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Gefahr für Feuerbrand steigt

Frauenfeld – Aufgrund der Witterung erfolgte in diesem Jahr im Kanton Thurgau keine Freigabe für den Einsatz von Streptomycin. Anfang Juni 2014 zeigte sich aber an verschiedenen Orten Befall. Demnächst beginnen die Feuerbrandkontrollen.

Bei hohen Temperaturen steigt die Gefahr von Feuerbrand im Obstbau. (Bild: Archiv)

Bei hohen Temperaturen steigt die Gefahr von Feuerbrand im Obstbau. (Bild: Archiv)

Die Obstkulturen im Thurgau präsentieren sich insgesamt erfreulich. Trotz des eher kühlen und teilweise verregneten Monats Mai zeigen die verschiedenen Obstarten gute Behänge. Anders als im Vorjahr, als um die gleiche Zeit ein Vegetationsrückstand von rund zwei Wochen bestand, ist nun im Vergleich zu einem Normaljahr ein Vorsprung von rund 10 Tagen zu verzeichnen. Wind, Graupelschauer mit viel Wind, Hagel und lokaler Starkregen haben jedoch da und dort bereits zu Schäden geführt.

Keine Honigkampagne 2014
Die rund 750 Imker im Kanton können aufatmen. Zum zweiten Mal in Folge wurden aufgrund der Witterungsprognosen während der Obstblüte in diesem Jahr die Bedingungen für Neuinfektionen mit Feuerbrand nicht erreicht. Dadurch konnte im Kanton Thurgau wie auch in den Nachbarkantonen Zürich und St. Gallen auf den Einsatz von Streptomycin verzichtet werden und der Honig muss im Jahr 2014 nicht beprobt werden. Trotz des eher kühlen und teilweise verregneten Monats Mai waren die Bienen offenbar recht fleissig, sodass die Honigernte auch mengenmässig zufriedenstellend ausfallen dürfte.

Witterungsverhältnisse machten Infektionsprognosen schwierig
Die für eine Infektion potenziell gefährdeten Blühphasen waren geprägt durch eher zu tiefe Temperaturen sowie durch Wind und Wolken. Von den Infektionsbedingungen her heikle Tage resultierten nur gerade vom 24. bis 26. April. An diesen Tagen war zwar das Erregerpotenzial noch nicht sehr hoch, die effektiven Tagestemperaturen lagen zum Teil aber deutlich höher als dies die Meteorologen prognostiziert hatten.

Ein grosses Problem in der Beurteilung stellten die vielen Wolken dar, welche die Temperatur im Schatten deutlich absinken liessen. Daneben war es aber oft drückend warm. Feuchtigkeit war genügend vorhanden und die Temperaturen sackten erst am 28. April markant ab. Diese Ausgangslage führte dazu, dass der Einsatz von Streptomycin für die Bekämpfung, obschon auch für diese Saison grundsätzlich bewilligt, nicht freigegeben wurde. Vereinzelt wurden Parzellen mit dem neuen Produkt LMA bei den spätblühenden Sorten behandelt. Im Nachhinein stellt sich natürlich die Frage, ob die Nicht-Freigabe richtig war.

Verbreitet leichter Befall im Mittel- und Oberthurgau
Die aktuelle Situation Anfang Juni 2014 zeigt in den Obstanlagen folgendes Bild: Trotz der kaum zustande gekommenen Infektionstage wurde ab dem 9. Mai im Mittelthurgau und im Oberthurgau verbreitet leichter Befall an Einzelblüten festgestellt. Bis heute hat sich dieser auf fast alle Gebiete ausgeweitet. Einige Parzellen zeigen bei einzelnen Sorten einen stärkeren Befall. Auch bei Hochstämmen wurde bereits Befall festgestellt.

Wie ist dies zu erklären? Befall resultiert sowohl durch Neuinfektionen über die Blüte, wie auch über Erreger, die sich aus den Vorjahren latent halten konnten. Mit Rückriss kann sehr viel saniert werden, sofern dieser auch grosszügig erfolgt. Im Jahr 2007 konnten so sehr viele Obstanlagen gerettet werden. Rückriss bedeutet aber leider nicht, dass der Erreger nicht mehr da ist. Wird der Rückriss zu wenig grosszügig und zu weit vom Stamm durchgeführt, so kann sich das Erregerpotenzial im Verlauf der Zeit wieder aufbauen. Bei einigermassen günstigen Witterungsbedingungen kommt es dann wieder zu neuen Infektionen.

Kontrolle und Bekämpfung nach wie vor dringlich
Seit zwei Jahren wurde Feuerbrand im Thurgau nun nicht mehr mit Antibiotika und auch nicht mit anderen wirksamen Produkten bekämpft, wodurch sich das Erregerpotenzial wieder vermehren konnte. Die aktuelle Situation im Jahr 2014 zeigt, dass der Erreger nach wie vor latent verbreitet ist und dass entsprechende Bekämpfungsmassnahmen auch in den nächsten Jahren unumgänglich sein werden.

Kontrollen im Siedlungsgebiet und bei Hochstämmen
Vor diesem Hintergrund wird auch dieses Jahr in der Obstbauzone 1 und um die Schutzobjekte der Obstbauzone 2 wieder eine flächendeckende Feuerbrandkontrolle durchgeführt, innerhalb und ausserhalb des Siedlungsgebiets. Das Schreckensjahr 2007 liegt zwar schon etwas zurück, der aktuelle Stand deutet aber an, dass ein solches Szenario jederzeit wieder möglich ist, wenn gar keine Feuerbrandbekämpfung mehr erfolgt. Die Kontrollen der Hochstämme und Gärten werden wie üblich erst gegen Ende Juni beginnen, da vorher oft zu wenig klare Symptome sichtbar sind. Die Kontrolleure sind befugt, alle Parzellen zu betreten und Proben zu entnehmen. Auf der Internetseite www.arenenberg.ch sind die Listen der Gemeindekontaktstellen und der Feuerbrandkontrolleure in den einzelnen Gemeinden zu finden.

Befallene Äste grosszügig entfernen
Der Rückriss bzw. bei stark befallenen Bäumen die Rodung sind im Hochstammobstbau nach wie vor die ersten und wichtigsten Vorbeugemassnahmen. In der Obstbauzone 1 sowie in den Schutzobjekten der Obstbauzone 2 werden sowohl der Rückriss als auch der Rückschnitt nach wie vor verlangt und auch entschädigt.

Auch die Bewirtschafter von Obstbäumen in der Obstbauzone 2 werden dazu aufgefordert, leichteren Befall grosszügig zu entfernen und durch Feuerbrand offensichtlich stark befallene Bäume freiwillig zu roden. Dies in dem Sinne, dass die gesunden Bäume nicht auch noch krank werden sollen. Im Zweifelsfall stehen die Kontrolleure gerne beratend zur Seite. Das Landwirtschaftsamt dankt allen Baumbewirtschaftern für die Kooperation im Rahmen des Gesamtkonzepts zur Feuerbrandbekämpfung.

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