migros hat dem Quartier geschadet. Roland Dörig von der Garage Schlauri AG: «Es ist schon schade, dass die Migros nicht mehr da ist. Auch die Post und der Bahnhof sind unpersönlicher geworden. Es scheint heute alles nur noch eine Frage der Rendite zu sein.» Für Portmann ist das Quartier nach dem Wegfall der Migros gerade in einer Umbruchsphase. «Es gibt noch viele Nischen die man in Kreuzlingen besetzen könnte», sagt er und fügt an «die Lage hier ist die beste in Europa. Wo sonst hat man internationalen Verkehr, Touristen und eine herrliche Natur?» Kreuzlingen könne diese Vorteile einfach nicht richtig verkaufen.

Stadthaus im Gardencity
Diese Nischen scheinen sich langsam zu füllen. Dasha Brauchli etwa hat vor einem halben Jahr ihr Dessous Geschäft an der Konstanzerstrasse eröffnet. Sie sieht den ganzen Rummel positiv. «Viele Leute kommen vorbei und schauen sich die Auslage an. Und wegen der zentralen Lage ist mein Geschäft von überall aus erreichbar.»

Auch Yvonne Ammann von Büro Bührer sieht den Verkehr und die Schliessung des Hauptzolls positiv: «Jetzt kommen alle bei uns vorbei, das ist gratis Werbung.» Für sie sei es nur eine Frage der Zeit bis wieder alle Läden bevölkert sind.

Für Hubertus Schmidt vom Restaurant Don John hat das Quartier vor allem unter der Eröffnung des Autobahnzolls gelitten. «Früher sind alle Lastwagenfahrer hier eingekehrt oder haben eingekauft. Die fehlen jetzt.» Die Einkaufstouristen und der Verkehr den sie mitbringen, würden diesen Wegfall kompensieren. «Für meine Gäste ist das fast schon Unterhaltung. Man kann draussen sitzen und dem regen Treiben zuschauen.»

Auch Stadtpolizist Roman Zindel hat dadurch mehr Arbeit. «In Emmishofen kann man viele Parkbussen verteilen.» Ansonsten sei das Quartier wie jedes andere; auch mit den Asylsuchenden gebe es nie Probleme. Die Anwohnerin Alice Weideli lebt seit 50 Jahren in Kreuzlingen und seit 13 in Emmishofen. Die Asyl-Empfangsstelle und der Verkehr störe sie nicht. «Ein paar Seitenstrassen weiter bekommt man vom ganzen Verkehr an der Konstanzerstrasse nichts mit über», so Weideli. Sie könne aber verstehen, dass sich viele darüber aufregen. «Jedem ist  sein ‹Hemdli› halt am nächsten.» Schade sei nur, dass der Migros und Gardencity so verlassen aussehen.

Schmidt hat dafür dann auch gleich die Lösung parat. «Das neue Stadthaus könnte doch ins Gardencity ziehen. Dort haben sie genug Büros, Parkplätze und der Boulevard wird nicht belastet. Und Wohnungen für die Asylsuchenden sind auch vorhanden.»

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2 thoughts on “«Die beste Lage in Europa»

  1. schiesser

    Aha, Sascha Bührer findet die Lage ihres Bürobedarfs-Geschäftes ideal. Vielleicht könnte dann mal jemand erläutern, warum sie auf einem Plakat im Schaufenster diese Geschäftes den Umzug des Ladens verkündet.

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