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Das Wahlkampfgetöse mit Verspätung

Kreuzlingen – Der erste Wahlgang bei der Ersatzwahl in die Primarschulbehörde verlief weitgehend unspektakulär. Jetzt im zweiten wird es spannend, denn nun reicht das einfache Mehr. Und auch der Wahlkampf hat Pfeffer bekommen, seit sich Jost Rüegg von der Freien Liste eingeschaltet hat.

Zum zweiten Wahlgang wollten eigentlich nur Stefan Zbornik (l.) und Michael Stahl antreten. Zbornik hat sich bisher vor allem als Aktivist im Kampf gegen Mobilfunkantennen einen Namen gemacht. Stahl vertritt einen bürgerlich-liberalen Standpunkt, ist aber nicht Mitglied der FDP. (Bild: sb)

Zum zweiten Wahlgang wollten eigentlich nur Stefan Zbornik (l.) und Michael Stahl antreten. Zbornik hat sich bisher vor allem als Aktivist im Kampf gegen Mobilfunkantennen einen Namen gemacht. Stahl vertritt einen bürgerlich-liberalen Standpunkt, ist aber nicht Mitglied der FDP. (Bild: sb)

Alles begann mit einem Flüchtigkeitsfehler: Am 18. Mai hatte Schulpräsident Jürg Schenkel, wie jeden Wahlsonntag, die Ergebnisse auf der Homepage der Schule aufgeschaltet. Beim Übertragen vom Wahlprotokoll ins Internet verwechselte er aber die Stimmenanzahl Stefan Zborniks mit der von André Burgermeister. «Eigentlich unbedeutend», urteilt Schenkel rückblickend. Hatte doch Michael Stahl haushoch gewonnen (siehe Kasten). Ausserdem korrigierte Schenkel den Fehler nach einem Hinweis von der Thurgauer Zeitung noch am selben Abend. Die an die Presse versendeten Wahlprotokolle hatten die korrekte Daten enthalten.

Erster Wahlgang
Beim ersten Wahlgang verpasste Michael Stahl das Absolute Mehr nur knapp: Er erreichte 1376 Stimmen, 37 fehlten also zum Sieg. Auf dem zweiten Platz landete André Burgermeister mit 719. Stefan Zbornik erhielt 652 Stimmen. Die Behörde hat neun Mitglieder, drei Sitze hält die FDP, zwei die SP, jeweils einen CVP, EVP und Freie Liste.

Kritik vom Sprecher der Linken Liste
Bei Jost Rüegg von der Freien Liste löste der Fehler, auch wenn er am Ergebnis nichts geändert hätte, dennoch Verunsicherung aus. «Wo ein Fehler passiert, könnten mehrere passieren», sagt der erfahrene Politiker, den zudem irritiert, dass keine Wahlprotokolle an die Kandidaten versandt wurden.

Rüeggs hauptsächlicher Kritikpunkt ist jedoch, dass die Primarschulbehörde bei einer Wahl Stahls zu sehr von der FDP dominiert werden würde, war doch erst kürzlich, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, Vizepräsident Markus Blättler von der SVP zur FDP gewechselt. Jetzt portiere die Partei Michael Stahl nicht offiziell als ihren Kandidaten, um sich so «die vollständige Kontrolle» zu sichern. Was laut Rüegg auch im Sinne des Schulpräsidenten Schenkel sein dürfte: «Ihm als FDP-Mann ist mehr dran gelegen, Michael Stahl in der Schulbehörde zu sehen, als den unbequemen Stefan Zbornik.»

FDP empfahl Stahl zur Wahl
Rüeggs Einschreiten veranlasste die FDP dazu, Stellung zu nehmen. Michael Stahl wird nicht offiziell portiert, so Ortspräsident Patrik Hugelshofer. «Er ist auch nicht Mitglied in der FDP. Wir haben ihn lediglich aufgrund seiner Erfahrungen, Eigenschaften und Fähigkeiten als äusserst geeigneten Kandidaten unseren Mitgliedern empfohlen.» Dies sei allerdings auf Eigeninitiative von Stahl erfolgt. «Wir haben ihn nicht eingeladen», so Hugelshofer.
Jost Rüegg deute an, dass es eine «Verschwörung» gibt. «Damit stellt er sich in eine Ecke, in die er als fähiger und engagierter Macher eigentlich nicht passt», so die deutlichen Worte des FDP-Präsidenten. «Wenn eine Wahl verloren geht, sollte man das hinnehmen und nicht öffentlich Schuldige suchen.»

Für Kreuzlingen aktiv werden
Und was sagen die Kandidaten dazu?  Sie alle treten schliesslich offiziell parteilos an. «Ich bin bürgerlich-liberal eingestellt», erklärt Michael Stahl. «Das bedeutet aber nicht zwangsweise FDP.» So hätten schon die Grünliberalen ihre Fühler nach ihm ausgestreckt. «Ich bleibe aber parteilos und habe mich wegen dem Amt zur Wahl aufgestellt. Mir ist wichtig, dass die Schulbehörde gut funktioniert. Ich will für Kreuzlingen aktiv werden.» Der ehemalige Sekundarschullehrer ist verheiratet und lehrt an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Die schulischen Themen kennt er und sie liegen ihm am Herzen.

Gesundheitsschutz wichtig
Stefan Zbornik ist Ingenieur und promovierter Wirtschaftsinformatiker. Er engagiert sich seit vielen Jahren parteiunabhängig für Aspekte des vorsorglichen Gesundheitsschutzes. «Dies trifft insbesondere auch für den gesundheitlichen Schutz von Schulkindern zu», unterstreicht der Vater von zwei kleinen Töchtern. Seine Frau ist Primarschullehrerin. «Das motiviert mich, möglichst gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit nicht nur meine, sondern alle Kinder unbeschwert und erfolgreich lernen können.» Zbornik schreibt, er sei weiterhin offen für Gespräche und Diskussionen mit allen politischen Parteien und weiteren Interessengruppen, die prüfen möchten, ob sie ihn bei seiner Kandidatur unterstützen möchten.

Burgermeister doch dabei

André Burgermeister hat seinen Entscheid, nicht wieder anzutreten, rückgängig gemacht. Er lässt sich in keine (partei-)politische Ecke stecken. (Bild: zvg)

André Burgermeister hat seinen Entscheid, nicht wieder anzutreten, rückgängig gemacht. Er lässt sich in keine (partei-)politische Ecke stecken. (Bild: zvg)

Beide Kandidaten legen sich derzeit für den zweiten Wahlgang ins Zeug und verteilen Flyer im Stadtgebiet. Vom dritten gibt es indes überraschende Neuigkeiten. André Burgermeister wollte seine Kandidatur nach dem deutlichen Ergebnis im ersten Wahlgang eigentlich zurückziehen. Da nun klar sei, dass Michael Stahl eine Partei im Rücken habe, hat er sich spontan zum Wiederantritt entschlossen. «Ich bin parteilos,» sagt Burgermeister. «Bei der Wahl in eine Schulbehörde sollte es meines Erachtens auch um die Fähigkeiten und Kompetenzen der Kandidaten gehen, nicht um Parteizugehörigkeit.» Der Vater von zwei schulpflichtigen Töchtern will sich für das Wohl der Kinder einsetzen. Er arbeitet als Teamleiter Logistik.

SVP ohne Sitz
Fest steht auf jeden Fall, das die SVP gar keinen Sitz mehr in der Primarschulbehörde hat. Als Verlierer sieht man sich aber nicht, erklärt Präsidentin Irène Herzog. «Eine Schulbehördenwahl ist keine politische Wahl, sondern eine Personenwahl. Wichtig ist, dass die Behördenmitglieder ihre Aufgaben wahrnehmen, und das hat nur bedingt mit Parteipolitik zu tun.»

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